Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Technologie > Technologie

Ein digitaler Gigant auf Expansionskurs

| The Economist | Lesezeit: 6 Min.

ByteDance verschlingt das Internet – in China und darüber hinaus. Kann irgendetwas seinen atemberaubenden Aufstieg stoppen?

ByteDAnce, Mutterkonzern von TikTok Foto:Shutterstock
ByteDance verbindet Unterhaltung, Handel und künstliche Intelligenz – und verändert damit die Dynamik globaler Techmärkte nachhaltig. Foto: Shutterstock

26.03.2026 The Economist

Seit seiner Gründung im Jahr 2012 hat sich ByteDance zur weltweit führenden „App-Fabrik“ entwickelt. Der chinesische Konzern, der einst als Nachrichtenaggregator begann, ist heute vor allem als Muttergesellschaft von TikTok und dessen chinesischem Pendant Douyin bekannt, die zusammen monatlich von fast drei Milliarden Menschen weltweit genutzt werden. Das Unternehmen produziert so viele weitere mobile Anwendungen, dass selbst die eigenen Mitarbeiter kaum den Überblick behalten. Das Portfolio reicht inzwischen von Videobearbeitung und Arbeitsplatz-Kollaboration bis hin zu Chatbots.

Ein im Januar abgeschlossener Deal, bei dem 80 Prozent des US-Geschäfts von TikTok an den Softwarekonzern Oracle und andere mit Präsident Donald Trump verbündete Investoren verkauft wurde, beendete eine belastende Hängepartie für das chinesische Unternehmen. Dabei sicherte sich ByteDance überraschend vorteilhafte Konditionen: Berichten zufolge vermietet es seinen Algorithmus an das neue Unternehmen und erhält dafür 20 Prozent der Einnahmen; zugleich betreibt es weiterhin TikTok Shop, die zugehörige E-Commerce-Einheit, in den USA.

Seitdem sind Investoren noch optimistischer geworden. Im November wurde das nicht börsennotierte Unternehmen bei einer Sekundärtransaktion mit 480 Milliarden Dollar bewertet, im Februar stieg dieser Wert auf 550 Milliarden Dollar. Unter den privaten Firmen sind nur OpenAI, das weltweit führende KI-Labor, und SpaceX, Elon Musks Konglomerat von Raketen bis Chatbots, mehr wert. Mit seiner enormen Nutzerbasis ist ByteDance das zweitgrößte Social-Media-Unternehmen der Welt – hinter Meta, dem Eigentümer von Facebook und Instagram. Gleichzeitig entwickelt es sich rasant zu einer E-Commerce-Macht und zu einem der führenden KI-Unternehmen Chinas. Sein anhaltender Aufstieg macht Wettbewerber im In- und Ausland zunehmend nervös. Kann ihn überhaupt jemand stoppen?

Content, Commerce und KI: Das Erfolgsmodell

Ein Blick auf ByteDances Geschäft in China zeigt die Grundlage dieses Erfolgs: Schätzungsweise drei Viertel der rund 155 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2024 stammen von dort. Das „Content-to-Cart“-Modell, das Unterhaltung und E-Commerce verschmilzt, hat das Unternehmen zum drittgrößten Onlinehändler Chinas gemacht. Im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von vier Billionen Yuan (580 Milliarden Dollar) über seine Plattformen verkauft. Douyin hat sich zu einem florierenden Marktplatz entwickelt, in dem Produktbeiträge zwischen Katzenvideos erscheinen und beliebte Influencer Produkte in Live-Shopping-Events vermarkten. Auch die Micro-Drama-App Hongguo animiert Nutzer dazu, Artikel zu kaufen, die in den zweiminütigen Serienfolgen auftauchen.

Darüber hinaus ist ByteDance in weitere Geschäftsfelder vorgedrungen. Sein Essenslieferdienst wächst rasant und greift Marktanteile von Meituan und anderen Anbietern an. Eine erst im vergangenen Monat gestartete App namens Dou Sheng Sheng, die Gutscheine für den stationären Konsum bietet, schoss schnell an die Spitze lokaler Rankings. Die enorme Breite an Anwendungen und die riesigen Datenmengen über Nutzer haben ByteDance Berichten zufolge inzwischen zum größten digitalen Werbeanbieter Chinas gemacht – und damit den bisherigen Spitzenreiter Alibaba verdrängt.

Künstliche Intelligenz treibt diesen Aufstieg zusätzlich an. Doubao, der hauseigene Chatbot, ist mit 315 Millionen monatlichen Nutzern (Stand Februar) der populärste in China. Der Zugang zu den zugrunde liegenden Modellen hilft ByteDance zudem, weitere Unternehmen für seine Cloud-Computing-Plattform zu gewinnen, die ebenfalls stark wächst. Die Ambitionen sind hoch: Doubao soll zu einer intelligenten Super-App werden, die verschiedenste digitale Transaktionen auf einfachen Nutzerbefehl ausführt – ein Ziel, das auch Konkurrenten wie Alibaba verfolgen. Im Dezember brachte ByteDance gemeinsam mit dem angeschlagenen Gerätehersteller ZTE ein Smartphone auf den Markt, das mit einem KI-Assistenten vorinstalliert ist, der Bildschirminhalte analysieren und Aufgaben übernehmen kann, darunter auch Einkäufe im Namen des Nutzers.

Wachstumsbremsen: Politik, Konkurrenz und globale Spannungen

Das Versuchsgerät, von dem lediglich 30.000 Exemplare produziert wurden, war binnen Tagen ausverkauft – stieß jedoch rasch auf Probleme. Versuchte der KI-Assistent, Anwendungen von Konkurrenten zu nutzen, wurde er blockiert; auch die Zahlungsabwicklung erwies sich als schwierig. Zwar verfügt ByteDance über ein eigenes Bezahlsystem, doch dieses ist kaum verbreitet, weshalb die Apps auf Lösungen von Alibaba und Tencent angewiesen sind.

Das verweist auf eine der Bremsen für ByteDances Expansion. Seine etablierten Konkurrenten haben über Jahre hinweg Infrastruktur wie Bezahlsysteme und Logistiknetzwerke aufgebaut, sagt Poe Zhao, Technologieanalyst und Autor des Newsletters Hello China Tech, während ByteDance hier bislang vergleichsweise wenig investiert hat. Noch gravierender sind jedoch die schlechten Beziehungen zur chinesischen Regierung. Firmengründer Zhang Yiming trat 2021 als CEO und später als Vorsitzender zurück, nachdem die Regierung begonnen hatte, die Macht großer Tech-Konzerne einzuschränken und sicherzustellen, dass diese den politischen Vorgaben folgen. Doch Insider sagen, die Regierung fühle sich mit dem Einfluss des Unternehmens noch immer nicht wohl. Bei einem vielbeachteten Treffen von Präsident Xi Jinping mit Unternehmern im vergangenen Jahr war Alibaba-Gründer Jack Ma anwesend – Zhang hingegen nicht. Zwar hat sich die Regierung mit starken E-Commerce-Unternehmen arrangiert, doch sie will nicht, dass Social-Media-Konzerne zu mächtig werden, wie ein Analyst sagt. Chinas Machthaber wachen eifersüchtig über ihre Kontrolle der öffentlichen Meinung.

Die frostigen Beziehungen zur Regierung könnten auch ByteDances weitere Expansion im Ausland erschweren. Das Unternehmen ist unter Chinas Internetgiganten eine Ausnahme, was seinen Erfolg im Ausland betrifft – und zwar nicht nur in armen, sondern auch in reichen Ländern. ByteDance, das von sich behauptet, keinen Hauptsitz zu haben, hat dies zum Teil dadurch erreicht, dass es große Auslandsstrukturen aufgebaut hat.

Die chinesische Regierung jedoch betrachtet mit Unbehagen die Zahl inländischer Unternehmen, die ihre Aktivitäten ganz oder teilweise an Orte wie Singapur verlagern, wo TikTok weitgehend angesiedelt ist. Sie will nicht, dass Chinas Technologie ungehindert ins Ausland abfließt, und würde stattdessen lieber sehen, dass Arbeitsplätze und Gewinne im Land bleiben.

Das könnte ByteDances Pläne für einen Börsengang durchkreuzen. Der einzige Börsenplatz, der sowohl die chinesische Regierung als auch die ausländischen Investoren des Unternehmens – darunter eine Reihe amerikanischer Venture-Capital-Firmen – zufriedenstellen könnte, ist Hongkong. Doch chinesische Regulierungsbehörden beginnen zu verlangen, dass inländische Unternehmen, die ihre Aktien dort notieren, auch dort oder auf dem Festland eingetragen sind. Das wird für ByteDance eine Herausforderung, denn seine komplexe Holdingstruktur ist auf den Cayman Islands registriert, um Investoren aus aller Welt anzuziehen.

Die Sensibilität beim Austausch von Technologie beginnt zudem die Zusammenarbeit zwischen ByteDances China-Geschäft und seinen Auslandsaktivitäten zu belasten, bemerkt ein ehemaliger Mitarbeiter. Unterschiedliche Regeln für KI werden die Lage zusätzlich erschweren. Seedance 2.0, eine KI-gestützte Videobearbeitungs-App, die im Februar in China veröffentlicht wurde, war im Inland äußerst populär. Bevor sie jedoch im Ausland eingeführt werden konnte, sah sich das Unternehmen mit Beschwerden über mutmaßliche Urheberrechtsverletzungen durch ausländische Medienkonzerne konfrontiert, darunter Disney und Paramount. Der globale Start der App wurde Berichten zufolge ausgesetzt. Bislang ist es ByteDance gelungen, den Graben zwischen Chinas Internet und dem des Westens zu überbrücken. Doch das wird nur noch schwieriger werden.

Wachstumsbremsen: Politik, Konkurrenz und globale Spannungen

Das Versuchsgerät, von dem lediglich 30.000 Exemplare produziert wurden, war binnen Tagen ausverkauft – stieß jedoch rasch auf Probleme. Versuchte der KI-Assistent, Anwendungen von Konkurrenten zu nutzen, wurde er blockiert; auch die Zahlungsabwicklung erwies sich als schwierig. Zwar verfügt ByteDance über ein eigenes Bezahlsystem, doch dieses ist kaum verbreitet, weshalb die Apps auf Lösungen von Alibaba und Tencent angewiesen sind.

Das verweist auf eine der Bremsen für ByteDances Expansion. Seine etablierten Konkurrenten haben über Jahre hinweg Infrastruktur wie Bezahlsysteme und Logistiknetzwerke aufgebaut, sagt Poe Zhao, Technologieanalyst und Autor des Newsletters Hello China Tech, während ByteDance hier bislang vergleichsweise wenig investiert hat. Noch gravierender sind jedoch die schlechten Beziehungen zur chinesischen Regierung. Firmengründer Zhang Yiming trat 2021 als CEO und später als Vorsitzender zurück, nachdem die Regierung begonnen hatte, die Macht großer Tech-Konzerne einzuschränken und sicherzustellen, dass diese den politischen Vorgaben folgen. Doch Insider sagen, die Regierung fühle sich mit dem Einfluss des Unternehmens noch immer nicht wohl. Bei einem vielbeachteten Treffen von Präsident Xi Jinping mit Unternehmern im vergangenen Jahr war Alibaba-Gründer Jack Ma anwesend – Zhang hingegen nicht. Zwar hat sich die Regierung mit starken E-Commerce-Unternehmen arrangiert, doch sie will nicht, dass Social-Media-Konzerne zu mächtig werden, wie ein Analyst sagt. Chinas Machthaber wachen eifersüchtig über ihre Kontrolle der öffentlichen Meinung.

Die frostigen Beziehungen zur Regierung könnten auch ByteDances weitere Expansion im Ausland erschweren. Das Unternehmen ist unter Chinas Internetgiganten eine Ausnahme, was seinen Erfolg im Ausland betrifft – und zwar nicht nur in armen, sondern auch in reichen Ländern. ByteDance, das von sich behauptet, keinen Hauptsitz zu haben, hat dies zum Teil dadurch erreicht, dass es große Auslandsstrukturen aufgebaut hat.

Die chinesische Regierung jedoch betrachtet mit Unbehagen die Zahl inländischer Unternehmen, die ihre Aktivitäten ganz oder teilweise an Orte wie Singapur verlagern, wo TikTok weitgehend angesiedelt ist. Sie will nicht, dass Chinas Technologie ungehindert ins Ausland abfließt, und würde stattdessen lieber sehen, dass Arbeitsplätze und Gewinne im Land bleiben.

Das könnte ByteDances Pläne für einen Börsengang durchkreuzen. Der einzige Börsenplatz, der sowohl die chinesische Regierung als auch die ausländischen Investoren des Unternehmens – darunter eine Reihe amerikanischer Venture-Capital-Firmen – zufriedenstellen könnte, ist Hongkong. Doch chinesische Regulierungsbehörden beginnen zu verlangen, dass inländische Unternehmen, die ihre Aktien dort notieren, auch dort oder auf dem Festland eingetragen sind. Das wird für ByteDance eine Herausforderung, denn seine komplexe Holdingstruktur ist auf den Cayman Islands registriert, um Investoren aus aller Welt anzuziehen.

Die Sensibilität beim Austausch von Technologie beginnt zudem die Zusammenarbeit zwischen ByteDances China-Geschäft und seinen Auslandsaktivitäten zu belasten, bemerkt ein ehemaliger Mitarbeiter. Unterschiedliche Regeln für KI werden die Lage zusätzlich erschweren. Seedance 2.0, eine KI-gestützte Videobearbeitungs-App, die im Februar in China veröffentlicht wurde, war im Inland äußerst populär. Bevor sie jedoch im Ausland eingeführt werden konnte, sah sich das Unternehmen mit Beschwerden über mutmaßliche Urheberrechtsverletzungen durch ausländische Medienkonzerne konfrontiert, darunter Disney und Paramount. Der globale Start der App wurde Berichten zufolge ausgesetzt. Bislang ist es ByteDance gelungen, den Graben zwischen Chinas Internet und dem des Westens zu überbrücken. Doch das wird nur noch schwieriger werden.

© 2026 The Economist Newspaper Limited. All rights reserved.

Aus The Economist, übersetzt von The Economist, veröffentlicht unter Lizenz. Der Originalartikel in englischer Sprache ist zu finden unter www.economist.com

Ähnliche Artikel