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Energie & Rohstoffe > Gastbeitrag

Strombeschaffung im Wandel: Strategien für den Mittelstand

| Michael Blichmann

Stromkosten senken & nachhaltig werden: Wie Mittelständler mit PPAs bis zu 28 % sparen – so gelingt der Umstieg auf echten Grünstrom.

Von der Abrechnung bis zur Stromsteuer – opti.node ist bereits erfolgreicher Begleiter zahlreicher PV- und Wind-Projekte. (Foto: shutterstock)

Steigende Strompreise und neue Nachhaltigkeitsanforderungen setzen den Mittelstand unter Druck. Mit Power Purchase Agreements (PPAs) können Unternehmen Strom direkt von Wind- und Solaranlagen kaufen. Dadurch senken sie Kosten und steigen auf echten Grünstrom um; ein Gastbeitrag von Michael Blichmann.

 

Preisvolatilität und Nachhaltigkeit: Doppelter Druck auf den Mittelstand

Die Entwicklung der Strompreise stellt den deutschen Mittelstand zunehmend vor wirtschaftliche Herausforderungen. Laut einer aktuellen Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft könnten die Stromkosten für Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von zehn Gigawattstunden im Jahr 2030 auf 132 Euro pro Megawattstunde steigen. Im internationalen Vergleich bedeutet das einen klaren Wettbewerbsnachteil: In China wird derselbe Strom voraussichtlich nur 102 Euro kosten, in den USA teils nur 61 Euro.

Gleichzeitig bleibt der Strommarkt volatil. Nach einem historischen Preisanstieg 2022 hat sich das Niveau zwar zwischenzeitlich wieder stabilisiert, doch Marktanalysten erwarten auch in Zukunft erhebliche Schwankungen. Für mittelständische Unternehmen bedeutet das: Planungssicherheit wird zur zentralen Herausforderung. Hinzu kommen wachsende Anforderungen an Nachhaltigkeit.

Doch genau hier liegt ein strukturelles Problem: Während große Konzerne spezialisierte Energieteams beschäftigen, fehlt es kleinen und mittleren Unternehmen häufig an Know-how und personellen Ressourcen, um sich mit dem Strommarkt systematisch auseinanderzusetzen. In der Folge greifen viele KMUs weiterhin auf Festpreismodelle zurück. Das ist zwar einfach in der Umsetzung, aber durchschnittlich rund 20 Prozent teurer als alternative Beschaffungsmethoden.

Direkte Stromverträge mit Erzeugern: Grünstrom günstiger beziehen

Ein möglicher Lösungsansatz sind sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs). Dabei handelt es sich um Stromlieferverträge direkt zwischen Erzeugern – beispielsweise Wind- oder Solaranlagen – und Endverbrauchern aus Industrie und Gewerbe. Solche Verträge ermöglichen es, Strom aus erneuerbaren Quellen zu beziehen – ohne Umweg über Energieversorger oder Zwischenhändler. Das senkt nicht nur die Kosten, sondern schafft auch Transparenz bei der Herkunft und Preisstruktur des Stroms.

Lange galten PPAs als zu komplex für den Mittelstand. Inzwischen hat sich das aber geändert. Digitale Plattformen wie die von node.energy machen den Zugang zum Kinderspiel. Die Plattform analysiert das Verbrauchsprofil der Unternehmen und matcht sie mit Wind- und PV-Anlagen, die ideal dazu passen. Dank eines Netzwerks von über 14.000 Erneuerbaren-Anlagen ist für jeden der passende Partner dabei. So können bereits Unternehmen mit einem Jahresverbrauch ab zwei Millionen Kilowattstunden von PPAs profitieren. Darüber hinaus übernimmt node.energy sämtliche energiewirtschaftlichen Pflichten, wodurch der Abschluss eines PPAs sowohl für Erzeuger als auch für Verbraucher genauso unkompliziert wie bei einem klassischen Festpreisvertrag ist.

PPAs lassen sich in zwei Beschaffungsmodelle unterteilen:

  • PPA-Vollversorgung: 100 Prozent des Strombedarfs wird direkt über einen oder mehrere PPAs gedeckt. Da aber nicht der gesamte Strombedarf zeitgleich direkt aus den PPA-Erzeugungsanlagen bezogen werden kann, werden Restmengen (oder auch Überschüsse) über die Strombörse, den sogenannten Spotmarkt, gehandelt. Damit bleibt auch in Zeiten geringer Einspeisung – etwa bei Dunkelflauten – die Versorgung gesichert.
  • PPA-Teilversorgung: Bis zu 50 Prozent des Stroms wird über PPAs bezogen. Die übrige Menge wird über klassische Festpreismodelle oder Spotmarktbeschaffung ergänzt.

Während Festpreismodelle zwar planbar, aber kostenintensiv sind, und die Spotmarktbeschaffung mit hohen Risiken verbunden ist, vereinen PPAs die Vorteile beider Ansätze: planbare Kosten sowie hohe Transparenz über Preis und Stromherkunft.

Der Grund für die höheren Kosten bei klassischen Festpreismodellen liegt darin, dass Energieversorger den Unternehmen langfristige Preisstabilität garantieren. Diese Planungssicherheit lassen sie sich jedoch mit einem erheblichen Risikoaufschlag bezahlen. Denn der Versorger muss bei Vertragsabschluss Unsicherheiten über künftige Marktentwicklungen einkalkulieren und sich gegen Preisschwankungen am Markt absichern – ein Aufwand, der direkt auf den Preis aufgeschlagen wird. Damit gewinnt das Unternehmen zwar an Planungssicherheit, profitiert aber beispielsweise nicht von sinkenden Strompreisen.

Im Gegensatz dazu können Unternehmen bei der PPA-Beschaffung auf diesen Risikoaufschlag verzichten. Zwar enthalten viele PPAs eine Spotmarkt-Komponente, was bedeutet, dass die Preise nicht vollständig fixiert sind. Da sie aber näher an den tatsächlichen Erzeugungskosten erneuerbarer Energien liegen und Zwischenhändler entfallen, sind sie im Endeffekt immer noch deutlich günstiger als klassische Festpreismodelle. Darüber hinaus ermöglicht die direkte Beschaffung von PV- und Windkraftanlagen eine glaubwürdige CO₂-Reduktion und damit einen aktiven Beitrag zur Energiewende.
 

PPAs: Die Zukunft der Strombeschaffung

Die Kombination aus festen PPA-Preisen und variablen Börsenkomponenten eröffnet
wirtschaftlich attraktive Optionen – gerade für den energieintensiven Mittelstand. Ein
intelligenter Mix kann Erzeugungsschwankungen ausgleichen und zur Stabilisierung der
Strombezugskosten beitragen. Im Vergleich zur konventionellen Strombeschaffung sind so
Kosteneinsparungen von bis zu 28 Prozent möglich.
Aber es geht um mehr als nur Einsparungen: PPAs machen Strompreise langfristig
kalkulierbar – ein entscheidender Vorteil in einem zunehmend unberechenbaren
Marktumfeld. Gleichzeitig stärkt der direkte Bezug von zertifiziertem Grünstrom aus
deutschen Anlagen das nachhaltige Profil eines Unternehmens – intern wie extern.
Der Mittelstand steht beim Thema Stromversorgung vor einem Paradigmenwechsel. Wer auf
langfristige Planungssicherheit, stabile Kosten und nachhaltige Beschaffung setzen will,
kommt an neuen Modellen wie PPAs nicht vorbei. Die Technologie ist vorhanden – und mit
den richtigen Partnern auch für kleinere Unternehmen umsetzbar.
 

Michael Blichmann

Nach seinem betriebswirtschaftlichen Studium war Michael Blichmann 24 Jahre beim Mannheimer Energieversorger MVV Energie AG mit verschiedenen kaufmännischen Funktionen betraut und baute das Energiedienstleistungsgeschäft mit auf. Später war er unter anderem in der Gruppe Kofler Energies als Bereichsleiter und als Geschäftsführer der Bosch Energy and Building Solutions in Stuttgart tätig. Heute ist er Geschäftsführer von node.energy, einem Unternehmen, das Produzenten und Einkäufer von Strom aus
erneuerbaren Energien auf der Plattform opti.node zusammenbringt.

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