Freitag, 19.07.2019
Digitalisierung bei C.E. Schneckenflügel: Das Produkt ist ganz analog, die Produktion komplett digitalisiert.

Foto: C.E. Schneckenflügel

Digitalisierung bei C.E. Schneckenflügel: Das Produkt ist ganz analog, die Produktion komplett digitalisiert.

Technologie
C.E. Schneckenflügel

Digitalisierung: Mittelständler steigert Umsatz um 36 Prozent

Mit digitalen Tools und Künstlicher Intelligenz hat Rolf Eiting beim Metallverarbeiter C.E. Schneckenflügel den gesamten Produktionsprozess optimiert – und das Thema Leadership verändert. Der Lohn: massive Umsatzssteigerungen schon nach kurzer Zeit.

150.000 Euro und eineinhalb Jahre Arbeit: Das war nötig, um den gesamten Produktionsprozess bei C.E. Schneckenflügel zu digitalisieren. Den Anfang machte dabei nicht etwa die Digitalisierung des Bestellvorgangs, als erstes war die Produktion selbst dran: „Wir haben ganz hinten im Prozess angefangen und wollten erstmal einen Baustein schaffen, auf dem wir aufbauen können“, sagt Geschäftsführer Rolf Eiting. Mittlerweile ist der erfolgreiche Abschluss der Umstellung zwei Jahre her, die neuen Arbeitsabläufe bei der Herstellung und beim Vertrieb von Schneckenflügeln, die unter anderem bei Luftleitanlagen oder Bohrschnecken eingesetzt werden, haben sich seitdem bewährt.

Wenn nun eine Bestellung bei dem 35 Jahre alten Familienunternehmen eingeht, werden die Daten für die Blechzuschnitte automatisch an eine Plasmaschneidemaschine, die die Schneckenflügel-Bleche zuschneidet, gesendet. Gleichzeitig bekommt der Mitarbeiter eine Mitteilung über ein Betriebsdatenerfassungssystem (BDE), wo sich das entsprechende Blech im Lager befindet, und kann es zur Maschine tragen. Das Verschachtelungsprogramm der Maschine, das die Bleche mit möglichst wenig Verschnitt zuschneidet, generiert wiederum automatisch einen Schnittplan und beginnt mit dem Schneiden. 

Umsatzssteigerung durch Digitalisierung: 36 Prozent

Rolf Eiting, Geschäftsführer von C.E. Schneckenflügel

Foto: C.E. Schneckenflügel

Rolf Eiting, Geschäftsführer von C.E. Schneckenflügel

Das passgenaue Zuschneiden klappt jedoch nicht immer beim ersten Versuch. Wenn der Schnittverlust zu groß ist, wird der Schnittplan durch Künstliche Intelligenz aufgelöst und die Zeichnung für die Blechzuschnitte in den Datenpool des BDEs zurückgesendet. So sollen Materialkosten – und damit die Ausgaben für den Einkauf – gespart werden. An die Plasmaschneidemaschine werden dann neue Daten gesendet und das Schneiden fängt von vorne an. „Das gefällt mir besonders: Dass die Maschine mitdenkt und sich immer optimiert“, sagt der Schneckenflügel-Chef. Ein weiterer Vorteil für Eiting ist, dass die Maschine Meldung an das BDE macht, sobald ein Blech aus dem Lager zur Verarbeitung weggenommen wurde. „Wir können minutengenau unseren Lagerbestand abrufen und die Bestellungen viel besser koordinieren als vor dem digitalisierten Prozess.“


Nachdem die Bleche fertig geschnitten und in eine Ringform gebracht wurden, werden sie auf Paletten zwischengelagert. Als Nächstes müssen sie gepresst werden. Dem Mitarbeiter wird über das BDE angezeigt, wo sich die Ringe befinden. Außerdem bekommt er Informationen darüber, welche Anforderungen der Kunde an das Blech hat, und prüft, ob diese erfüllt sind.

Sobald der Mitarbeiter mit seiner Arbeit fertig ist, meldet sich er sich am BDE ab und die Versandpapiere werden an die Spedition versendet. „Mit unserer durchgängigen Automatisierung haben wir den gesamten Vorgang papierlos gemacht“, sagt Geschäftsführer Eiting. Der neue Prozess läuft nun seit zwei Jahren, seitdem konnte das Unternehmen mit 14 Mitarbeitern den Umsatz um 36 Prozent steigern. 

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Neuer Prozess, neuer Führungsstil

Mit der Digitalisierung hat sich auch das Thema Leadership im Unternehmen verändert: Die Mitarbeiter suchen sich die Arbeitsaufträge nun selber aus, bekommen sie nicht mehr zugewiesen und müssen sich nicht mehr mit einem Produktionsleiter abstimmen. „Für mich war das kein Problem, die Aufträge nicht mehr persönlich zuzuteilen, meine Autorität hängt nicht von einem Stück Papier ab“, kommentiert Eiting. Auf den BDE-Bildschirmen, die unter anderem an jeder Presse stehen, kann jeder Mitarbeiter sehen, welche Aufträge in der Pipeline sind und sich einen je nach Lieferzeit aussuchen. Das funktioniert nach einem Ampelsystem, wobei rot zum Beispiel ganz dringende Aufträge signalisiert. „Das System funktioniert sehr gut“, sagt Eiting. „Dadurch, dass immer nur ein Mitarbeiter für eine Presse zuständig ist, kommen sich die Kollegen beim Auswählen der Aufträge nicht in die Quere.“