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Technologie > Gastbeitrag

M&A im Mittelstand: Die stille Macht hinter dem Deal

| Josef Petzenhammer | Lesezeit: 4 Min.

IT wird zum Schlüsselfaktor bei M&A: Nur mit frühzeitiger technischer Integration lassen sich Risiken minimieren und Synergien realisieren.

Josef Petzenhammer. Foto:
Josef Petzenhammer ist EMEA Executive Value Lead bei Apptio. Foto:

Von Josef Petzenhammer

Anfangs herrscht Euphorie: Zwei Unternehmen unterzeichnen einen Fusionsvertrag. Die Strategie ist klar, die Erwartungen sind hoch. Die Kennzahlen stimmen, die rechtliche Prüfung ist abgeschlossen. Der erste Meilenstein ist erreicht. Doch schon wenige Monate später stockt die Integration. Kundenbeschwerden häufen sich, Systeme kommunizieren nicht miteinander, die Belegschaft ist frustriert. Was ist passiert?

Nicht das Gesamtvorhaben war falsch. Auch nicht der Preis. Was übersehen wurde, war die IT. Dabei ist die IT längst nicht mehr nur eine Abteilung – sie ist das Rückgrat nahezu aller zentralen Geschäftsbereiche im Unternehmen. Ob Finanzplanung, Personalmanagement, Vertrieb oder Produktion: Nahezu jeder Prozess, jede Entscheidung und jedes Wachstumsvorhaben ist heute von Technologie durchdrungen.

IT als kritische Infrastruktur – auch für den Mittelstand

In der Vergangenheit war es üblich, die IT erst nach dem Abschluss des M&A-Prozesses einzubeziehen. Dabei wurden meist technische Projektteams eingesetzt, die sich um Schnittstellen, Datenmigration oder Systemzusammenführung kümmern sollten. Heute reicht das nicht mehr.

Denn die Realität sieht anders aus: Die IT ist dafür verantwortlich, dass Finanzdaten korrekt konsolidiert, Kunden nahtlos betreut oder Produkte ausgeliefert werden und HR-Prozesse weiterlaufen können. Kurz gesagt: Ohne funktionierende IT gibt es keine Geschäftskontinuität. Und damit auch keinen M&A-Erfolg. Eigentlich keine neue Erkenntnis. Bereits 2021 zeigte eine Umfrage von Gartner, dass 82 Prozent der befragten Unternehmen die IT als den kritischsten Faktor in der Integrationsphase sehen. (Gartner, 2022: “Four Considerations for Successful IT M&A Integration Planning”)

Trotzdem wird die IT in vielen Due-Diligence-Prozessen erst spät eingebunden. Die Folgen sind kostspielige Nachbesserungen, Zeitverlust und im schlimmsten Fall der Verlust von Kunden, Mitarbeitenden oder Marktanteilen.

Dynamik nimmt zu – aber Qualität entscheidet

Laut einer Analyse von Starkpartners ist die Zahl der M&A-Transaktionen im DACH-Raum im Jahr 2024 um 15 Prozent gestiegen – ein deutliches Wachstum trotz geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten. Und der Trend setzt sich fort: Für 2025 erwarten Investoren und Strategen erneut ein aktives Jahr, das vor allem von Transaktionen im Industriesektor, bei IT-Dienstleistern und Automobilzulieferern geprägt sein wird

Doch die Studie zeigt auch: Der Markt wird anspruchsvoller.

  • Die Vorbereitungszeit auf M&A-Deals verlängert sich deutlich,
  • Käufer und Investoren prüfen selektiver,
  • und die operative Anschlussfähigkeit – insbesondere der IT – wird zum Schlüsselkriterium.

Unternehmen, die hier punkten können, verbessern nicht nur ihre Integrationsfähigkeit, sondern erzielen auch bessere Bewertungen und Deal-Konditionen.

Der Mittelstand ist besonders gefordert – und gefragt

Laut KfW Research fanden zwischen 2005 und 2017 jährlich über 1.100 Transaktionen statt, bei denen deutsche Mittelständler (bis 500 Mio. € Umsatz) übernommen wurden. Besonders häufig betroffen waren das verarbeitende Gewerbe und technologieorientierte Dienstleister.

Doch gerade im Mittelstand sind die technologischen Voraussetzungen oft heterogen, wenig dokumentiert oder nicht skalierbar. Historisch gewachsene IT-Strukturen, individuelle Lösungen und fehlende Standardisierung machen Integrationen schwer kalkulierbar – und somit risikoreicher.

Dass hier Handlungsbedarf besteht, bestätigen auch deutsche Top-Entscheider. Laut einer aktuellen Studie des IBM Institute for Business Value sagen 68 Prozent der deutschen CEOs, dass die Angst, technologisch zurückzufallen, sie dazu treibt, in bestimmte Technologien zu investieren, noch bevor der konkrete Mehrwert für das Unternehmen klar ist. Gleichzeitig geben 61 Prozent der deutschen CEOs an, dass ihr Unternehmen Schwierigkeiten hat, bei unerwarteten Veränderungen das richtige Gleichgewicht zwischen der Finanzierung des laufenden Betriebs und Investitionen in Innovation zu halten.

Gerade deshalb bieten M&A-Prozesse für den Mittelstand eine Chance: Sie können ein Anlass sein, bestehende IT-Landschaften auf den Prüfstand zu stellen, zu konsolidieren und zukunftsfähig zu machen. Der entscheidende Faktor ist dabei, die IT nicht als reine Kostenstelle, sondern als Treiber für Integration und Wachstum ernst zu nehmen.

 

Erfolg entsteht durch Zusammenarbeit – nicht durch Technik allein

Für eine erfolgreiche Integration braucht es mehr als eine solide IT-Abteilung. Es braucht eine enge Zusammenarbeit zwischen CFO und CIO. Nur wenn die finanziellen und technologischen Perspektiven aufeinander abgestimmt sind, können realistische Pläne entstehen.

Ansätze wie das Technology Business Management (TBM) helfen dabei, IT-Investitionen mit konkreten Geschäftszielen zu verknüpfen – sei es beim Aufzeigen von Einsparpotenzialen, bei der Bewertung von Lizenzmodellen oder der Harmonisierung von Systemlandschaften.

 

Fazit: Die IT ist kein Risikofaktor – wenn man sie ernst nimmt

M&A-Prozesse sind längst kein reiner Finanzakt mehr. Sie sind ein Transformationsprojekt, das tief ins operative Herz eines Unternehmens eingreift.

Im Mittelstand entscheidet die IT heute darüber, ob zwei Unternehmen wirklich zusammenfinden – oder ob eine strategisch sinnvolle Übernahme operativ scheitert. Wer frühzeitig Transparenz schafft, IT-Risiken bewertet und Technologie aktiv in den Integrationsprozess einbindet, arbeitet nicht nur effizienter, sondern kann den Wert des Deals auch tatsächlich ausschöpfen.

Der Autor

Josef Petzenhammer ist EMEA Executive Value Lead bei Apptio, einem führenden Anbieter im Bereich Technology Business Management (TBM). Er berät Unternehmen bei der finanziellen Steuerung und strategischen Ausrichtung von IT-Investitionen – insbesondere im Kontext von M&A und Transformation im Mittelstand.

 

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