Freitag, 30.12.2016
Aufgeräumt: Blick in das Großraumbüro des "Basecamps" von Loxone.

Foto: Loxone

Aufgeräumt: Blick in das Großraumbüro des "Basecamps" von Loxone.

Technologie
Smarte Gebäude

Das Büro, das merkt, wenn der Letzte geht

Der Smart-Home-Anbieter Loxone steuert alle Gebäudefunktionen zentral über einen Miniserver und sorgt so für mehr Energieeffizienz in Bürogebäuden und Wohnhäusern.

Das Bürogebäude der Zukunft steht in der Provinz. Im österreichischen Kollerschlag hat Loxone Electronics, ein Anbieter von Smart-Home-Lösungen mit 250 Mitarbeitern und 45 Millionen Euro Jahresumsatz, seine futuristisch designte Firmenzentrale zwischen grüne Hügel gesetzt. Ausgestattet ist die „Basecamp“ genannte Gewerbeimmobilie mit allem, was intelligente Vernetzungstechnologie heute zu bieten hat: Der Zugang zu den 700 Quadratmetern offener Bürofläche ist nur mit Hilfe eines Chips möglich, über den auch die bargeldlose Abrechnung des im Erdgeschoss befindlichen Firmenrestaurants läuft.

Licht und Luft im Gebäudeinneren werden von Dutzenden von Sensoren überwacht und auf die anwesenden Mitarbeiter abgestimmt. Bewegungsmelder sowie Temperatur- und Kohlendioxidsensoren stellen fest, wenn der Letzte das Gebäude verlassen hat. Zentral gesteuert, schließen dann alle Fenster, die LED-Beleuchtung fährt herunter, und die Alarmanlage stellt sich scharf. Dank einer Lüftungsanlage mit Quellwasserkühlung steigt die Raumluft in den Büros auch im Sommer nie über 26 Grad Celsius. Automatisch dem Sonnenstand folgende Lamellen an der Glasfassade halten Solarenergie draußen und beschatten das Innere. 

Das Basecamp als Elchtest

Rund 4 Millionen Euro haben Loxone-Geschäftsführer Martin Öller und sein Kompagnon Thomas Moser in die Errichtung des 2013 fertiggestellten, smarten Bürogebäudes gesteckt – etwa anderthalb mal so viel, wie ein konventioneller Bau gekostet hätte. Doch die Investition lohne sich: „Wir erproben hier alle unsere Software-Neuentwicklungen unter Praxisbedingungen“, sagt Öller, der seine Smart-Home-Passion 2009 zusammen mit Thomas Moser zur Profession gemacht hat: „Das Basecamp ist der Elchtest für unsere Innovationen.“

 

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Das Herzstück des Loxone-„Kosmos“ ist der Miniserver. In dem smartphonekleinen Elektronenhirn laufen alle Informationen und Daten zusammen, die von den Haussensoren gesammelt werden. Weltweit rund 40.000 Eigenheime und Privathäuser haben die Österreicher damit, nach eigenen Angaben, mittlerweile zu Smart Homes aufgerüstet. Stückpreis der Server: 360 Euro aufwärts. Einen Internetanschluss braucht der Miniserver von Loxone nicht. Sein Betriebssystem haben Öller und Moser selbst entwickelt. Daher arbeitet es unabhängig von Linux oder Microsoft.

Mastermind: Der Miniserver regelt die Smart-Home-Funktionen zentral.Mastermind: Der Miniserver regelt die Smart-Home-Funktionen zentral. Alles so schön transparent und bunt hier: Die Firmenzentrale von Loxone im österreichischen Kollerschlag.Alles so schön transparent und bunt hier: Die Firmenzentrale von Loxone im österreichischen Kollerschlag. Doppelpack: Das Gründer-Duo von Loxone, Martin Öller (links) und Thomas Moser.Doppelpack: Das Gründer-Duo von Loxone, Martin Öller (links) und Thomas Moser. Aufgeräumt: Blick in das Großraumbüro des "Basecamps" von Loxone.Aufgeräumt: Blick in das Großraumbüro des "Basecamps" von Loxone.

Hinzu kommt: Der Miniserver schickt die von ihm empfangenen Daten auch nicht in die Cloud. Daher hätten Cyber-Kriminelle keine Möglichkeit, Informationen zu stehlen oder sich in die Gebäudesteuerung zu hacken, betont Öller. In zehn Jahren, so vermutet er, werden alle Wohnhausneubauten „smart“ sein. Auf den Bürogebäudemarkt fokussiert sich Loxone zwar nicht. Dennoch sieht Öller auch dort reichlich Potential – vor allem aufgrund gestiegener Sicherheitsanforderungen und höherer Erwartungen an die Energieeffizienz von Bürohäusern.

Für wie groß er das Einsparpotential dank Smart Home hält, illustriert Martin Öller am Beispiel seiner eigenen vier Wände: „Unsere Familie spart jedes Jahr 50.000 einzelne Handgriffe – dadurch haben wir nicht nur mehr Zeit, sondern auch den Kopf frei für Wichtigeres als Licht ein- oder auszuschalten.“