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Energie & Rohstoffe > Künstliche Intelligenz & Politik

Deutschland, wach auf: Sam Altman zeigt, warum Europa beim KI-Rennen ins Hintertreffen gerät

| Andreas Engelen | Lesezeit: 2 Min.

OpenAI-Chef Sam Altman hält Deutschland den Spiegel vor: KI braucht Strom, Tempo und Mut zur Strategie.

Strom & KI
Ohne Strom keine Intelligenz: KI-Rechenzentren verschlingen Energie – und Deutschland zahlt den höchsten Preis. (Foto: shutterstock)

von Andreas Engelen für Markt und Mittelstand

Künstliche Intelligenz gestaltet längst unseren Alltag – und unsere Machtverhältnisse. Der Deutschlandbesuch von OpenAI-Chef Sam Altman zeigte, welche Themen dringend angegangen werden müssen, wollen wir bei diesem Schlüsselthema eine Rolle auf der Weltbühne spielen. Interessanterweise berührt dies Themen, die auch ohne KI wichtig sind: Energieversorgung, Tempo politischer Entscheidungsprozesse und die Frage, wie ernsthaft Europa seine eigenen Regeln nimmt. 

1. Energie:

Altman sagt: „Energiekosten sind für KI sicherlich eine Herausforderung.“ Damit sprach er eine Wahrheit aus, die in Deutschland besonders gilt. Die Bundesrepublik zählt zu den Ländern mit den höchsten Energiepreisen in Europa – ein strukturelles Hindernis. Wenn wir KI-Modelle hierzulande betreiben wollen, schlagen Strompreise und Netzkapazitäten unmittelbar durch. Denn große Rechenzentren haben Energiehunger. Schon heute übersteigt ihr Bedarf den ganzer Städte. Altman glaubt, „dass Kernenergie eine der vielversprechendsten Energiequellen ist.“ Und während andere Länder längst neue Kapazitäten planen, verharren wir in ideologischen Grabenkämpfen. Ohne eine klare Energiepolitik, die auch digitale Infrastruktur mitdenkt, werden ambitionierte KI-Pläne schnell an der Realität scheitern. 

2. Geschwindigkeit:

KI ist nicht nur ein weiteres digitales Werkzeug, sie ist ein Beschleuniger. Altman warnte, dass der Entwurf des EU-AI-Acts überregulieren könnte. Zugleich drohte er, ­OpenAI könnte Europa verlassen, falls bestimmte Vorgaben unabdingbar würden. Klar, Lobbyismus. Aber dahinter steckt ein reales Problem: Während Unternehmen binnen Monaten neue Anwendungen auf den Markt bringen, denkt die Politik in Legislaturperioden. Der EU-AI-Act hätte die Chance, klare und schnelle Regeln zu setzen – doch aktuell wirkt er eher wie ein Katalog von Risikokategorien, eine Checkliste ohne strategisches Fundament. Das ist gefährlich. Wenn die Regulierung zu langsam und zu kleinteilig reagiert, verliert sie ihren Zweck. Und wenn sie zu starr ausfällt, verhindert sie Innovation. Beides führt zum gleichen Ergebnis: Europa spielt am Spielfeldrand, während andere gestalten. 

3. Politik:

Bisher tritt die Politik in der Debatte gern als Gegenpol zu den Unternehmen auf – als Held, der Regeln setzt, damit KI nicht außer Kontrolle gerät. Doch das ist rhetorische Irreführung. Der EU-AI-Act in seiner jetzigen Form schwankt zwischen ambitionierter Regulierung und zahnloser Verpflichtung. Manche Bestimmungen sind vage, manche technische Hürde kaum erfüllbar. Gleichzeitig fehlen dort, wo sie dringend gebraucht würden, klare strategische Vorgaben: Wie bauen wir Netze aus? Wie sichern wir Energieversorgung? Wie schaffen wir Forschungsräume, in denen Europa international mithalten kann? 

Altman hat eine Debatte angestoßen, die wir nicht länger vertagen dürfen. Die Politik muss aufhören, sich als Retter zu inszenieren, und beginnen, echte Grundlagen zu schaffen: billige und sichere Energie, schnelle Entscheidungen, verlässliche Infrastruktur. Denn KI ist kein Märchen aus der Zukunft. Sie ist Gegenwart – und sie ist Infrastruktur. Intelligenz, die wir elektrifizieren, braucht einen Rahmen. Jetzt. Wer sie bremst, indem er Probleme vertagt oder sich hinter Symbolpolitik versteckt, verspielt die Chance, dass Europa in der kommenden Epoche mehr ist als eine Fußnote. 

 

Die Politik muss aufhören, sich als Retter zu inszenieren, und beginnen, echte Grundlagen zu schaffen: billige und sichere Energie, schnelle Entscheidungen, verlässliche Infrastruktur.

Prof. Dr. Andreas Engelen, Lehrstuhlinhaber

Der Autor

Die Forschung schafft Wissen, die Praxis nutzt es – wenn dazwischen nur nicht immer so viel Interessantes verloren ginge. Unser Kolumnist Professor Andreas Engelen setzt sich für den gezielten Wissenstransfer von den Hochschulen in die Unternehmen zu betriebswirtschaftlichen Themen ein. Der Inhaber des Lehrstuhls für Management an der Heinrich HeineUniversität in Düsseldorf forscht mit seinem Team erfolgreich über Fragen des strategischen Managements, der Innovation und des digitalen Managements. Aktuell schlägt er in Projekten mit mehr als 20 Unternehmen die Brücke zwischen Theorie und Praxis – für seine Studierenden wie für Firmen.

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