Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Produktion & Technologie > Automobilindustrie

Warum ein Teil von Europas Autoindustrie weiterhin boomt

| The Economist | Lesezeit: 3 Min.

1,1 Millionen Autos pro Jahr: Die Slowakei zieht trotz E-Auto-Druck Investoren wie Porsche, Volvo und VW an. Was sind die Gründe?

Automatisierte Elektro-Auto-Produktion Foto: Shutterstock
Roboterfertigung in der Elektro-Auto-Produktion: Die Slowakei verbindet Automatisierung, qualifizierte Fachkräfte und staatliche Anreize zu einem strategischen Vorteil im europäischen Standortwettbewerb. Foto: Shutterstock

23.02.2026 The Economist

In Porsches „Smart Battery Shop“, der 2024 in Horna Streda, eine Autostunde von der slowakischen Hauptstadt Bratislava entfernt, eröffnet wurde, übertreffen Roboter die rund 150 Beschäftigten zahlenmäßig im Verhältnis zwei zu eins. In einer ruhigen Werkshalle transportieren kleine autonome Shuttlefahrzeuge Bauteile zu Arbeitsstationen, wo gelbe Roboterarme sie zu Modulen zusammensetzen. Diese werden anschließend in einem weiteren Werk nahe Bratislava zu Batteriepaketen für den Volkswagen-Konzern, Porsches Muttergesellschaft, weiterverarbeitet, bevor sie in elektrische Porsche Cayenne eingebaut werden. Die Auslieferung des batteriebetriebenen SUV, der dort neben Benzin- und Hybridmodellen produziert wird, soll noch in diesem Jahr beginnen.

Ex oriente lux - aus dem Osten kommt das Licht, zumindest für manche Autobauer

Porsche, wie seine Muttergesellschaft ein deutsches Unternehmen, soll rund eine Milliarde Euro in das Batteriewerk investiert haben. Damit steht es nicht allein. Bereits vor drei Jahrzehnten begannen westeuropäische Firmen, sich nach Osten zu orientieren – mit dem Ziel, Produktionskosten zu senken und zugleich in der Nähe ihrer wichtigsten Absatzmärkte zu bleiben. Die Slowakei erwies sich dabei als ebenso attraktiv wie größere Länder wie Polen oder Rumänien. Volkswagen, seit 1991 im Land vertreten, ist heute der größte private Arbeitgeber. Im vergangenen Jahr liefen dort rund 337.000 Fahrzeuge vom Band, darunter Modelle der Marke VW sowie Audi, Skoda und Porsche.

Die Slowakei spielt weit über ihre Größe hinaus. Im Jahr 2025 wurden dort fast 1,1 Millionen Fahrzeuge produziert – mehr pro Kopf als in jedem anderen Land der Welt. Die Branche ist das Herzstück der Volkswirtschaft: Sie trägt rund zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und beschäftigt direkt 170.000 Menschen. Fast alle Fahrzeuge gehen in den Export und machen etwa ein Drittel der slowakischen Ausfuhren aus.

Und die Industrie wächst weiter. Der schwedische Hersteller Volvo investiert 1,2 Milliarden Euro in ein neues Werk für Elektrofahrzeuge, das ab 2027 jährlich bis zu 228.000 Autos produzieren soll. Francesca Gamboni, Leiterin der industriellen Operationen bei Volvo, verweist auf die qualifizierten Arbeitskräfte, die gute Infrastruktur und das dichte Netz an Zulieferern. Fast 400 Unternehmen beliefern die Branche. Auch staatliche Subventionen spielen eine Rolle: Volvo erhielt rund 270 Millionen Euro an Fördermitteln für die Ansiedlung. Darüber hinaus profitieren Autobauer von Steuererleichterungen und weiteren Anreizen. Kia aus Südkorea betreibt in Zilina seine wichtigste europäische Produktionsstätte. Jaguar Land Rover sowie Peugeot-Citroën – Teil des Stellantis-Konzerns – sind seit Jahren mit großen Standorten vertreten.

Die slowakische Autoindustrie hat die Verwerfungen der Pandemie und die verschärften Emissionsvorschriften der EU, die die Produktion verteuerten, vergleichsweise gut überstanden. Während die europäische Fahrzeugproduktion seit 2019 um mehr als ein Fünftel zurückgegangen ist, fiel der Rückgang in der Slowakei nur gering aus. Ein Grund ist die Investition in den Übergang zur Elektromobilität. Kia hat jüngst in Zilina die europäische Produktion von Elektroautos gestartet. Zwar blieben die Verkaufszahlen reiner Batterieautos hinter den Prognosen zurück, dennoch stiegen sie im vergangenen Jahr in Westeuropa um fast 30 Prozent. Ihr Anteil an den Verkäufen liegt inzwischen bei nahezu einem Fünftel.

Die Schattenseite der Erfolgsstory

Die starke Abhängigkeit vom Automobilsektor macht die Slowakei jedoch besonders anfällig für dessen Konjunkturschwankungen. Alle Hersteller stehen unter dem Druck günstiger Elektroauto-Importe aus China und bemühen sich, wettbewerbsfähig zu bleiben. Andere Länder werben intensiv um Investitionen. Großzügige Förderprogramme und reichlich erneuerbare Energie haben Batteriehersteller nach Spanien gelockt. Stellantis expandiert rasch in Marokko, angezogen von niedrigen Löhnen und einem Freihandelsabkommen mit der EU.

Auch in unmittelbarer Nähe wächst die Konkurrenz: Der chinesische Elektroautoriese BYD eröffnet bald sein erstes europäisches Werk in Ungarn. BMW baut dort ebenfalls eine neue Fabrik für seine „Neue Klasse“ von Elektrofahrzeugen. BYD errichtet zudem ein Werk in der Türkei, die ebenfalls ein Freihandelsabkommen mit der EU hat, und soll Spanien für eine dritte Fabrik favorisieren. Für Länder, die stark von ausländischen Autobauern abhängen, besteht stets das Risiko, dass globale Konzerne dort investieren, wo die Rendite am höchsten ist. Die Slowakei ist weiterhin im Rennen – doch der Wettbewerb nimmt spürbar Fahrt auf.

Die Schattenseite der Erfolgsstory

Die starke Abhängigkeit vom Automobilsektor macht die Slowakei jedoch besonders anfällig für dessen Konjunkturschwankungen. Alle Hersteller stehen unter dem Druck günstiger Elektroauto-Importe aus China und bemühen sich, wettbewerbsfähig zu bleiben. Andere Länder werben intensiv um Investitionen. Großzügige Förderprogramme und reichlich erneuerbare Energie haben Batteriehersteller nach Spanien gelockt. Stellantis expandiert rasch in Marokko, angezogen von niedrigen Löhnen und einem Freihandelsabkommen mit der EU.

Auch in unmittelbarer Nähe wächst die Konkurrenz: Der chinesische Elektroautoriese BYD eröffnet bald sein erstes europäisches Werk in Ungarn. BMW baut dort ebenfalls eine neue Fabrik für seine „Neue Klasse“ von Elektrofahrzeugen. BYD errichtet zudem ein Werk in der Türkei, die ebenfalls ein Freihandelsabkommen mit der EU hat, und soll Spanien für eine dritte Fabrik favorisieren. Für Länder, die stark von ausländischen Autobauern abhängen, besteht stets das Risiko, dass globale Konzerne dort investieren, wo die Rendite am höchsten ist. Die Slowakei ist weiterhin im Rennen – doch der Wettbewerb nimmt spürbar Fahrt auf.

© 2026 The Economist Newspaper Limited. All rights reserved.

Aus The Economist, übersetzt von The Economist, veröffentlicht unter Lizenz. Der Originalartikel in englischer Sprache ist zu finden unter www.economist.com

Ähnliche Artikel