Dienstag, 08.11.2022
Technologie
Gastbeitrag

Metaversum: Eine Vision für Gesellschaft und Unternehmen in unserem Land

Angelika Gifford ist die Vizepräsidentin für Europa, den Nahen Osten und Afrika bei Meta, und damit verantwortlich für die Geschäftsentwicklung der Dienste wie Facebook, Instagram, WhatsApp und Oculus.

Bild: Facebook

Digitalisierung ist allgegenwärtig. Sie transformiert unternehmerische Prozesse, Produkte, Wertschöpfungsketten und ganze Geschäftsmodelle, aber auch das gesellschaftliche Miteinander, und seit geraumer Zeit natürlich auch unsere Kommunikation. Doch wo stehen wir momentan in Sachen digitaler Transformation im Land der Dichter, Denker und Ingenieure, und was braucht es nach vorne, um als Land wettbewerbsfähig zu bleiben? Dieser Frage habe ich mich gemeinsam mit 21 Vordenker*innen und Führungskräften der deutschen Wirtschaft im Buch “Die Digitale Dekade - Wie wir unsere Wirtschaft transformieren können” gewidmet. Was es jetzt in Deutschland braucht, sind mehr Mut und Geschwindigkeit in der Umsetzung, der richtige Einsatz von Technologie und ein gemeinsam erarbeitetes, effektives regulatorisches und ethisches Rahmenwerk, innerhalb dessen Grenzen wir Technologien anwenden - kurz: Tech mit Mehrwert. Genau hier setzt auch die Vision des Metaversums an, also der nächsten Generation des Internets und für mich die Zukunft sozialer Technologie.

In den letzten Jahrzehnten haben wir Menschen Technologien hervorgebracht, die unendlich viele Möglichkeiten bieten und deren Potenziale wir noch nicht allesamt verstehen können. Laut einer aktuellen Studie des Digital-Branchenverbands Bitkom kann sich knapp die Hälfte der befragten Menschen vorstellen, in Zukunft im Metaversum einzukaufen, sich dort mit Freund*innen zu treffen oder ein Konzert zu besuchen. Zudem gaben 18 Prozent der Deutschen an, regelmäßig eine VR (Virtual Reality)-Brille zu nutzen. Dazu kommen 53 Prozent, die es sich künftig vorstellen können. Diese Zeichen stimmen uns zuversichtlich und wir sind überzeugt, dass die Technologien des Metaversums, unter anderem Augmented und Virtual Reality, das Potenzial haben, unsere Welt in zahlreichen Bereichen zum Besseren zu verändern: von Bildung und Kultur, über Medizin bis hin zur Wirtschaft.

 

Seitdem wir unsere Vision vergangenes Jahr erstmals vorgestellt haben, haben wir Fortschritte beim Aufbau der Infrastruktur, bei der Weiterentwicklung der Hardware und Optimierung der Software gemacht, die diese nächste Evolution des Internets vorantreiben werden. Wir können und wollen das Metaversum jedoch nicht allein bauen, dafür ist es ein viel zu umfassendes Ökosystem. Es braucht vielmehr die Kooperation einer  Vielzahl von Unternehmen (man denke etwa an die nötige Konnektivität, digitale Inhalte, digitales Bezahlen, und so weiter), Organisationen, Experten und politischen Entscheidungsträgern. Denn das Metaversum wird ein vernetztes System sein, das über nationale Grenzen hinausgeht. Es muss deshalb einen Rahmen aus öffentlichen und privaten Standards, Normen und Regeln geben, damit es grenzüberschreitend funktioniert. Und wir müssen diesen Rahmen gemeinsam als Wirtschaft und Gesellschaft erarbeiten, solange wir noch die Chance dazu haben und uns andere Teile der Welt nicht zuvorkommen. Solche Standards und Technologien sind nur durch Partnerschaften, schnelle und freie Netze, und Interoperabilität möglich.

 

Große Partnerschaften zwischen Tech-Unternehmen, Medienpartnern und Entwicklern zeigen heute schon, wie groß das Vertrauen in die Vision des Metaversums und dessen Potenziale sind - beispielsweise in Bezug auf das Arbeitsumfeld und neue Arbeitsmethoden. Einige der weltweit führenden Unternehmen, die sich auf Produktivität spezialisiert haben, arbeiten in diesem Bereich schon zusammen. Microsoft wird zukünftig die Verwendung von Word, Outlook und Excel in Mixed Reality oder VR ermöglichen. Das bedeutet ein virtuelles Heimbüro, ohne an einen PC gebunden zu sein. Accenture wird Unternehmen ab 2023 eine Kombination aus Dienstleistungen sowie Meta- und Microsoft-Apps und -Technologien bereitstellen, um dort die Arbeit zu beschleunigen. Seit 2020 hat Accenture intern 60.000 Quest 2-Headsets für Schulungen und das Onboarding neuer Mitarbeiter eingeführt.

 

 

Das Metaversum ist aber mitnichten eine Technologie, die großen Unternehmen vorbehalten ist; das Gegenteil ist der Fall: Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen bietet es enorme Chancen. Produkte und Dienstleistungen können auf eine völlig andere Art und Weise erlebt werden - möglicherweise sogar in Teilen der Welt angeboten werden, die physisch sehr weit entfernt sind. Mit einem immersiven Internet könnten auch die letzten Grenzen für Kreativität und Unternehmertum weltweit fallen, wenn die beste Idee und das cleverste Produkt von überall aus der Welt erdacht, angeboten und vertrieben werden kann. Unser Ziel ist, dass das Metaversum bis 2030 von einer Milliarde Menschen genutzt wird, hunderte von Milliarden Dollar an digitalem Handel ermöglicht und Millionen von Creator*innen und Entwickler*innen Arbeitsplätze bietet. Laut einer aktuellen Studie von Analysis Group und Meta würde das Metaversum, wenn es sich ähnlich wie die Mobilfunktechnologie durchsetzen und entwickeln würde, nach 10 Jahren voraussichtlich einen Beitrag von 2,8 Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt leisten.

 

Ich bin deshalb überzeugt davon, dass das Metaversum die größte Chance für Kreativität und Unternehmertum seit der Erschaffung des Internets ist und uns allen eine Vielzahl neuer Möglichkeiten bietet, mit Kund*innen und Partner*innen in Kontakt zu treten. Wir müssen als Wirtschaft und Gesellschaft nur rechtzeitig aktiv werden, die Technologie so zu gestalten, wie wir ihren Einsatz für richtig halten und sie einen Mehrwert für die ganze Gesellschaft bringt.

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