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Technologie > Handelsdigitalisierung

Müller folgt Wettbewerbern: Drogeriekette führt 1000 SB-Kassen europaweit ein

| Markt und Mittelstand Redaktion

Ab 2026 setzt Müller auf Self-Checkout-Terminals in allen Filialen, um Wartezeiten zu verkürzen und dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Self-Checkout auf dem Vormarsch: Schon länger setzen Lebensmittelhändler auf SB-Kassen – jetzt zieht auch Müller nach und führt ab 2026 rund 1000 Selbstbedienungskassen in seinen Filialen europaweit ein. Ziel: kürzere Wartezeiten und Entlastung des Personals. (Foto: picture alliance)

Die Drogeriekette Müller plant eine umfassende Modernisierung ihrer Kassensysteme. Ab 2026 werden schrittweise Selbstbedienungskassen (SB-Kassen) in allen Filialen eingeführt. Mit dieser Maßnahme folgt das Ulmer Unternehmen dem bereits etablierten Trend seiner Hauptkonkurrenten dm und Rossmann, die solche Systeme bereits erfolgreich implementiert haben.

Europäischer Rollout mit 1000 neuen Kassensystemen

Müller plant einen internationalen Rollout von rund 1000 SB-Kassen in Europa. Die neuen Kassensysteme stammen vom Technologie-Dienstleister DRS, an dem Müller beteiligt ist. DRS hat bereits in der Vergangenheit verschiedene Systeme wie Kassenlösungen und Warenwirtschaft für das Unternehmen entwickelt.

Die Einführung erfolgt schrittweise ab dem kommenden Jahr, wobei die einzelnen Filialen nach und nach mit der neuen Technologie ausgestattet werden. Welche Standorte den Anfang machen, ließ das Unternehmen bislang offen.

Müller betreibt derzeit insgesamt 949 Filialen in acht europäischen Ländern:

  • 583 Filialen in Deutschland
  • 109 in Österreich
  • 89 in der Schweiz
  • 92 in Kroatien
  • 34 in Ungarn
  • 26 in Slowenien
  • 15 in Spanien und
  • eine Filiale in Liechtenstein.

Wettbewerber bereits mit SB-Kassen erfolgreich

Mit dieser Initiative schließt sich Müller der bereits etablierten Praxis seiner Hauptkonkurrenten an. Die Drogeriekette dm setzt bereits seit 2022 auf SB-Kassen und hat inzwischen mehr als 2000 Geräte in deutschen Märkten installiert. Auch Rossmann sammelt seit Jahren Erfahrungen mit SB-Kassen und hat einen "Vollrollout" der Self-Checkout-Terminals angekündigt. Der Händler will bis Ende 2027 alle Verkaufsstellen mit entsprechenden Terminals ausrüsten.

Vorteile von SB-Kassen im Einzelhandel

Die Einführung von Selbstbedienungskassen bietet Handelsunternehmen und Kunden mehrere Vorteile. Hier die wichtigsten Fakten zur neuen Kassenstrategie:

  • Kosteneinsparung: Durch den Einsatz von SB-Kassen wird weniger Kassenpersonal benötigt, was zu geringeren Personalkosten führt. Dies ist besonders relevant angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels im Einzelhandel.
  • Effizientere Flächennutzung: Auf der Fläche einer Standardkasse können vier SB-Kassen aufgestellt werden. Dies ermöglicht eine bessere Ausnutzung der vorhandenen Verkaufsfläche und kann zu kürzeren Warteschlangen führen.
  • Kundenautonomie: Kunden können in ihrem eigenen Tempo scannen und bezahlen, was besonders bei kleineren Einkäufen Zeit spart. Zudem bieten SB-Kassen Flexibilität durch moderne Zahlungsarten und ein selbstbestimmtes Einkaufserlebnis.

Kurzer Blick in die Geschichte der Selbstbedienungskassen

  • Die Entwicklung von Selbstbedienungskassen begann bereits in den 1980er Jahren mit ersten Prototypen in den USA.
  • Der Durchbruch kam jedoch erst Anfang der 2000er Jahre, als die Technologie ausgereift genug für den Masseneinsatz war. In Deutschland zögerten Händler lange mit der Einführung - kulturelle Vorbehalte und die traditionell hohe Serviceorientierung im deutschen Einzelhandel verzögerten die Adaption.
  • Die erste größere Implementierungswelle erfolgte ab 2010. Unternehmen wie IKEA und METRO gehörten zu den Pionieren. Der Drogeriemarkt dm begann 2022 mit der flächendeckenden Einführung und hat mittlerweile über 2000 Geräte im Einsatz.
  • Historisch betrachtet folgt diese Entwicklung einem klassischen Muster der Handelsmodernisierung: Neue Technologien werden zunächst von Marktführern oder innovationsfreudigen Unternehmen eingeführt, bevor sie sich als Branchenstandard etablieren. Ähnliche Entwicklungen zeigten sich bereits beim Übergang von der Bedienung zur Selbstbedienung in den 1950er Jahren oder bei der Einführung elektronischer Kassensysteme in den 1970er Jahren.
  • Die aktuelle Beschleunigung der Implementierung ist dabei eng mit dem demografischen Wandel und dem resultierenden Fachkräftemangel verbunden - ein Phänomen, das in dieser Intensität neu ist und die Automatisierung im Handel vorantreibt.

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