Freitag, 22.12.2017
„Die Personalisierung von Massenprodukten rückt verstärkt in den Vordergrund“, sagt Martin Schleef vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA.

Foto: Zapp2Photo/Thinkstock/Getty Images

„Die Personalisierung von Massenprodukten rückt verstärkt in den Vordergrund“, sagt Martin Schleef vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA.

Technologie
Ausblick auf 2018

Produktionstechnik: „Produkte intelligent gestalten“

Vernetzte Prozesse und eine autonom gesteuerte Produktion: Was sich in der Produktionstechnik 2018 verändern wird, beschreibt Martin Schleef vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung im Interview.

Was ist die wichtigste Entwicklung in der Produktionstechnik 2018?
Jeder Kunde möchte individuell, günstig und schnell bedient werden. Für die Produktionstechnik bedeutet dies, dass sie künftig „hybride“ Leistungsbündel anbieten muss, also Produkte und Dienstleistungen, die auf die Kundenwünsche exakt zugeschnitten sind. Die Personalisierung von Massenprodukten rückt verstärkt in den Vordergrund.

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Wie können Unternehmen das umsetzen?
Um den Trend der Individualisierung zu wirtschaftlichen Bedingungen bedienen zu können, muss die Industrie mehr und mehr cyber-physische Produktionssysteme, etwa mit der Fertigung vernetzte Sensoren, einsetzen. Vernetzung und maschinelles Lernen sind die Voraussetzungen dafür, damit sich in Zukunft mehr und mehr Bereiche einer Produktion autonom steuern können. Die Bedeutung und die Nutzung des Internets der Dinge und Dienste wachsen 2018 rasant und werden immer mehr Unternehmen einbeziehen.

Martin Schleef forscht am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart.

Foto: Fraunhofer Institut IPA

Martin Schleef forscht am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart.

Welche Trends sind für mittelständische Fertigungsunternehmen wichtig?
Die Automatisierung in der Massenfertigung ist weit fortgeschritten. Nun geht es darum, die Prozesse zu vernetzen sowie durch Analyse und das geschickte Nutzen von Daten die Effizienz der Fertigung zu verbessern. „Customization“, also die Herstellung nur eines einzigen Produkts, verlangt ein Höchstmaß an Flexibilität und das Umrüsten innerhalb sehr kurzer Zeit oder sogar während des laufenden Prozesses.

Wie wirkt sich das auf das Geschäft aus?
Als weiteren Trend beobachten wir, dass – basierend auf Vernetzung – neue Geschäftsmodelle entstehen. Als Beispiel sei angeführt, dass ein Werkzeugmaschinenhersteller seine Anlagen beim Kunden überwacht und eine vorbeugende Instandhaltung anbieten kann. Die Vorteile dieses Geschäftsmodells sind eine verbesserte Verfügbarkeit der Maschinen und niedrigere Kosten.
Eine weitere Ebene stellen Cloud-basierte Geschäftsmodelle dar. Unternehmen können ihren eigenen Marktplatz einrichten und mit Zulieferern und Kunden in Kontakt treten. Neben physisch greifbaren Maschinen können auf diese Weise weitere Dienstleistungen angeboten werden. Wichtig ist dabei, dass sich die betreffenden Unternehmen als Partner zusammenschließen, um ein Gegengewicht gegen große Internetkonzerne zu schaffen.

Was verändert sich für Unternehmen der Produktionstechnik?
Neue Technologien und neue Geschäftsmodelle ermöglichen es künftig, Kunden an der Wertschöpfung teilhaben zu lassen und die Partner der Wertschöpfungskette wie Lieferanten oder Serviceprovider effektiver einzubinden. Das Produkt kann intelligent gestaltet werden. Dadurch kann es über sämtliche Phasen seines Lebenszyklus Informationen sammeln und zur Auswertung zur Verfügung stellen. Weitere Möglichkeiten ergeben sich beispielsweise bei der Steuerung oder der Instandhaltung der Produkte. Auch dies eröffnet völlig neue Möglichkeiten zur Gestaltung und Optimierung der Wertschöpfungskette.


Der Text gehört zu einem Thema aus der Markt-und-Mittelstand-Ausgabe 12/2017 – 01/2018. Hier können Sie das aktuelle Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.