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Energie & Rohstoffe > Nachhaltigkeit > Kreislaufwirtschaft

Circular Economy im Mittelstand: Wie Unternehmen Ressourcen und Kosten sparen

| Florian Wagner | Lesezeit: 3,5 Min.

Reparieren, wiederverwenden, neu vermarkten: Viele Mittelständler leben Kreislaufwirtschaft bereits – ohne es zu wissen. So wird daraus ein Geschäftsmodell.

Kreislaufwirtschaft auf grünem Grund
Kreislaufwirtschaft im Mittelstand: Materialien, Produkte und Ressourcen bleiben im Umlauf – aus Reststoffen entstehen neue Geschäftsmodelle. (Foto: shutterstock)

Große Transformation? Nicht nötig. Viele Mittelständler haben die Basis für Circular Economy längst gelegt – und wissen es gar nicht.
 

von Florian Wagner
 
Zugegeben: Der Begriff "Circular Economy" klingt nach Großkonzern-Strategiepapier, Unternehmensberatungen und teuren Workshops, bei dem man sich Bälle zuwirft. Dabei ist die Idee dahinter so alt wie das Handwerk selbst: Nichts wegwerfen, was noch nützt. Reparieren, was kaputt ist. Weiterverwenden, was übrig bleibt.

Und hier liegt die gute Nachricht für den Mittelstand: Sie müssen das Rad nicht neu erfinden. In vielen Fällen haben Sie es bereits – es muss nur ins Rollen gebracht werden.

 

Was Circular Economy wirklich bedeutet – ohne „Berater-Sprech“

Im Kern geht es um eine simple Idee: Produkte, Materialien und Ressourcen sollen so lange wie möglich im Kreislauf bleiben – statt nach einmaliger Nutzung im Müll zu landen. Das kann bedeuten:

  • Ein Maschinenbauer bietet seine Geräte nicht mehr zum Kauf an, sondern als Leistung – und übernimmt Wartung, Reparatur, Aufbereitung.
  • Ein Verpackungsproduzent entwickelt Verpackungen, die sich kompostieren oder vollständig recyceln lassen.
  • Ein Handwerksbetrieb sammelt ausgebaute Materialien ein, sortiert sie und verkauft sie als geprüfte Gebrauchtware weiter. 

Klingt nach viel?  Vielleicht. Aber vieles davon passiert in mittelständischen Unternehmen bereits – nur nennt es niemand so.
Der Schatz, der schon da ist. Wenn wir ehrlich sind, ist der klassische Mittelständler in vielerlei Hinsicht ein Vorreiter der Kreislaufwirtschaft – ohne es zu wissen. Reparaturservices, Rücknahmekonzepte, Restmaterialverwertung, langlebige Produkte "Made to last" – das alles ist gelebte Circular Economy.
 
Die Frage ist nicht: "Müssen wir jetzt anfangen?" Die Frage ist: "Was haben wir schon – und was lässt sich daraus machen?"
Denn genau dort liegt die Chance: Was bisher als Nebentätigkeit lief, kann zum eigenständigen Geschäftsfeld werden. Wer heute Altteile aufbereitet, kann morgen eine eigene Produktlinie daraus machen. Wer heute Abfallstoffe kostenlos entsorgt, kann sie übermorgen an andere Unternehmen verkaufen.

Drei Fragen für den Einstieg in Ihrem Betrieb

 Welche Materialien oder Produkte kommen in Ihrem Betrieb regelmäßig zurück – als Ausschuss, Rückläufer oder Altware?
Gibt es Prozesse, bei denen Ressourcen verloren gehen, die eigentlich wiederverwendet werden könnten?
Haben Kunden schon einmal gefragt, ob Sie Produkte zurücknehmen oder aufbereiten? Wenn Sie mindestens eine dieser Fragen mit "Ja" beantwortet haben: Herzlichen Glückwunsch. Sie sind bereits mittendrin.
 

Klein anfangen, groß denken

Eine der häufigsten Fehlannahmen lautet: Circular Economy ist nur etwas für große Konzerne mit eigenen Nachhaltigkeitsabteilungen. Das Gegenteil ist der Fall. Gerade KMU können schneller handeln, weil sie weniger Bürokratie haben, kürzere Entscheidungswege und mehr Gespür für ihre Kunden und Lieferanten.

Der Einstieg muss kein großes Projekt sein. Manchmal reicht ein einziger Schritt: Ein neues Serviceangebot: "Wir holen Ihr altes Gerät zurück und erstatten Ihnen 10 % auf das neue." Eine veränderte Materialauswahl: Können wir einen Rohstoff durch einen recyclingfähigen ersetzen?
Eine neue Kooperation: Wer braucht unsere Reststoffe? Wer hat Stoffe, die wir brauchen könnten? Aus solchen kleinen Schritten werden mit der Zeit Routinen. Und aus Routinen werden Geschäftsmodelle.
 

NRW unterstützt: 50 % Förderung für Ihre Kreislaufwirtschaft

Das Beste kommt zum Schluss – und das ist kein Verkaufsgespräch, sondern Tatsache: Das Land Nordrhein-Westfalen fördert die Weiterentwicklung von Kreislaufwirtschaftsansätzen mit bis zu 50 Prozent. Wer bereits erste Ansätze im Betrieb hat und diese ausbauen möchte, kann sich die Hälfte des Weges vom Land finanzieren lassen. Denn 50 % der unterstützenden Beratung trägt das Land NRW
 
Fazit: Die Kreislaufwirtschaft wartet nicht auf Sie – sie beginnt mit Ihnen. Circular Economy ist keine Modeerscheinung und kein Luxus für Großunternehmen. Sie ist die logische Weiterentwicklung von dem, was viele mittelständische Betriebe schon immer gemacht haben: klug wirtschaften, Ressourcen respektieren, langfristig denken. Vielleicht ist Ihr nächstes Geschäftsfeld nicht weit weg. Vielleicht liegt es in Ihrer Abfalltonne, in Ihrem Lager oder in einem Kundengespräch, das Sie noch nicht geführt haben. Es ist Zeit, den Kreis zu schließen.

Über den Autor

Florian Wagner, Gründer der Beratungsunternehmen Licennium Partners und aeply Systems mit Sitz in Köln. Er berät mittelständische Unternehmen u.a. zu den Themen Ressourceneffizienz und Circular Economy.

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