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SAP-Transformation: Systeme, Strategien, Stolpersteine und Erfolgsfaktoren

| Andreas Krieg

SAP S/4HANA ist kein simples Upgrade. Der Schritt ist ein Richtungsentscheid – mit Folgen für Prozesse, Kultur und Geschäftsmodelle.

KI-Schaubild SAP-MÖglichkeiten
SAP S/4HANA gilt als Basis für die digitale Transformation – entscheidend ist die Strategie bei Einführung und Umsetzung. (Foto: shutterstock)

8.9.2025: von Gastautor Andreas Krieg

Die Wirtschaft ist im Umbruch. Digitale Wertschöpfung, anfällige Lieferketten, zunehmende Regulatorik und der Siegeszug der Künstlichen Intelligenz setzen Unternehmen mehr und mehr unter Druck. In zahlreichen Betrieben ist die technologische Basis diesem Wandel schlicht nicht mehr gewachsen. 

SAP bleibt in dieser Gemengelage die dominante Plattform, wenn es um belastbare, skalierbare und international einsetzbare ERP-Lösungen geht. Allerdings ist die Annahme, eine Implementierung von SAP S/4HANA sei lediglich ein System-Upgrade, deutlich zu kurz gedacht. 

Die Neueinführung von SAP darf nicht als Systemwechsel gesehen werden – sie ist vielmehr ein unternehmerischer Richtungsentscheid. Ein Kurswechsel dieser Art betrifft nicht nur IT-Abteilungen, sondern verändert Denkweisen, Prozesse und Verantwortlichkeiten auf allen Ebenen. 

SAP im Markt – Alternativen, aber keine Gleichwertigkeit

Natürlich gibt es zu SAP verschiedene Optionen. Microsoft Dynamics beispielsweise überzeugt durch seine Office-Nähe und schnelle Nutzbarkeit im Mittelstand. Oracle ERP punktet mit globalen Rollout-Erfahrungen, insbesondere in den USA. Auch interne Eigenentwicklungen wirken auf den ersten Blick flexibel – bis sie in der Realität zur Innovationsbremse mutieren. 

Sobald es sich jedoch um komplexere Unternehmensstrukturen handelt, wird der Vorsprung von SAP offensichtlich. Kein anderes System bietet eine vergleichbare Branchentiefe, eine derart hohe Integration entlang der gesamten Wertschöpfungskette und eine gleichzeitig klare Roadmap für technologische Innovationen. 

SAP ist stark, keine Frage – aber es ist nicht alternativlos. Der Schlüssel liegt in der Strategie. Wer blind auf SAP setzt, ohne zu hinterfragen, wie es zum eigenen Geschäftsmodell passt, der vergibt Potenzial. Es geht also nicht um die Entscheidung für oder gegen SAP, sondern vielmehr darum, wie SAP klug und zukunftsfähig eingeführt wird. 

Drei Wege zur Transformation: Greenfield, Brownfield und Selective Data Transition

Die technologische Basis von SAP S/4HANA eröffnet neue Horizonte: In-Memory-Verarbeitung für blitzschnelle Analysen, Echtzeit-Datenzugriff und vollständige Cloud-Fähigkeit machen das System zur Infrastruktur für digitale Transformation. 

Wie jedoch kommt man dahin? Interessierten Firmen bieten sich hier drei Ansätze: Greenfield, Brownfield oder Selective Data Transition. 

Der Greenfield-Ansatz ist der radikale Neuanfang. Hier wird das System – häufig in Verbindung mit den Prozessen – komplett neu aufgesetzt. Es ist der große Befreiungsschlag, geeignet für Betriebe, die Altlasten abschütteln und Innovation von Grund auf anders denken wollen.  

Brownfield hingegen bietet eine weitgehende Übernahme von bestehenden Abläufen und sorgt für entsprechende technische Migration. Meist schneller, aber mit der Gefahr, bestehende Ineffizienzen einfach mit in die neue Umgebung zu übernehmen. 

Die Selective Data Transition schließlich kombiniert beide Welten. Nur die relevanten Daten und Prozesse werden mitgenommen und dabei auf die neue Architektur zugeschnitten. Eine anspruchsvolle, oft besonders nachhaltige Lösung. 

Meiner Erfahrung nach glauben viele, S/4HANA sei das Ziel. In Wirklichkeit ist es der Startpunkt. Wer denkt, mit dem Go-live sei die Transformation beendet, hat die Dynamik der heutigen Geschäftswelt nicht verstanden.  

Strategische Vorbereitung – Wo Erfolg oder Scheitern beginnen

Die Weichen für ein SAP-Projekt werden nicht in der Implementierungsphase gestellt – sie stammen meist schon aus vorhergehenden Jahren. Entscheidend ist der Zeitpunkt, an dem ein Unternehmen wirklich versteht, was es erreichen will. 

Ich warne meine Kunden immer wieder, dass Scheitern oft mit unklaren Zielen und zu spätem Handeln beginnt. Immer wieder erlebe ich in der Praxis, dass investiert wird, bevor überhaupt geklärt ist, wohin die Reise gehen soll. Es werden Systeme eingeführt, ohne zu wissen, ob sie zum Zielbild passen. 

Deshalb gehört zur strategischen Vorbereitung mehr als nur ein Projektplan. Es geht um eine ganzheitliche Vision – eine Vorstellung davon, wie der Betrieb in fünf oder zehn Jahren arbeiten soll und welche Rolle Prozesse dabei spielen werden. Oder auf den Punkt gebracht: die fruchtbare Interaktion zwischen Technologie, Organisation, Prozessen und Menschen. 
 
Mit der frühzeitigen Analyse von Prozessen, der Bewertung von IT-Architekturen sowie der Einbindung der entscheidenden Stakeholder können etwaige Risiken erheblich gesenkt und die Effekte letztlich massiv erhöht werden. 

 

Partnerwahl – Vom Dienstleister zum strategischen Co-Piloten

Ein SAP-Projekt steht und fällt mit den Menschen, die es umsetzen. Dennoch wird der Implementierungspartner häufig wie ein Lieferant behandelt, nicht wie ein Mitspieler. 

Dabei ist die Auswahl des Partners einer der kritischsten Schritte. Hier geht es nicht nur um fachliche Exzellenz, sondern auch um methodische Reife und kulturelle Passfähigkeit. 
Der Partner sollte Sie fordern – nicht lediglich beliefern. Eine gute Kooperation zeichnet sich durchaus mit dem Einbringen von besonderen Ideen, dem möglichen Widersprechen zu Vorgehensweisen oder dem klaren Entäußern unbequemer Wahrheiten aus. 

Kultur ist ebenfalls nicht zu unterschätzen: Ein fachlich starker Partner, der mit Überheblichkeit auftritt, kann mehr Schaden anrichten als helfen. Transformation ist Vertrauensarbeit und braucht Menschen, die gehört werden wollen, abseits konfigurierter Systeme. 

Die operative Realität: Komplex, aber umsetzbar

Sobald die Transformation in die heiße Phase geht, zählt die Umsetzung. Datenmigration, Schnittstellenintegration, Prozessdesign – all das ist kein Selbstläufer. Viele Unternehmen unterschätzen, wie viel Koordination, Disziplin und Change Management benötigt werden, um eine Transformation über mehrere Jahre hinweg stabil zu steuern. 

Die kritischen Faktoren hängen häufig gar nicht an der Technologie. Es scheitert meist daran, dass Menschen überfordert sind, Informationen nicht fließen, oder dass niemand klare Entscheidungen trifft. 

Erfolgreiche Projekte basieren auf stabilen Governance-Strukturen, einer klaren Rollenverteilung und ständiger Kommunikation zwischen Fachbereichen, IT und Projektsteuerung. Essentiell ist, Realität und Roadmap immer wieder zu synchronisieren und, sofern sich Abweichungen zeigen, rechtzeitig gegenzusteuern. 

Wirkung messen und zukunftsorientiert agieren

Was bleibt, wenn das Projekt abgeschlossen ist? Im besten Fall neben einem neuen System eine Organisation, die besser funktioniert als je zuvor. Prozesse, die schneller laufen. Entscheidungen, die datenbasiert getroffen werden können. 

Aber das lässt sich nicht am Go-live ablesen. Wirkung braucht Metriken. Ich rate immer dazu, schon frühzeitig KPIs zu definieren, angefangen vom Nutzungsgrad einzelner Funktionen über die Prozessqualität bis hin zum geschäftlichen Impact. Erfolg in der Transformation beginnt dort, wo Wirkung sichtbar und messbar wird. Oder in anderen Worten: Nur, wer misst, kann steuern. Und nur wer steuert, kann nachhaltig verändern. 

Der Autor

Andreas Krieg ist Geschäftsführer der SaphirACon und ausgewiesener Spezialist für SAP-Transformationen sowie die Optimierung von Geschäftsprozessen. Seit über zwei Jahrzehnten begleitet er Konzerne und mittelständische Unternehmen dabei, digitale Strategien erfolgreich umzusetzen. Sein Fokus liegt auf der nachhaltigen Integration von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz in bestehende SAP-Landschaften. 

 

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