Montag, 16.04.2018
Technologie
Wir sind Mittelstand

Fürchten Sie Fahrverbote?

Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes drohen in zahlreichen deutschen Städten Fahrverbote für Dieselfahzeuge. Die würden auch viele Fuhrparkbetreiber und Dienstwagenfahrer treffen. Was sagen Entscheider im Mittelstand dazu?

In 58 deutschen Städten drohen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge, wenn die Feinstaubbelastung überhandnimmt. Vor allem Lieferfahrzeuge können davon betroffen sein. Von den 2.383.415 in Deutschland zugelassenen Transportern bis 3,5 Tonnen entsprechen gerade einmal 111.078 der Euro-6-Norm: schlappe 4,6 Prozent.

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Wir haben Entscheider gefragt, was sie von den drohenden Fahrverboten halten.

Philipp Lyding, Co-Gründer und CCO, Energieheld GmbH, Hannover „Fahrverbote sind ökologisch sinnvoll, treffen aber die Falschen. Mögliche Ausnahmeregelungen, zum Beispiel für Handwerker, sind nicht genau definiert und umgehen das Problem: Wirtschaftliches und politisches Versagen darf nicht auf die Bevölkerung abgewälzt werden. Unsere Handwerkspartner brauchen zwingend Fahrzeuge, um ihrer Arbeit nachzukommen. Die Autobauer sollten nicht dank Verbot noch mehr Autos verkaufen, sondern betroffene Fahrzeuge nachrüsten – so funktioniert Nachhaltigkeit.“<b>Philipp Lyding, Co-Gründer und CCO, Energieheld GmbH, Hannover</b><br>
„Fahrverbote sind ökologisch sinnvoll, treffen aber die Falschen. Mögliche Ausnahmeregelungen, zum Beispiel für Handwerker, sind nicht genau definiert und umgehen das Problem: Wirtschaftliches und politisches Versagen darf nicht auf die Bevölkerung abgewälzt werden. Unsere Handwerkspartner brauchen zwingend Fahrzeuge, um ihrer Arbeit nachzukommen. Die Autobauer sollten nicht dank Verbot noch mehr Autos verkaufen, sondern betroffene Fahrzeuge nachrüsten – so funktioniert Nachhaltigkeit.“Thomas Behrens, Gründer und Geschäftsführer, LeasingMarkt.de GmbH, Düsseldorf „Die gesamte Diskussion um den Dieselkraftstoff ist nur Teil der komplexen Umweltproblematik. Als Online-marktplatz für Auto-Leasingangebote sehen wir das Diesel-Fahrverbot kritisch. Einen merklichen Nachfragerückgang für Dieselfahrzeuge können wir derzeit nicht feststellen. Erste Hersteller bieten bereits Rücknahmen von jetzt neu geleasten Diesel-Pkw an, sollten Kunden vom Fahrverbot betroffen sein. Wer ein Dieselfahrzeug leasen möchte, ist mit einem Kilometerleasingvertrag am besten beraten.“<b>Thomas Behrens, Gründer und Geschäftsführer, LeasingMarkt.de GmbH, Düsseldorf</b><br>
„Die gesamte Diskussion um den Dieselkraftstoff ist nur Teil der komplexen Umweltproblematik. Als Online-marktplatz für Auto-Leasingangebote sehen wir das Diesel-Fahrverbot kritisch. Einen merklichen Nachfragerückgang für Dieselfahrzeuge können wir derzeit nicht feststellen. Erste Hersteller bieten bereits Rücknahmen von jetzt neu geleasten Diesel-Pkw an, sollten Kunden vom Fahrverbot betroffen sein. Wer ein Dieselfahrzeug leasen möchte, ist mit einem Kilometerleasingvertrag am besten beraten.“Sergej Schlotthauer, CEO, EgoSecure GmbH, Ettlingen „Als Softwareunternehmen würde uns ein Diesel-Fahrverbot in den Innenstädten sicherlich nicht so hart treffen wie andere Branchen – wie Handwerker oder Zustelldienste. Für die Branchen, die auf Fahren in die Innenstadt angewiesen sind, halten wir den drastischen Schritt von Fahrverboten für übertrieben. Hier sollte man eine Lösung finden, wie man den notwendigen geschäftlichen Verkehr zulassen kann. Die Automobilindustrie sollte sich schnell mit innovativen neuen Antrieben auseinandersetzen.“<b>Sergej Schlotthauer, CEO, EgoSecure GmbH, Ettlingen</b><br>
„Als Softwareunternehmen würde uns ein Diesel-Fahrverbot in den Innenstädten sicherlich nicht so hart treffen wie andere Branchen – wie Handwerker oder Zustelldienste. Für die Branchen, die auf Fahren in die Innenstadt angewiesen sind, halten wir den drastischen Schritt von Fahrverboten für übertrieben. Hier sollte man eine Lösung finden, wie man den notwendigen geschäftlichen Verkehr zulassen kann. Die Automobilindustrie sollte sich schnell mit innovativen neuen Antrieben auseinandersetzen.“Paul-Alexander Thies, Geschäftsführer, Billomat GmbH & Co. KG, Nürnberg „Das Verbot trifft vor allem die Berufspendler. Statt mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, wird der Trend in Städten hin zum Fahrrad gehen. Was viele nicht wissen: Das sogenannte Dienstwagenprivileg gilt nicht nur für Autos. Auch Fahrräder qualifizieren sich für die Steuerersparnis. Pro Arbeitstag können so 30 Cent pro Kilometer geltend gemacht werden. Zudem kann das Dienstfahrrad nach Feierabend für private Fahrten genutzt werden. Pendler sollten also das Auto stehen lassen und sich auf das Fahrrad schwingen.“<b>Paul-Alexander Thies, Geschäftsführer, Billomat GmbH & Co. KG, Nürnberg</b><br>
„Das Verbot trifft vor allem die Berufspendler. Statt mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, wird der Trend in Städten hin zum Fahrrad gehen. Was viele nicht wissen: Das sogenannte Dienstwagenprivileg gilt nicht nur für Autos. Auch Fahrräder qualifizieren sich für die Steuerersparnis. Pro Arbeitstag können so 30 Cent pro Kilometer geltend gemacht werden. Zudem kann das Dienstfahrrad nach Feierabend für private Fahrten genutzt werden. Pendler sollten also das Auto stehen lassen und sich auf das Fahrrad schwingen.“Gottfried Härle, Geschäftsführer, Brauerei Clemens Härle KG, Leutkirch im Allgäu „Wer Diesel-Fahrverbote vermeiden will, der muss den Druck auf die Autoindustrie erhöhen und die technische Nachrüstung von Dieselfahrzeugen durchsetzen. Diese Nachrüstungen sind schnell durchführbar – und die Kosten dafür müssen die Automobilhersteller übernehmen. Die Verantwortung für weit überhöhte Schadstoffwerte tragen diejenigen, die mit falschen Verbrauchsangaben Autos verkauft haben. Die Leidtragenden sind Hunderttausende Handwerker und mittelständische Unternehmer.“<b>Gottfried Härle, Geschäftsführer, Brauerei Clemens Härle KG, Leutkirch im Allgäu</b><br>
„Wer Diesel-Fahrverbote vermeiden will, der muss den Druck auf die Autoindustrie erhöhen und die technische Nachrüstung von Dieselfahrzeugen durchsetzen. Diese Nachrüstungen sind schnell durchführbar – und die Kosten dafür müssen die Automobilhersteller übernehmen. Die Verantwortung für weit überhöhte Schadstoffwerte tragen diejenigen, die mit falschen Verbrauchsangaben Autos verkauft haben. Die Leidtragenden sind Hunderttausende Handwerker und mittelständische Unternehmer.“

Dieser Text gehört zu einem Thema aus der Markt-und-Mittelstand-Ausgabe 04/2018. Hier können Sie das Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.