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Technologie > Fahrzeugsicherheit & Mittelstand

KBA-Soft-Targets: Wie Schaumstoff-Ziele das autonome Fahren sicher machen

| Markt und Mittelstand Redaktion

Neue Soft-Targets des Kraftfahrtbundesamts machen Fahrzeugsicherheitstests realistisch und sicher – neue Regeln, Chancen und Pflichten für den Mittelstand.

Strichzeichnung Auto-Crash-Simulation
Soft-Targets simulieren Fußgänger oder Fahrzeuge im KBA-Testcenter – ohne Risiko, aber mit hoher Aussagekraft für die Sicherheit. (Foto: ki-generiert)

29.8.2025 Markt und Mittelstand :

„Zum Glück bin ich aus Schaumstoff!“ – so könnte man sich den inneren Monolog der neuen Soft-Targets vorstellen, die seit Herbst 2024 im Testbetrieb des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) stehen. Diese unscheinbaren Schaumstoffkörper auf flachen, selbstfahrenden Plattformen sind Hightech-Prüfgeräte: Sie simulieren Autos, Fußgänger oder Radfahrer, damit Fahrerassistenzsysteme und autonome Fahrfunktionen sicher und reproduzierbar getestet werden können – ohne Risiko für Prüfpersonal oder teure Testfahrzeuge.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Soft-Targets ermöglichen realitätsnahe Gefahrensituationen, etwa ein plötzlich auftauchendes Kind auf einem Zebrastreifen oder ein abrupt bremsender Radfahrer. Weil sich die Aufsätze nach einem Aufprall in Einzelteile zerlegen, entstehen weder Schäden am Testwagen noch am Dummy selbst. Kombiniert mit Fahrrobotern, die Gas und Lenkung millimetergenau steuern, werden so reproduzierbare Tests nach internationalen Standards wie Euro NCAP oder UN-Regelungen möglich.

Das KBA baut dazu sein Test Center Leck (Schleswig-Holstein) massiv aus – mit überhöhten Kurven, einer Smart City-Umgebung und hochpräziser Messtechnik. Ziel ist es, die Sicherheit autonomer Systeme künftig noch strenger zu überwachen. Auch Lärmemissionen von E-Fahrzeugen oder die Car2X-Kommunikation sollen dort geprüft werden.

Bedeutung für den Mittelstand

Für den deutschen Mittelstand sind diese Entwicklungen doppelt relevant: Einerseits als Zulieferer und Technologiepartner, die Soft-Target-Systeme, Sensoren oder Testsoftware entwickeln und damit Teil einer wachsenden Sicherheits- und Prüfindustrie werden.

Andererseits als Fahrzeughersteller und Ausrüster, die ihre Produkte künftig gegen härtere Maßstäbe bestehen lassen müssen. Wer Fahrerassistenzsysteme oder Fahrzeugkomponenten in Serie bringen will, kommt an den KBA-Prüfungen nicht vorbei. Das bedeutet höhere Anforderungen an Forschung, Dokumentation und Qualität – aber auch Chancen für mittelständische Spezialisten, die sich in diesem Umfeld mit Innovationen und Nischenlösungen positionieren können.

 

Faktenbox: Was sind Soft-Targets?

  • Target – englisch für Ziel oder Zielscheibe

  • Flache, angetriebene Plattformen, die „überfahrbar“ sind

  • Mit weichen Materialien nachgebildete Personen- und Fahrzeugkonturen

  • Können per Funktechnologie manuell oder programmiert gesteuert werden

  • Einsatz: Prüfungen ohne Risiko für Prüfpersonal oder Testfahrzeug

  • Nutzen: Sichere Simulation von Gefahrensituationen im Straßenverkehr

Marktüberwachung des KBA

Mit der Einführung von Soft-Target-Systemen hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) seine Prüfinfrastruktur entscheidend erweitert. Diese Trägerplattformen mit austauschbaren weichen Aufsätzen und ermöglichen damit reproduzierbare Tests ohne Risiko für Prüfpersonal oder Fahrzeuge. Sie sind zentral für die Überprüfung moderner Fahrerassistenz- und Fahrzeugsicherheitsfunktionen, insbesondere Notbrems- und Ausweichsysteme, deren Wirksamkeit maßgeblich von der präzisen Erkennung anderer Verkehrsteilnehmer abhängt.

Ergänzt wird das System durch ferngesteuerte Fahrroboter, die Lenken und Bremsen übernehmen und so hochpräzise, wiederholbare Fahrmanöver ermöglichen. Über präzise Positionsbestimmung, Funkvernetzung und spezielle Software können komplexe Prüfszenarien nach gesetzlichen Vorgaben reproduziert werden.

 

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