Freitag, 12.01.2018
Kommen sogar in Beijing durch: Anders als Lkw erreichen Transporter so gut wie alle Ziele in einer Metropole.

Foto: Fiat

Kommen sogar in Beijing durch: Anders als Lkw erreichen Transporter so gut wie alle Ziele in einer Metropole.

Technologie
Fuhrparkmanagement

Wie sich Transporter wirtschaftlicher betreiben lassen

Aus Unternehmenssicht sind alle Fahrzeuge im Fuhrpark nützlich. Transporter spielen aber eine besondere Rolle – bei Logistikern wie bei Produktionsunternehmen. Mit dem richtigen Fuhrparkmanagement lassen sich Kosten sparen.

Es wird nicht weniger. Bis zum Jahr 2040 soll die Güterverkehrsleistung in Deutschland im Vergleich zu heute um ein Viertel steigen. 860 Milliarden Tonnenkilometer werden dann über die Straßen bewegt.

Neben den Profi-Logistikern werden auch produzierende Unternehmen dabei sein, deren Servicetechniker in Transportern Material zu den Kunden liefern. Ein solches Fahrzeug zu bewegen, auch wenn es der Wertschöpfung dient, ist nicht zuletzt eine Kostenfrage. „Die Motivation, Optimierungen und Kosteneffizienz zu erreichen, steht im Fokus der Fuhrparkgestaltung“, sagt Michael Velte, Vorsitzender des Verbandes der markenunabhängigen Fuhrparkmanagementgesellschaften VMF.

Die Ausgaben für den Fuhrpark zu senken gelingt etwa durch eine höhere Selbstbeteiligung bei der Versicherung, den Umstieg auf preiswertere Hersteller und Modelle oder auf kleinere, umweltfreundlichere Antriebe. Da steht vor allem der wirtschaftliche Antrieb der Fahrzeuge im Mittelpunkt.

Von der Diskussion wenig beeindruckt

In den meisten Fuhrparks ist der Dieselmotor nach wie vor das Mittel der Wahl, wie das „CVO Fuhrpark-Barometer 2017“ des Leasingdienstleisters Arval in der jährlichen Befragung der Fuhrparkmanager ermittelt hat. Mit 94 Prozent sind so gut wie alle Fuhrparkverantwortlichen davon überzeugt, dass es noch für lange Zeit bei diesem Verbrennungsmotorantrieb bleiben wird. Kein Wunder, sind doch die Gesamtkosten bislang bei keiner anderen Motortechnik ähnlich niedrig. Die öffentliche Diskussion um die tatsächliche oder vermeintliche Schädlichkeit des Dieselmotors geht an den Fuhrparkverantwortlichen mehr oder weniger spurlos vorüber. „Die Fuhrparkbranche ist von der bisweilen hitzig geführten Diskussion wenig beeindruckt und beurteilt den Einsatz von Dieselfahrzeugen weiterhin rational und pragmatisch“, heißt es in der Arval-Umfrage.

Ähnlich sieht das auch Matthias Martwich, Manager Truck bei Leaseplan Deutschland: „Natürlich fragen die Fuhrparkentscheider nach alternativen Antrieben für Nutzfahrzeuge. Bei Kleintransportern ist die zentrale Herausforderung jedoch, dass mit E-Mobilität noch keine hohe Kilometerleistung möglich ist.“ Das bedeute aber nicht, dass nicht erste, vorsichtige Gehversuche in Richtung E-Mobilität gewagt würden: „Wir wollen die Nettoemissionen für den gesamten firmeneigenen Fuhrpark bis zum Jahr 2030 auf null reduzieren“, sagt Martwich. „Zudem haben wir gerade ein Pilotprogramm für Elektrofuhrparks großer Unternehmen gestartet, das ihnen den Umstieg auf emissionsarme Fahrzeuge so einfach wie möglich machen soll.“

Wirtschaftlichkeit in der geschäftlichen Mobilität

Für mittelständische Unternehmer scheint das Jahr 2030 in ferner Zukunft zu liegen. Doch die Politik plant in diesen Dimensionen. „Schwere Nutzfahrzeuge müssen einen gewichtigen Beitrag zu den CO2-Reduktionszielen der EU im Jahr 2030 leisten“, verkündete Nikolaus Steininger, Policy-Officer bei der Generaldirektion Climate-Action in der EU-Kommission, jüngst auf dem „2. Dekra Zukunftskongress Nutzfahrzeuge“ in Berlin. Potential dazu haben neben den Elektromotoren auch erdgasbasierte Antriebe wie CNG und LNG oder synthetische Kraftstoffe, betonte Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Aber auch Verbrennungsmotoren bleiben nach seiner Auffassung noch lange im Einsatz: „Benziner und Diesel werden wir in den kommenden Jahrzehnten dringend brauchen.“

Letztlich kommt es nicht so sehr darauf an, welche Technologie wie lange zum Einsatz kommt, sondern darauf, dass sie Wirtschaftlichkeit in der geschäftlichen Mobilität ermöglicht. Daher sind die Kosten das wichtigste Thema der Fuhrparkanalyse. Diese soll einen Überblick über den Einsatz der Fahrzeuge und der Fahrer sowie über die Tourenplanung schaffen. Hinzu kommen die Sendungsverfolgung, Verbrauchsstatistiken oder Vergleiche von Kunden und Touren. Die Ergebnisse sollten eine klare Entwicklung der Ausgaben für das Unternehmen zeigen.

Voraussicht durch Überblick

Vor allem bei der Senkung von Kosten, wie denen für Wartung und Reparaturen, müssen die Verantwortlichen hart kalkulieren. Denn jeder unvorhergesehene Ausfall eines Fahrzeugs bedeutet auch den Ausfall eines Geschäfts.

Da hilft Voraussicht durch Überblick. Ein Tool zur Vorhersage von möglichen Reparatur-Zeitpunkten von Transportern bietet beispielsweise Mercedes mit dem „Truck Data Center“. In diesem Fuhrparkmanagementtool werden die Daten der Fahrzeugsysteme laufend in einer Blackbox erfasst und analysiert: Informationen über den Verschleiß aus der Fahrzeugposition, über Geschwindigkeit, Laufleistung, Lenkzeiten, Reifenluftdruck, Bremsbelag oder die Häufigkeit des Öffnens und Schließens der Fahrzeugtüren. Drohende Technikausfälle lassen sich so – im Rahmen einer Predictive Maintenance – schnell erkennen, zugleich können frühzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Die vorausschauende Wartung, die auf den im Fahrzeug sensorisch erhobenen Daten beruht, wird nach Einschätzung der Dekra-Experten in den kommenden Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen.

Neben dem verbesserten Wartungsmanagement muss im Fuhrparkmanagement auch die sogenannte letzte Meile im Liefer- und Zustellbereich mehr unter die Lupe genommen werden. Hier will der Empfänger genau wissen, wo sich die erwartete Ware oder der Servicetechniker befindet. „Bei allen telematischen Anwendungen geht es auch um die Steigerung der Effizienz, die Vermeidung von Leerfahrten und die optimale Ausnutzung von Kapazitäten“, sagt Wolfgang Linsenmaier, Mitglied der Geschäftsführung von Dekra Automobil. Solche Ziele lassen sich mit einem Managementtool des Fuhrpark-IT-Anbieters Cargonexx mit Hilfe Künstlicher Intelligenz erreichen. Ein selbstlernender Algorithmus lastet die Lkw optimal aus und vermeidet Leerfahrten. Bei der Kostenkalkulation sind moderne Vorhersagemodelle im Einsatz, die täglich dazulernen und den Preis errechnen. „Der Transport von Waren wird mit diesem System so einfach wie Taxifahren oder Onlineshopping“, gibt sich Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer von Cargonexx, selbstsicher.

Büros mit Showrooms oder Schulungsräumen

Mit den aus den bestehenden Routen und Fahrzeugen gewonnenen Daten lassen sich die nötigen Eigenschaften von Neufahrzeugen für den Fuhrpark bestimmen. Zusammen mit den Anforderungen, die das Unternehmen an die Mobilität stellt, kann der Fuhrparkmanager dann die Wunschmodelle konfigurieren. Beispielsweise zeigt sich erst durch die Analyse, dass zwar genügend Fahrzeuge für den Transport vorhanden sind, aber deren Routen und Auslastung nachjustiert werden müssen, weil sich die Nachfrage nach Material und Service verlagert hat.

Der Grund: Zahlreiche Kunden haben ihre Büros in den Innenstädten mit Showrooms oder Schulungsräumen ausgestattet, weil sie dort besser und schneller für ihre Abnehmer erreichbar sind. Das hat Folgen: Die angeforderten Ersatz- oder Bauteile müssen wegen der Innenstadtlage mit kleineren Transportern oder gar Kombi-Pkw statt mit den bisher in den Gewerbegebieten eingesetzten schweren Lkw geliefert werden. Die Aufgabe des Firmenwagenverwalters ist nun, neue Stadtlieferwagen anzuschaffen. Sie sind wegen ihrer geringeren Abmessungen und Wendigkeit besser für die Anlieferung in Metropolen geeignet. Zudem reicht eine kleinere Motorisierung aus, wenn der Wagen vorwiegend in städtischen Gebieten unterwegs ist.

Weitere Themen der Fuhrparkanalyse sind, welcher Antrieb benötigt wird und wie die Motorisierung beschaffen sein muss. Das wiederum hat Auswirkungen auf Verbrauch, Schadstoffemissionen und Kosten. Zudem ist zu klären, viele Personen mit den Wagen unterwegs sind und ob die Auslastung für den Einsatzzweck ausreicht.

Solche Berechnungen können bei der Planung des Fahrzeugeinsatzes sogar technische Details wie die Anordnung der Antriebsachsen beeinflussen. Für den städtischen Bereich ist ein Fahrzeug mit Frontantrieb ausreichend, auch wenn der Wendekreis dann etwas größer ist. Auch von Vorteil ist der Antrieb über die Vorderachse, wenn der Transporter unbeladen auf nassem oder schlüpfrigem Untergrund bewegt wird. Dann bleibt die Fahrtrichtung stabil. Bei einem unbeladenen Transporter mit Heckantrieb hingegen kann in einer solchen Situation schon mal die Hinterachse ausbrechen, weil die Gewichtsverteilung deutlich zugunsten der Vorderachse und des Frontbereichs ausgelegt ist. Ein Wagen mit Heckantrieb punktet wiederum, wenn häufig ein Zugbetrieb mit Anhänger notwendig ist.

Alternative Antriebe führen ein Exoten-Dasein

Auch alternative Antriebsarten erweisen sich als wirtschaftlich. So haben sich bei Transportern Erdgasmotoren (CNG) für Kurier- und Lieferdienste in den Städten bewährt. Etwa 100.000 Fahrzeuge (Stand 2016) mit dieser Technologie gibt es. Aber das Tankstellennetz ist mit rund 900 CNG-Zapfstellen nach Angaben des ADAC noch wenig ausgebaut. Antriebe mit Autogas (LPG) sind Auslaufmodelle. Weil 2019 die steuerliche LPG-Förderung beendet wird, liegen die Kosten pro Kilometer nach einer Untersuchung des ADAC nur noch ein oder zwei Cent unter denen von Dieselfahrzeugen.

Alternative Antriebe führen daher noch ein Exoten-Dasein. Zu diesem Ergebnis kommt auch das „CVO Fuhrpark-Barometer“ von Arval, wonach CNG-, LPG- sowie Brennstoffzellen-Antriebe „in Deutschland bislang untergeordnete Rollen“ spielen. Daher ist nach Auffassung von Experten der Favorit im Fuhrpark nach wie vor der Dieselantrieb. Katharina Schmidt, Head of Consulting & Corporate Vehicle Observatory bei Arval, ist davon überzeugt: „Vor allem auf Langstrecken ist der Diesel derzeit noch unverzichtbar – nicht nur aus Kostengründen. Elektrofahrzeuge erfüllen noch nicht alle Ansprüche der beruflichen Flexibilität.“

Info

Kurzanalyse für den Fuhrpark – eine Checkliste

  • Kauf eines Fahrzeugs: Die richtige Kombination aus Fahrzeuggröße, Antriebsart und Motorisierung sorgt für günstige Betriebskosten. Wenn sich im Alltagsbetrieb herausstellt, dass ein Fahrzeug doch unrentabel ist, sollte es ausgetauscht werden.
  • Haltedauer und Fahrleistungen: Je länger das Fahrzeug im Einsatz ist, desto höher wird der Aufwand für Wartung und Reparaturen. Die Ausgaben steigen, und auch die Ausfallzeiten des Fahrzeugs selbst kosten Geld. Das gilt ebenfalls für hohe Fahrleistungen einzelner Fahrzeuge, die bei den Gesamtkosten mit höheren Beträgen zu Buche schlagen.
  • Auslastung der Fahrzeuge: Auch wenn Transporter ungenutzt auf dem Firmenparkplatz stehen, kosten sie Geld. Das Ziel sollte daher sein, die Fahrzeuge gleichmäßig und optimiert auszulasten. Wenn das nicht gelingt, sollte die Anzahl oder die Fahrzeugkombination des Fuhrparks geändert werden. Beispiel: zwei Pkw weniger anschaffen und dafür einen Transporter mehr.
  • Fahrzeuge für Umweltzonen: Mögliche Fahrverbote in den Innenstädten können Fahrzeuge mit Dieselantrieb treffen. Auch wenn neue Fahrzeuge mit Partikelfilter ausgestattet sind, sollten sich Fuhrparkverantwortliche Gedanken machen, welche Alternativen in Frage kommen und ob solche Fahrzeuge bereits angeschafft werden sollten. Dazu geeignet sind etwa Transporter mit Erdgasantrieb oder mit reinen Elektromotoren für den Betrieb in den Innenstädten.
  • Ansteuern mehrerer Ziele: Durch eine Optimierung der Tourenplanung etwa mit Hilfe einer Planungssoftware kann nicht nur Zeit eingespart, sondern auch der Kraftstoffverbrauch gesenkt werden.

Der Text gehört zu einem Thema aus der Markt-und-Mittelstand-Ausgabe 12/2017 – 01/2018. Hier können Sie das aktuelle Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.