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Politik > Wirtschaft / Märkte

Die größten wirtschaftlichen Gewinner und Verlierer des Krieges könnten überraschen

| The Economist | Lesezeit: 4 Min.

Ausgelöst durch den Krieges setzen höhere Öl- und Benzinpreise Unternehmen unter Druck – und schaffen überraschende Gewinner an den Märkten.

Ein Symbolbild der Auswirkungen gestiegener Ölpreise auf Unternehmen und Konsumenten Foto: Shutterstock
Steigende Spritpreise wirken weit über die Zapfsäule hinaus: Sie verändern Konsummuster, Gewinnerwartungen und die Bewertung ganzer Branchen. Foto: Shutterstock

30.03.2026 The Economist

Die größten Gewinner und Verlierer des Krieges in der Unternehmenswelt könnten überraschen. Die Märkte signalisieren bereits die langfristigen Folgen des Anstiegs der Treibstoffpreise. Für viele Unternehmen ist ein Sprung bei den Treibstoffpreisen ein doppelter Schlag. Zuerst steigen die Vorleistungs- und Betriebskosten, was die Gewinnmargen zusammenschrumpfen lässt. Dann, noch bevor die Unternehmenslenker wieder festen Boden unter den Füßen haben, folgt der zweite Treffer: Ihre Kunden fangen an, den Gürtel enger zu schnallen. Fast alle Haushalte in Amerika besitzen ein Auto; die meisten sogar zwei oder mehr. Wenn die Benzinpreise von rund drei Dollar je Gallone auf vier Dollar steigen, geben sie am Ende mehr als 1.000 Dollar zusätzlich pro Jahr für Kraftstoff aus. Für einen durchschnittlichen Haushalt entspricht das einem Achtel der frei verfügbaren Konsumausgaben — Geld also, das von Ausgaben für Restaurantbesuche, Kleidung oder Unterhaltung abgezogen wird.

Inzwischen ist es fast einen Monat her, dass Amerika erstmals Iran bombardierte und dabei Ali Khamenei, den obersten Führer des Landes, tötete. Zu Beginn des Jahres 2026 lag der Ölpreis bei rund 60 Dollar pro Barrel. Im März schwankte er heftig, je nachdem, wie sich die Intensität des Konflikts veränderte und welche Nachrichten über Bemühungen eintrafen, die Folgen abzufedern; bewegt hat er sich dabei jedoch um die Marke von 100 Dollar. Die Verbraucher spüren den Druck bereits: An der Zapfsäule liegt der durchschnittliche Benzinpreis bei vier Dollar, nach drei Dollar Ende Februar.

Wo die Schockwellen sofort ankommen

Für amerikanische Unternehmen schafft das Gewinner und Verlierer. Einige davon liegen auf der Hand. Höhere Preise sind zumindest kurzfristig eine gute Nachricht für den Öl- und Gassektor. Die Aktienkurse der börsennotierten Unternehmen dieser Branche sind seit dem 27. Februar im Durchschnitt um mehr als 8 Prozent gestiegen. Fluggesellschaften und Kreuzfahrtanbieter hingegen geraten unter Druck. Die meisten Airlines in Amerika haben die Absicherung ihrer Treibstoffkosten mit Futures-Kontrakten längst aufgegeben. Der Aktienkurs von American Airlines ist seit Ende Februar um 20 Prozent eingebrochen, der von United um 13 Prozent (Delta, das besser abgeschirmt ist, weil dem Unternehmen eine Raffinerie in Pennsylvania gehört, die drei Viertel seines inländischen Treibstoffbedarfs beliefert, hat seinen Aktienkurs um drei Prozent steigen sehen).

Unternehmen, die auf die nicht zwingend notwendigen Ausgaben der Verbraucher angewiesen sind, darunter Chipotle, eine mexikanisch geprägte Schnellrestaurantkette, Nike, ein Sportartikelhersteller, und Williams Sonoma, das gehobene Küchenausstattung verkauft, haben seit Ende Februar 12 bis 15 Prozent ihres Werts verloren. Anderswo allerdings fällt die Wirkung überraschender aus. Man könnte meinen, dass Unternehmen, die Chemikalien aus Kohlenwasserstoffen herstellen, unter höheren Kosten sowohl für Energie als auch für Rohstoffe leiden müssten. Doch die Aktienkurse von LyondellBasell und Dow Chemicals, zwei der größten Produzenten Amerikas, sind beide um rund 30 Prozent gestiegen. Anders als ihre Konkurrenten im Ausland profitieren sie vom Zugang zu nordamerikanischem Erdgas, das inzwischen deutlich billiger ist als anderswo. Auch CF Industries, ein Düngemittelhersteller, der dieses Gas als Ausgangsstoff für Ammoniak nutzt, hat einen kräftigen Kurssprung verzeichnet.

Was die Märkte schon über die Zeit danach verraten

Einige Anbieter nicht lebensnotwendiger Konsumgüter entwickeln sich ebenfalls gut. Burlington, eine Discount-Warenhauskette, hat im vergangenen Monat um rund 7 Prozent zugelegt, weil Investoren darauf setzen, dass Verbraucher bald verstärkt nach günstigen Angeboten suchen werden. Zugleich geraten manche Unternehmen, die Güter des täglichen Bedarfs herstellen, unter Druck. Die Aktien von Produzenten verpackter Lebensmittel wie Campbell’s und General Mills sind seit Kriegsbeginn um mehr als 20 Prozent gefallen. Investoren gehen davon aus, dass diese Unternehmen, die in der vorherigen Inflationswelle nach Russlands Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 ihre Preise angehoben hatten, diesen Trick diesmal nicht wiederholen können. Viele Käufer sind bereits auf Handelsmarken ausgewichen — was dazu beitragen dürfte, den Druck auf Lebensmitteleinzelhändler wie Costco, Kroger und Walmart auszugleichen, deren Aktien sich weitgehend seitwärts bewegt haben. Insgesamt erwarten Investoren, dass Unternehmen mit höheren Kosten und sparsameren Verbrauchern konfrontiert sein werden. Doch was ist mit den langfristigen Folgen des Konflikts? Hier sind die Signale schwächer, aber dennoch beachtenswert. Baker Hughes, ein Unternehmen das Dienstleistungen und Ausrüstung für Ölunternehmen liefert, würde profitieren, wenn höhere Treibstoffpreise zu einem Investitionsschub führten. Doch nach einem anfänglichen Einbruch aus Sorge über die Auswirkungen auf ihre Projekte im Nahen Osten notieren die Aktien knapp unter dem Niveau, auf dem sie vor Beginn der Krise lagen — was Zweifel daran widerspiegeln könnte, dass die Produktion als Reaktion darauf stark steigen wird.

Ein dauerhaft höheres Niveau der Treibstoffpreise hätte große Auswirkungen auf die Autohersteller. Ford und, in geringerem Maße, General Motors haben ihre Kursgewinne seit Kriegsbeginn wieder eingebüßt. Das spiegelt zum Teil die bevorstehende Belastung potenzieller Autokäufer wider. Es könnte aber auch auf eine Zukunft mit weniger Benzinantrieb hindeuten. Die Aktien von BYD, Chinas Vorzeigeunternehmen unter den Elektroautoherstellern, sind seit Beginn des Konflikts um 15 Prozent gestiegen; jene von CATL, einem großen Batteriehersteller, sogar noch stärker. Die wiederholten Ölpreisschocks der 1970er Jahre trafen Detroit schwer, als sich die Verbraucher von spritdurstigen Autos abwandten und stattdessen sparsame japanische Modelle kauften. Vorerst bleibt der Verlauf des Krieges unklar. Doch Unternehmen sollten erkennen, dass seine Folgen noch lange nach seinem Ende zu spüren sein werden.

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Aus The Economist, übersetzt von The Economist, veröffentlicht unter Lizenz. Der Originalartikel in englischer Sprache ist zu finden unter www.economist.com

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