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Studien & Forschung > Gastbeitrag

KI in deutschen Unternehmen: Infrastruktur, Sicherheit und Governance als Erfolgsfaktoren

| Kai Grunwitz | Lesezeit: 3 Min.

KI verspricht Wachstum, doch fehlende Infrastruktur und Sicherheit bremsen den Erfolg deutscher Unternehmen – das zeigt der Kyndryl Readiness Report.

Moderne KI-Anwendungen stoßen in vielen Unternehmen auf veraltete IT-Infrastrukturen – ein zentrales Risiko für Sicherheit und Skalierung. (Foto: ki/MuM)

Künstliche Intelligenz ist die große Chance der Digitalisierung, doch viele Unternehmen sind strukturell nicht bereit. Alte Systeme und schwache Sicherheit bremsen den Fortschritt. Zeit für ein technisches Update.

Von Kai Grunwitz

Künstliche Intelligenz verändert Wirtschaft und Gesellschaft in einem Tempo, das selbst erfahrene Führungskräfte überrascht. Doch die Kluft zwischen Anspruch und Realität ist dabei groß. Wie groß, das zeigt der Kyndryl Readiness Report 2025: 90 Prozent der deutschen Führungskräfte erwarten, dass KI ihr Geschäft in den kommenden zwölf Monaten grundlegend verändern wird. Gleichzeitig halten sich nur rund ein Drittel für ausreichend vorbereitet.  

 

Zwischen Euphorie und Realität

So erzielen zwar viele Organisationen bereits messbare Erfolge beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz, der weltweite Return on Investment von KI-Projekten liegt inzwischen bei 54 Prozent. Doch das volle Potenzial bleibt oft ungenutzt, weil Strukturen, Prozesse und Sicherheitsmechanismen nicht Schritt halten. 

Laut dem Kyndryl Readiness Report nennen 39 Prozent der Führungskräfte fehlende Kompetenzen als größte Hürde. 70 Prozent halten ihre Infrastruktur für nicht ausreichend vorbereitet, um künftige Risiken zu bewältigen. Damit steht Deutschland beispielhaft für ein globales Muster: Der Wille zur Veränderung ist da, aber die Basis fehlt. Technologien werden eingeführt, bevor Organisationen und Systeme sie tragen können. 

KI und Sicherheit – zwei Seiten derselben Medaille

Mit der zunehmenden Nutzung von KI verändert sich auch die Sicherheitslage. Intelligente Systeme helfen, Angriffe frühzeitig zu erkennen, Datenströme zu analysieren und Risiken zu minimieren. Doch dieselbe Technologie steht auch den Angreifern zur Verfügung. Cyberkriminelle nutzen lernende Modelle, um Schwachstellen schneller zu finden, sich an Abwehrmechanismen anzupassen und ihre Angriffe zu automatisieren. 

Damit steigen Tempo und Komplexität der Bedrohungen. Klassische, reaktive Sicherheitskonzepte stoßen an ihre Grenzen. Unternehmen brauchen Sicherheitsstrategien, die KI verstehen und ihr Verhalten gezielt steuern können. Systeme müssen Risiken antizipieren, Entscheidungen nachvollziehbar machen und kontinuierlich aus Erfahrungen lernen. 

Sicherheit im KI-Zeitalter bedeutet nicht mehr nur Schutz, sondern Governance – also die Fähigkeit, technologische Intelligenz verantwortungsvoll zu kontrollieren. 

Die unterschätzte Basis: veraltete Infrastrukturen

Eine enorme Schwachstelle liegt dabei oft im Fundament. Viele Organisationen arbeiten noch immer mit Systemen, die seit Jahren nicht modernisiert wurden. Alte Server, komplexe Schnittstellen und Software ohne regelmäßige Sicherheitsupdates erschweren den Aufbau sicherer und skalierbarer Plattformen. 

Laut Marktanalysen liegen die Betriebskosten moderner IT-Umgebungen bei nur einem Bruchteil der klassischen Systeme. Trotzdem werden Erneuerungsprojekte oft aus Sorge vor Kosten, Aufwand oder Betriebsunterbrechungen aufgeschoben. Doch wer die Modernisierung hinauszögert, verschiebt das Risiko nur nach vorn. 

Eine resiliente IT-Infrastruktur ist die Voraussetzung für den sicheren und produktiven Einsatz von KI. Ohne stabile Systeme wird Künstliche Intelligenz zum Risiko statt zum Erfolgsfaktor. 

Modernisierung als Sicherheitsstrategie

Sicherheit und Modernisierung gehören heute untrennbar zusammen. Unternehmen sollten deshalb ihre IT-Landschaft strategisch erneuern: 

  • Eine gründliche Bestandsaufnahme durchführen und bewerten, welche Systeme überholt oder geschäftskritisch sind. 
  • Priorisieren, welche Bereiche bei einem Ausfall den größten Schaden verursachen würden. 
  • Modernisierung schrittweise mit hybriden Modellen und klar definierten Meilensteinen umsetzen, statt riskanten Komplettumstellungen. 
  • Kompetenzen aufbauen, damit Mitarbeitende in der Lage sind, KI-Systeme zu verstehen, zu steuern und zu überwachen. 
  • Und schließlich: Cloud-, Daten- und Sicherheitsstrategien eng verzahnen, um Effizienz, Kontrolle und Vertrauen miteinander zu verbinden. 

Wer Modernisierung als Sicherheitsstrategie begreift, legt technologisch, organisatorisch und kulturell die Grundlage für Resilienz. 

Der nächste Schritt: KI-Agenten als Beschleuniger

Während viele Unternehmen noch an ihrer Basis arbeiten, zeichnet sich bereits der nächste Entwicklungssprung ab. Agentische KI-Systeme, sogenannte KI-Agenten, können selbstständig Aufgaben ausführen, Entscheidungen treffen und Prozesse steuern. Sie eröffnen die Möglichkeit, die Chancen der Künstlichen Intelligenz deutlich schneller und umfassender zu nutzen. 

Doch mit wachsender Autonomie steigt auch die Notwendigkeit, klare Grenzen und Kontrollmechanismen zu definieren. Governance, Nachvollziehbarkeit und ethische Leitplanken werden entscheidend, um Vertrauen zu schaffen. 

Rahmenwerke wie das Agentic AI Framework von Kyndryl bieten dafür eine Grundlage. Sie schaffen Strukturen, um KI-Modelle und autonome Systeme sicher zu entwickeln, zu betreiben und zu überwachen, und dies mit definierten Standards für Datenschutz, Compliance und Verantwortung. 

So lässt sich die Dynamik von KI-Agenten nutzen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Moderne Infrastruktur, klare Prozesse und verantwortungsvolle Governance werden damit zum Dreiklang der digitalen Zukunft. 

Die Entwicklung der KI wird weiter an Tempo gewinnen. Wer heute seine Systeme modernisiert, Sicherheitsstrukturen stärkt und die richtigen Rahmenbedingungen schafft, kann das Potenzial der Technologie produktiv und sicher nutzen. Die Zukunft entscheidet sich nicht allein in der Leistungsfähigkeit der Algorithmen, sondern in der Stabilität der Systeme, auf denen sie laufen. KI kann nur so klug sein wie die Infrastruktur, die sie trägt. 

 

 

Der Autor

Kai Grunwitz  ist President von Kyndryl Deutschland und eine der führenden Persönlichkeiten im Bereich IT-Transformation und digitale Innovation. Mit über 30 Jahren Erfahrung in leitenden Positionen hat er sich als Experte in der Entwicklung und Umsetzung von Geschäftsstrategien für globale Unternehmen etabliert. Vor seiner Tätigkeit bei Kyndryl war er u.a. für Oracle, Sun Microsystems, und NTT Data tätig.

Als Mitglied des Hauptvorstands des Bitkom e.V., dem führenden deutschen Digitalverband, setzt sich Kai Grunwitz aktiv für die Förderung der Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft ein. Darüber hinaus ist er ein gefragter Vordenker und Redner auf internationalen Konferenzen wie dem Mobile World Congress, wo er über Themen wie digitale Transformation, Cybersicherheit, Führung, Smart Society und künstliche Intelligenz spricht.

Unter seiner Leitung trägt Kyndryl, der weltweit größte Anbieter von IT-Infrastrukturdienstleistungen, maßgeblich zur Modernisierung, Resilienz und Effizienz der IT-Systeme von Unternehmen bei. Mit innovativen Beratungsansätzen und globalen Technologie-Allianzen begleitet Kyndryl Organisationen bei ihrer Transformation. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der nachhaltigen Gestaltung digitaler Lösungen.

 

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