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Energie & Rohstoffe > Konjunkturumfrage Winter 2025

Bayerische Metall- und Elektroindustrie im Krisenmodus

| Vera König | Lesezeit: 3 Min.

Die Hoffnung aus dem Sommer ist verflogen: Die bayerischen M + E Unternehmen beurteilen die wirtschaftliche Lage im zweiten Halbjahr als schlecht. Dies offenbarte nun eine Umfrage der Arbeitgeberverbände bayme vbm.

Die Stimmung unter den bayerischen M + E Unternehmen hat sich im zweiten Halbjahr 2025 massiv verschlechtert.
Die Stimmung unter den bayerischen M + E Unternehmen hat sich im zweiten Halbjahr 2025 massiv verschlechtert (Foto: Shutterstock).

Die Stimmung in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie hat sich im zweiten Halbjahr 2025 weiter deutlich verschlechtert. Was im Sommer noch als vorsichtige Zuversicht galt, ist laut aktueller Winter-Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverbände bayme vbm verflogen. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für das In- und Auslandsgeschäft haben sich eingetrübt. Die Branche sieht sich zunehmend hausgemachten Standortproblemen ausgesetzt – mit spürbaren Folgen für Produktion, Investitionen und Beschäftigung. Das wurde jetzt bei der Pressekonferenz im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München deutlich.
 
„Die wirtschaftliche Lage hat sich im zweiten Halbjahr wieder eingetrübt. Die Hoffnung und die Zuversicht aus dem Sommer sind verflogen“, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Verbände bayme vbm. Die Umfrage sei in allen Bereichen schlechter aus als vor einem Jahr ausgefallen. „Die Hoffnungen der Firmen wurden nicht erfüllt“, ergänzte er. 

Standortprobleme belasten Geschäftslage spürbar

Besonders kritisch fällt die Bewertung des Inlandsgeschäfts aus. Nur noch rund 15 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage in Deutschland als gut. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen liegt bei minus 20,1 Punkten, im Auslandsgeschäft bei minus 18,8 Punkten. Zwar bleiben die Erwartungssalden für das kommende Jahr formal noch im positiven Bereich, doch von einem Aufschwung kann keine Rede sein. „Das ist kein Optimismus, sondern die Hoffnung, dass es nicht noch schlimmer wird“, sagte Brossardt.
 
Gleichzeitig öffnet sich die Schere zwischen Inlands- und Auslandsaktivitäten immer weiter. Während die Produktionspläne in Deutschland erneut ins Negative rutschen (minus 6,7 Punkte), plant fast jedes zweite Unternehmen, seine Auslandsproduktion auszubauen. Für 2025 rechnet die Branche im Jahresdurchschnitt mit einem Produktionsrückgang von 1,5 Prozent, 2026 droht bestenfalls Stagnation. „Im Ausland wird investiert, produziert und Beschäftigung aufgebaut. Das zeigt, dass unser Wirtschafts- und Industriestandort selbst zum Problem geworden ist“, kritisierte Brossardt.

Investitionsschwäche und Stellenabbau verschärfen die Lage

Scharfe Worte findet der Verbandschef für politische Vorhaben, die aus seiner Sicht zusätzliche Belastungen schaffen. Gerade in einer ohnehin angespannten Lage würden kosten- und bürokratietreibende Maßnahmen die Situation weiter verschärfen. Als besonders drastisches Beispiel nennt Brossardt das geplante Tariftreuegesetz. „Das braucht einfach niemand. Der Schaden, der dadurch entstehen wird, ist beispiellos“, warnte er. Die Industrie leide weniger an fehlenden Ideen als an fehlender Umsetzung sinnvoller Reformen – und an neuen Regulierungen zur Unzeit.
 
Besonders alarmierend sind die Investitionspläne der Unternehmen. Sie gelten als zentraler Indikator für die Zukunftsfähigkeit eines Standorts. Die inländischen Investitionssalden brechen von minus 8,3 auf minus 19,9 Punkte ein. Gleichzeitig steigen die Auslandsinvestitionen kräftig auf plus 34,8 Punkte. Hinzu kommt: Von den ohnehin wenigen Investitionen im Inland entfällt nicht einmal mehr ein Siebtel auf Erweiterungen. Der überwiegende Teil dient lediglich der Ersatzbeschaffung. Für die Verbände ist das ein deutliches Warnsignal einer schleichenden Deindustrialisierung. „Was einmal weg ist, kommt so schnell nicht zurück“, mahnte Brossardt.
 
Die Entwicklung schlägt zunehmend auf den Arbeitsmarkt durch. Die Beschäftigungspläne der Metall- und Elektrounternehmen haben sich weiter verschlechtert. Mehr als 37 Prozent der Betriebe rechnen mit Stellenabbau. Bis Ende 2025 dürften rund 20.000 Arbeitsplätze verloren gehen, die Beschäftigtenzahl sinkt damit auf etwa 837.000. Für 2026 prognostizieren die Verbände einen weiteren Rückgang um 20.000 auf rund 817.000 Beschäftigte. „Nirgendwo sieht man die Folgen einer verfehlten Industrie- und Standortpolitik deutlicher als bei der Beschäftigung“, so Brossardt. Jeder verlorene Arbeitsplatz sei einer zu viel.

Unternehmen fordern raschen wirtschaftspolitischen Kurswechsel

Mit Blick auf 2026 knüpfen die Verbände ihre Hoffnungen an eine konsequentere Wirtschaftspolitik. Ankündigungen wie die Modernisierungsagenda oder das Infrastruktur-Beschleunigungsgesetz müssten nun rasch in konkrete Maßnahmen übersetzt werden. „Umsetzen – und zwar sofort“, lautet die Forderung. Als größte Baustelle sieht die Industrie die Sozialversicherungskosten. Ohne grundlegende Reformen drohten weiter steigende Beitragssätze, sinkende Nettoeinkommen und dauerhaft höhere Arbeitskosten. „Damit öffnen wir der weiteren Deindustrialisierung Tür und Tor“, warnte Brossardt.
 
Auch die Tarifrunde 2026 steht damit unter besonderen Vorzeichen. Aus Sicht der Arbeitgeber braucht es flexible und wettbewerbsfähige Tarifverträge, um den Standort zu stabilisieren. „Es geht um nicht weniger als um die Zukunftsfähigkeit unserer Industrie“, betonte Brossardt. Denn die Metall- und Elektroindustrie sei das Herz der bayerischen Industrie – und diese wiederum das Rückgrat der gesamten bayerischen Wirtschaft.

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