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Technologie > Mobilitätswende & Automobilindustrie

München wird zur Bühne für BMWs Neuanfang – Die "Neue Klasse" auf der IAA

| Markt und Mittelstand Redaktion

Recyclingquoten von bis zu 80 Prozent, CO2-Reduktion um 35 Prozent und Produktionsumstellung auf erneuerbare Energien kennzeichnen BMWs Strategie.

Skizze Messestand BMW IAA 2025
BMW plant zur IAA Mobility 2025 Ausstellungen und Veranstaltungen in ganz München (Foto: BMW)

8.8.2025 - Markt und Mittelstand:  Mit der „Neuen Klasse“ kündigt BMW nicht weniger als eine Zeitenwende an – technisch, ästhetisch und strategisch. Die Modellreihe, die ab 2025 vom Band laufen soll, ist weit mehr als ein neues Elektroauto. Sie markiert den Übergang von einer Technologievielfalt zu einer klaren Elektroplattform, die von Grund auf für den batterieelektrischen Antrieb entwickelt wurde.

Im Zentrum steht die Cluster-Architektur (BMW Neue Klasse Plattform), die künftig sämtliche Volumenmodelle der Marke tragen soll – vom 3er-Segment aufwärts. Was beim ersten Blick auf die Studien und Prototypen auffällt: BMW verabschiedet sich schrittweise von den klassischen Verbrennerformen. Kurze Überhänge, ein flacher Aufbau, das Digital-Design im Cockpit – die Form folgt der neuen Funktion. Der Konzern plant bis 2050 einen bilanziellen Kohlendioxidausstoß von Null zu erreichen. Diese Zielsetzung markiert einen Paradigmenwechsel in der Branche und stellt Zulieferer vor neue Anforderungen.

iX3 Radträger zu 80 Prozent aus recyceltem Leichtmetall

Die Dekarbonisierung beginnt in der Lieferkette. BMW setzt verstärkt auf Sekundärmaterialien. Die Radträger des künftigen iX3 bestehen zu 80 Prozent aus recyceltem Leichtmetall. Die Leichtmetallfelgen weisen einen Anteil von 70 Prozent wiederverwertetes Aluminium auf. Selbst Kunststoffteile wie die Motorraumabdeckung enthalten 30 Prozent recyceltes Material aus Fischernetzen.

Diese Maßnahmen reduzieren nicht nur den CO2-Fußabdruck, sondern senken auch die Abhängigkeit von volatilen Rohstoffmärkten. 

BMW investiert Milliarden in neue Werke und eine tiefgreifende Digitalisierung der Produktion. In Debrecen (Ungarn) entsteht das erste Werk, das vollständig auf die Produktion der Neuen Klasse ausgelegt ist – CO₂-neutral und ohne fossile Energiequellen. Auch in München, Dingolfing und Shenyang wird aufgerüstet.

Besonderes Augenmerk liegt auf der zylindrischen Batteriezelle, die eine höhere Energiedichte, kürzere Ladezeiten und geringere Kosten verspricht. Laut BMW soll die Reichweite um bis zu 30 Prozent steigen, die Ladegeschwindigkeit ebenso. Die Plattform ist nicht nur modular, sondern auch softwarezentriert. Over-the-Air-Updates und eine neu entwickelte BMW Operating System 9-Oberfläche verbinden Technik und Nutzererlebnis enger als bisher.

Branchenweiter Strategiewechsel

BMW ist mit seiner "Neuen Klasse" nicht allein: Auch andere Hersteller verfolgen zunehmend Plattform- und Nachhaltigkeitsstrategien. Audi etwa setzt auf die PPE-Architektur (Premium Platform Electric), die gemeinsam mit Porsche entwickelt wurde, während Mercedes-Benz mit der MMA-Plattform (Mercedes Modular Architecture) ein flexibles Gerüst für künftige Elektrofahrzeuge plant. Die Volkswagen Group wiederum bündelt ihre Entwicklungen rund um die SSP-Plattform (Scalable Systems Platform) – eine Art Betriebssystem für die Elektromobilität.

Gemein ist diesen Ansätzen der Versuch, Effizienz, Softwareintegration und Nachhaltigkeit in der Fahrzeugarchitektur systematisch zu verankern. 

 

Premiere mit Signalwirkung

Mit dem BMW iX3 zeigt der Münchner Autobauer auf der IAA Mobility 2025, wie tiefgreifend die Transformation zur Elektromobilität bereits fortgeschritten ist – und was als Nächstes kommt. Denn der iX3 ist nicht nur das erste Serienmodell der neuen, vollelektrischen „Neuen Klasse“, sondern auch technisches Flaggschiff einer übergreifenden Strategie, die Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Design neu verzahnt.

Der Ort der Premiere ist kein Zufall: BMW setzt in seiner Heimatstadt München gezielt auf Sichtbarkeit – nicht nur auf dem Messegelände in Riem, sondern mitten in der Innenstadt, auf dem Max-Joseph-Platz, wo Open Space und Masterclasses täglich zum Dialog mit der Öffentlichkeit einladen.

Nachhaltigkeit als industrielle Leitlinie

Was die BMW Group auf der IAA Mobility 2025 zeigt, ist nicht nur eine neue Modellgeneration, sondern ein strukturierter Umbau der gesamten Wertschöpfung. Nachhaltigkeit ist dabei kein Nebenprodukt, sondern konstitutiver Teil der Unternehmensstrategie. Das Ziel: CO₂-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs hinweg zu senken – von der Entwicklung über Produktion und Nutzung bis zur Verwertung.

Die Neue Klasse wurde von Beginn an für Kreislaufwirtschaft gedacht. Sekundärmaterialien, ressourcenschonende Lieferketten und transparente Rohstoffbeschaffung sind integrale Bestandteile. In der Fertigung setzt BMW auf erneuerbare Energien, CO₂-neutrale Werke wie in Debrecen und konsequente Digitalisierung zur Effizienzsteigerung.

Selbst der Messeauftritt folgt dieser Logik: Ein Großteil der verbauten Materialien auf dem Max-Joseph-Platz und im Summit-Bereich stammt aus Wiederverwendung oder wird für weitere Events eingeplant. Nachhaltigkeit wird zur Gestaltungsgrundlage – technologisch, wirtschaftlich, architektonisch.

Zwischen Anspruch und Realität

Trotz ambitionierter Ziele und eindrucksvoller technologischer Fortschritte bleibt abzuwarten, wie konsequent BMW die angekündigte Transformation im industriellen Alltag umsetzen kann. Kritiker verweisen auf die energieintensive Batterieproduktion, den globalen Ressourcenbedarf und die Abhängigkeit von komplexen Lieferketten, die selbst bei gesteigerten Recyclingquoten bestehen bleiben. Auch die tatsächliche CO₂-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus eines Elektroautos ist schwer messbar und hängt stark von regionalen Strommixen und Nutzerverhalten ab. Die Neue Klasse verspricht viel – ob sie die Erwartungen an Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und soziale Verantwortung erfüllen kann, wird sich erst im Praxiseinsatz zeigen.

IAA Mobility 2025

Die IAA Mobility 2025 findet in München vom 8. bis 14. September 2025 statt.

  • 8. September (Montag): Eröffnung des IAA Mobility Summit auf dem Messegelände (für Fachbesucher), täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr, bis Freitag, den 12. September.

  • 9. bis 14. September: Open Space in der Münchener Innenstadt (z. B. Max-Joseph-Platz), öffentlich und kostenfrei zugänglich:

    • Dienstag bis Samstag (9.–13.9.): 11:00 bis 23:00 Uhr

    • Sonntag (14.9.): 10:00 bis 17:00 Uhr

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