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Technologie > Kommentar

Deutschland muss in die Raumfahrt investieren – jetzt klotzen statt kleckern

| Björn Hartmann | Lesezeit: 2 Min.

Zivile Raumfahrt wird wichtiger für autonomes Fahren und Katastrophenvorhersage. Die Bundesrepublik sollte umfassend investieren. Das Geld ist gut angelegt.

Modell einer Ariane-Rakete vor blauem Himmel mit Mond
Deutschland hat die Chance, Europas Raumfahrt anzuführen – wenn Politik und Wirtschaft gemeinsam abheben. (Foto: Shutterstock)

von Björn Hartmann für Markt und Mittelstand

In diesem November bekommt die schwarz-rote Bundesregierung eine große Chance. Sie kann der Welt zeigen, wie wichtig sie das Zukunftsthema Raumfahrt nimmt. In Bremen verhandeln die Vertreter der Staaten, die die Europäische Raumfahrtorganisation Esa unterstützen, über den Etat für die nächsten drei Jahre.

Deutschland, derzeit zweitgrößter Zahler nach Frankreich, sollte klotzen und zur deutlichen Nummer 1 aufsteigen. Es wäre ein wichtiges Signal an die Welt und die Wirtschaft, denn die Esa vergibt Aufträge an Firmen der Mitgliedsstaaten nach einem Schlüssel, der sich daran orientiert, welches Land wie viel gezahlt hat. 

Schon jetzt kommen große Teile der europäischen Trägerrakete Ariane 6 aus Deutschland, ebenso die Navigationssatelliten des Galileo-Systems. Da geht sicher mehr. Zumal solche Investitionen auch Forschung und Entwicklung fördern. Und im Umfeld der großen Unis und Firmen entstehen zahlreiche neue Unternehmen. Leider hakt es bei Schwarz-Rot. Die Abteilungen für Raumfahrt sind immer noch im Wirtschaftsministerium angesiedelt, obwohl inzwischen das Forschungsministerium von Dorothee Bär zuständig ist. Das bremst den Elan. 

Einer immerhin hat schon geklotzt. Verteidigungsminister Boris Pistorius will bis 2030 jährlich üppige sieben Milliarden Euro für Sicherheitsprojekte im All ausgeben. Er denkt an Satellitensysteme, Bodenstationen, eigene Raketenstartmöglichkeiten. Zur Einordnung: Die Esa muss 2025 mit 7,7 Milliarden Euro auskommen, gut 1,1 Milliarden davon kommen aus Deutschland. Auch wenn vermutlich noch Personal und Produktionskapazität für Pistorius’ Ideen fehlen, wird die Branche angeregt – allein dadurch, dass er Geld bereitstellt. 

Insgesamt ist der Markt für weltraumgestützte Infrastruktur und Dienste riesig. Und bis 2040 soll er sich auf zwei Billionen Euro vervierfachen. Denn das All ist künftig nicht nur militärisch wichtig, sondern auch für autonomes Fahren, Kommunikation, Präzisionslandwirtschaft, Katastrophenvorhersage. Und nicht zuletzt muss Europa in die Unabhängigkeit von den USA investieren. Deutschland sollte seiner Rolle da gerecht werden.

 

Faktenbox: Raumfahrt-Investitionen Deutschlands

  • Esa-Budget 2025: 7,7 Milliarden Euro

  • Deutscher Anteil: rund 1,1 Milliarden Euro (Platz 2 hinter Frankreich)

  • Ziel: Deutschland sollte größter Beitragszahler der Esa werden

  • Verteidigungsministerium: plant bis 2030 jährlich 7 Milliarden Euro für Weltraum-Sicherheitsprojekte

  • Marktvolumen Raumfahrt 2040: geschätzt 2 Billionen Euro weltweit

  • Nutzen:

    • Autonomes Fahren & Kommunikation

    • Katastrophenvorhersage

    • Präzisionslandwirtschaft

    • Unabhängigkeit von den USA

Der Beitrag erschien in der November-Ausgabe von Markt und Mittelstand 2025

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