Mittwoch, 07.11.2018
Viel unterwegs: Transporter erlauben Servicetechnikern, Werkzeug und Material immer dabei zu haben.

Foto: ClaudiaKnieling/iStock/Getty Images

Viel unterwegs: Transporter erlauben Servicetechnikern, Werkzeug und Material immer dabei zu haben.

Technologie
Transporter im Serviceeinsatz

Bei Nutzfahrzeugen wird die Innenausstattung immer wichtiger

Was nützt der Platz, wenn man nichts findet? Transporter sind nur so gut wie das, was sie im Laderaum mit sich führen können. Deshalb ist die Innenausstattung so wichtig. Die Ansprüche der mittelständischen Kunden steigen.

Hauptsache, es passt viel rein in einen Transporter. So könnte man zumindest meinen. Tatsächlich wollen allerdings die meisten Servicetechniker ihre Materialien und Werkzeuge nicht nur in der notwendigen Menge mit sich führen, sondern vor allem auch den Überblick behalten.

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Viel, aber überschaubar soll es sein. Dabei können sie aus einer Vielfalt unterschiedlicher Konzepte auswählen. Axel Theurer, Marketingleiter beim 900 Mitarbeiter beschäftigenden Fahrzeugausstatter Bott in Gaildorf bei Schwäbisch-Hall, beobachtet einen Trend zur Akzeptanz von professionellen Fahrzeugeinrichtungen: „Die Unternehmen wollen nicht selber basteln, sondern erwarten eine Ladeflächenarchitektur, die ein einfaches Be- und Entladen ermöglicht und zudem übersichtlich und akkurat ist.“ Auffällig sei für ihn zudem die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegene Nachfrage nach Ladungssicherung. „Die Kunden wollen den Laderaum vermehrt mit Schienen und Sperrstangen absichern“, sagt Theurer. 

Die Ansprüche steigen, wie auch Karsten Dießl beobachtet. Der Vertriebsleiter bei dem Fahrzeugausstatter Aluca betont: „Das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs ist wichtig, denn viele Werkzeuge, die der Service benötigt, müssen untergebracht werden. Allerdings ist die zulässige Nutzlast durch die Herstellervorgaben begrenzt.“ Das ist oft ein Balanceakt für das Gewicht der Einbauten. So verlangen die Kunden weniger nach großen, schweren Nutzfahrzeugen, sondern fragen mehr nach Downsizing und kompakten Fahrzeugen.

Doppelter Boden

Zudem werde er verstärkt nach ergonomisch angeordneten Regalen gefragt. Der Zugriff müsse schnell und einfach sein. Auch soll es möglich sein, verschiedene Koffersysteme abzustellen. Mechatronische Geräte und Ersatzteile sollten in individuell einstellbaren Magazinen zu lagern sein.

Auch der Unterschied zwischen den spezialisierten Aufgaben eines Fahrzeugs schwindet, erkennt Theurer vom Mitbewerber Bott: „Mal muss der Transporter als Lastenesel und mal als mobile Werkstätte herhalten. Daher müssen beide Anwendungsfälle umsetzbar sein.“ Diese Forderung entspreche aber durchaus dem Trend bei Mittelständlern zur Vereinheitlichung ihrer Serviceflotte.

Schubladen im XXL-Format: Ablageflächen unter dem Transportboden müssen Druck aushalten.

Foto: Aluca

Schubladen im XXL-Format: Ablageflächen unter dem Transportboden müssen Druck aushalten.

Die dafür geeigneten Ausbauten, die Ladefläche und Werkzeugsammlung verbinden, bietet beispielsweise das Schubladensystem des Fahrzeuginnenausstatters Aluca. Im Gegensatz zu den klassischen Regaleinbauten an der linken und rechten Seitenwand des Laderaums befindet sich die „Dimension 2“ genannte Lösung unter dem Wagenboden. Die Unterflurlösung verleiht Transportern mit dem doppelten Boden mehr Raum. Werkzeug und Maschinen lassen sich unter einer mit bis zu 700 Kilogramm belastbaren Bodenplatte in abschließbaren Schubladen verstauen. Aufziehen lassen sich die bis zu 164 Zentimeter langen rollengelagerten Unterflurschubladen von außerhalb des Fahrzeugs. Auf einen Blick erkennt der Nutzer, was sich wo befindet. Die Großraumschubladen sind von vorn bis hinten mit bis zu 80 Kilogramm belastbar.

Lager und Schrank

Praktische Erfahrungen mit diesem Konzept hat Joachim Findler, Kundendiensttechniker von Roma, einem Hersteller von Sonnenschutzsystemen in Burgau, gemacht. Wenn der Transporter zugleich als Materiallager und Werkzeugschrank dient, dann haben herkömmliche Lösungen für Innenausstattungen ausgedient. In der traditionellen Form öffnet sich die zweitürige Heckklappe in einen kleinen Gang, links und rechts an den Seiten befinden sich die Regale für die Ablage. Aber Findler benötigte eine große, ebene Ladefläche, auf der sich Kunststoffrohre oder Rollladen gut unterbringen lassen. Zugleich braucht er schnellen Zugriff auf zum Produkt passende Werkzeuge oder Kleinteile. Dazu verwendet er eine Lösung, die sich unterhalb des Bodens der Ladefläche befindet.

Hier lassen sich sechs Alu-Schubläden zum Teil in einer Länge von über eineinhalb Meter herausziehen. Der größte Vorteil an der originellen Laderaumaufteilung ist, dass auf der Ebene über den Schubladen die komplette Nutzfläche des Laderaums erhalten bleibt. Diese Ausbaulösung eignet sich besonders zum Transport von großvolumigem Ladegut, schweren Ersatzteilen oder Paletten.

Das ist auch der Grund, weshalb Joachim Findler auf diese Lösung setzt. Für den Transport von Sonnenschutzsystemen oder Rollladen braucht der Servicetechniker eine Staufläche in seinen Transportern, die genug Platz bietet und belastbar ist. Sie kann, genauso wie bei einem Standardboden, mit Zurrschienen und Zurrgurten zur besseren Ladungssicherung ausgestattet werden. Im oberen Transportbereich befinden sich leichte, aber sperrige Materialien wie beispielsweise Kunststoffrohre, unterhalb des Bodens sind Maschinen und Werkzeuge gelagert.

Solider Querträger

Damit die langgezogenen Schubläden auch auf Dauer funktionieren, ist ab Werk eine besonders präzise Verarbeitung notwendig. Diese Ansprüche sind nach Auffassung des Herstellers Aluca nur in der heimischen Produktion zu erfüllen. Daher fertigt der Ausbauspezialist komplett an seinem deutschen Standort Rosengarten. Der Rolladen-Profi Findler, von Berufs wegen mit geschultem Blick für Feinmechanik ausgestattet, ist von dem Aluca-Konstrukt angetan. Die Aluminiumauszüge gleiten nahezu geräuschlos durch die Führungen. „Ein leichtes Antippen reicht, und die Auszüge rollen samt Inhalt in ihre Ruheposition“, stellt Findler fest. Die leicht schließenden Schubladen seien auch keine Gefahr für einen unbedachten Handgriff des Nutzers. Dafür sorge ein integrierter Einklemmschutz.

Das einzige echte Problem, das Findler an dem Konzept feststellt, zeigt sich in der oft drangvollen Enge der Metropolen: „In Städten wie Stuttgart oder München geht es mittlerweile so eng zu, dass man am Gehweg manchmal Probleme hat, die Schubladen auszuziehen.“

Für jeden die passende Schublade

Dieses Baukastensystem lässt sich nach den persönlichen Vorlieben des Kunden gestalten. Zahl, Größe und Aufteilung der Auszüge sowie der Trenn- und Steckwände sind variabel und lassen sich je nach Einsatz längs oder seitlich im Fahrzeug einsetzen. Vier Feldbreiten, acht Bautiefen und fünf Schubladenhöhen sind verfügbar. Langgüter oder Langwerkzeuge lassen sich mit diesem Konzept hervorragend verstauen und sichern. Die Abmessungen sind auf die der Ordnungsträger wie Koffer und Kleinteileboxen abgestimmt. Rund 6.000 Fahrzeuge, etwa von Herstellern wie VW oder Opel, richtet Alcua mit unterschiedlichen Systemen pro Jahr ein.

80 Prozent und damit die weitaus meisten Ladeflächenausstattungsmontagen übernehmen die Servicepartner. „Wir verstehen uns vor allem als Hersteller dieser Systemlösungen. Aber nur bei größeren Fuhrparks oder Flotten bauen wir sie tatsächlich selbst in die Autos ein“, betont Karsten Dießl, Vertriebsleiter bei Aluca.


Dieser Text gehört zu einem Thema aus der Markt-und-Mittelstand-Ausgabe 11/2018. Hier können Sie das Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.