Dienstag, 19.02.2019
Gewerbeimmobilie mieten oder kaufen? Unternehmen müssen Vor- und Nachteile abwägen.

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Gewerbeimmobilie mieten oder kaufen? Unternehmen müssen Vor- und Nachteile abwägen.

Technologie
Flexibilität, Finanzierung und Aufwand

Gewerbeimmobile: Was für mieten und was für kaufen spricht

Mieten oder kaufen? Die Frage stellt sich für viele Unternehmen, die auf der Suche nach einer Gewerbeimmobilie sind. Beide Varianten haben Vor- wie Nachteile. Zwei Experten erklären, wann sich der Kauf lohnt – und wann Mieten besser passt.
Willi Weis, Leiter des Bereichs Industrial Investment bei JLL

Foto: JLL

Willi Weis, Leiter des Bereichs Industrial Investment bei JLL

Bei der Suche nach einer neuen Gewerbeimmobilie steht eine Entscheidung oft ganz am Anfang: Lieber mieten oder lieber kaufen? Je nach Anspruch und Möglichkeiten, kann das eine die bessere Wahl sein oder das andere.

 

Das wissen auch Markus Kullmann, Senior Teamleiter für Büroimmobilien bei JLL, und sein Kollege Willi Weis, Leiter des Bereichs Industrial Investment beim selben Immobiliendienstleister. Sie beraten regelmäßig Unternehmen, die auf der Suche nach einer Gewerbeimmobilie sind, und kennen die jeweiligen Vor- und Nachteile von Kauf und Miete.

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Wartung und Pflege der Immobilie

Immobilienexperte Kullmann rät zur Miete, wenn Unternehmen sich voll auf ihr Geschäft konzentrieren wollen und keinen Stress haben wollen. Eine Hausverwaltung würde sich um die  Wartung und Pflege der Immobilie kümmern. „Allerdings besteht das Risiko, dass die Hausverwaltung sehr langsam und unzuverlässig ist“, warnt Kullmann. Bei einem Kauf könnten Unternehmen diese Aufgaben zwar in ihrem eigenen Tempo angehen, hätten dafür aber mehr zu tun.

Flexibilität bei steigender Mitarbeiterzahl

Wenn Unternehmen eine Gewerbeimmobilie kaufen, wählen viele von ihnen laut Kullmann erstmal eine größere Fläche, als sie eigentlich benötigen. So könnten sie an dem neuen Standort noch wachsen. Um kurzfristig Kosten zu sparen, würden die Unternehmen die zeitweilig ungenutzten Flächen dann untervermieten. „Die Unternehmen rutschen dadurch in eine Vermieterrolle, die sie eventuell gar nicht wollten“, warnt der Experte. Das wiederum bedeute häufig zusätzlichen Aufwand.

Bei einer Miete seien Unternehmen flexibler, da sie erstmal nur ein paar Räume des Gebäudes mieten – und die Fläche bei steigender Mitarbeiterzahl erhöhen können. Falls keine zusätzlichen Räume verfügbar sind, könnten sie viel flexibler umziehen als beim Kauf. Wenn das Unternehmen in schwierigen Zeiten Mitarbeiter entlassen muss, hat es bei gemieteten Immobilien ebenfalls einen Vorteil. „Einige Unternehmen zahlen sogar extra für ein Sonderkündigungsrecht, so dass sie zum Beispiel bestimmte Gebäudeteile früher kündigen können“, sagt Kullmann.

Standortsicherung bei Gewerbeimmobilien

Markus Kullmann, Senior Teamleiter für Büroimmobilien bei JLL.

Foto: JLL

Markus Kullmann, Senior Teamleiter für Büroimmobilien bei JLL.

Auch der Standort spielt bei der Frage, ob ein Unternehmen eine Gewerbeimmobilie eher mieten oder kaufen sollte, eine wichtige Rolle. Wenn Unternehmen sich für einen Kauf entscheiden, sind sie an den Standort der Gewerbeimmobilie gebunden. „Falls die Unternehmen irgendwann erkennen, dass die Mitarbeiter doch aus einer ganz anderen Region kommen und der Arbeitsweg zu weit ist, werden sie nicht einfach den Standort verlegen können“, warnt Weis „Gegebenenfalls müssen sie mit Mitarbeiterverlust rechnen – oder finden erst gar keine Fachkräfte.“

 

Die Bindung an einen Standort könne aber auch ein Vorteil sein, etwa, wenn dieser mit der Zeit beliebter wird. „Und im besten Fall verbinden Kunden und potentielle Mitarbeiter den Ort irgendwann mit dem Unternehmen“, sagt Weis. Vor allem für Familienunternehmen könne sich ein Kauf aus diesem Grund lohnen – zumal für sie ein Umzug in eine andere Region ohnehin nur selten in Frage kommt.

Umbaumöglichkeiten

Unternehmen können als Eigentümer bei der Gestaltung und bei Umbauten weitgehend frei entscheiden. Mietende Unternehmen hingegen brauchen dafür das Einverständnis des Vermieters.

Finanzierung und Wertanlage

Aus finanzieller Sicht bringen beide Varianten einige Vor- und Nachteile. „Ein Kauf ist immer eine Wertanlage und dient dem Unternehmen später als stille Rücklage“, sagt Weis. Wenn Unternehmen den Kauf durch Eigenkapital finanzieren, müssen sie lediglich noch die Betriebskosten zahlen und können dadurch auf lange Sicht Kosten einsparen. Zudem können sie bei der Bilanzierung verschiedene Abschreibungsmöglichkeiten nutzen, was wiederum den effektiven Kaufpreis senken kann.

Hat ein Unternehmen nicht genügend Eigenkapital, muss es einen Kauf durch einen Kredit finanzieren – was wiederum mit Zinsen verbunden sei sowie mit der Gefahr, sich zu übernehmen, gibt Weis zu bedenken. Deshalb könne eine gemietete Immobilie hier die bessere Wahl sein. Sie sei mit weniger kurzfristigem Finanzbedarf verbunden – aber auch mit der Gefahr von Mietsteigerungen.