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Technologie > Aus Forschung und Praxis

Fraunhofer und akustische Intelligenz: Warum autonome Fahrzeuge künftig auch Ohren brauchen

| Markt und Mittelstand Redaktion

Fraunhofer forscht am hörenden Auto: Mikrofone erkennen Sirenen, Stimmen und steigern Sicherheit im Straßenverkehr.

VW-Bus auf Industriegelände mit Schriftzug Fraunhofer
(Foto: Fraunhofer IDMT/Leona Hofmann)

03.10.2025 von Markt und Mittelstand

Moderne Autos sind vollgestopft mit Sensoren. Kameras, Radar und Lidar helfen beim Einparken. Sie passen auf, dass man nicht auf ein Fahrzeug auffährt oder gar von der Fahrbahn abkommt. Im weitesten Sinn sind solche Sensoren die Augen des Autos. Es „sieht“ sehr gut. Nur was um die Ecke geschieht, bekommt es nicht mit. Ohren könnten helfen. Das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT hat am Standort Oldenburg einen entsprechenden Prototyp gebaut. 

„Um das Verkehrsgeschehen rundum aufmerksam zu beobachten, ist es entscheidend, Außengeräusche wahrzunehmen und richtig einzuordnen“, sagt Moritz Brandes, Projektleiter von The Hearing Car (Das hörende Auto). „Viele Situationen im Straßenverkehr kündigen sich akustisch an, beispielsweise ein herannahendes Einsatzfahrzeug, das mit seiner Sirene auf sich aufmerksam macht.“ 

Das Team in Oldenburg entwickelte entsprechende Sensor- und Analysetechnik, sodass ein Auto die Geräusche, die es erfasst, auch erkennen und einordnen kann. Die Karosserie des Prototyps ist mit hochempfindlichen Mikrofonen gespickt, die mit dem Bordcomputer verbunden sind. Die Experten versprechen, dass das Auto künftig nicht nur Rettungswagen erkennt, sondern auch Menschen und Kinder, die um die Ecke in einer Spielstraße herumlaufen. Für das normale Fahrzeug ist das vielleicht nur eine zusätzliche Funktion. Autonome Autos, die ohne Fahrer auskommen, sind damit aber sicherer unterwegs und können früher reagieren. 

Die Technik birgt noch andere Möglichkeiten. So könnte jemand die Heckklappe künftig per Sprachbefehl öffnen, praktisch, wenn man gerade eine Kiste Mineralwasser in den Händen hält. Oder vielleicht gleich ganz auf Schlüssel und Ähnliches verzichten und das Fahrzeug auch von außen per „Moin Auto, bitte Tür auf“ öffnen. Die Forschenden jedenfalls arbeiten an entsprechenden Funktionen. Wichtig dabei: Der Bordcomputer darf nur die autorisierte Person in den Wagen lassen. 

Das sicherste Auto nützt nichts, wenn Fahrer oder Fahrerin nicht fit sind. Das Projektteam hat dem Fahrzeug deshalb einen Kurzstrecken-Radar-Sensor eingebaut, der die Vitaldaten des Fahrenden erfasst und Bewegung, Atmungs- und Herzschlagfrequenzen überwacht und auswertet. Und damit monotone Strecken Fahrerin oder Fahrer nicht einschläfern, misst ein neu entwickeltes EEG-Sensorsystem Hirnströme. Ebenfalls eingebaut: Der Bordrechner erkennt Stress und Aufregung, wenn die Personen im Wagen sprechen, und weist darauf hin. Alles für mehr Verkehrssicherheit. 

 

Faktenbox: The Hearing Car

  • Mikrofone an der Karosserie: Erfassen Außengeräusche wie Sirenen oder spielende Kinder und ordnen sie ein.

  • Sprachsteuerung: Heckklappe oder Türen lassen sich per Sprachbefehl öffnen – nur für autorisierte Personen.

  • Vitaldaten-Sensor: Kurzstrecken-Radar misst Atmung, Herzschlag und Bewegung des Fahrenden.

  • EEG-System: Überwacht Hirnströme, um Müdigkeit auf monotonen Strecken zu erkennen.

  • Stress-Analyse: Bordcomputer erkennt Aufregung in der Sprache und warnt bei Überlastung.

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