Donnerstag, 13.09.2012
Ein Vergleich der drei wichtigsten Energiemanagement-Systeme

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Ein Vergleich der drei wichtigsten Energiemanagement-Systeme

ISO 50001, DIN EN 16247-1 und EMAS

Drei Systeme für mehr Energieeffizienz

Mittelständische Unternehmen, die ihre Energieeffizienz steigern und Steuern senken wollen, brauchen ein Energiemanagement-System. Ein Vergleich der drei wichtigsten Energiemanagement-Systeme - ISO 50001, DIN EN 16247-1 und EMAS - zeigt, was zu Ihrem Unternehmen passt.

Energieeffizienz klingt gut, doch was steckt dahinter? Klar ist: Ohne eine Energiemanagement-System geht es künftig nicht mehr. Was für energieintensive Unternehmen mit einem Verbrauch von über 10 Gigawattstunden pro Jahr jetzt schon Voraussetzung für die Erstattung der EEG-Umlage ist, gilt in Zukunft auch für Rückzahlungen der Strom- und Energiesteuer im Rahmen des Spitzenlastausgleichs. Um Steuererleichterungen in Anspruch nehmen zu können, müssen Unternehmen ein zertifiziertes Energiemanagement-System vorweisen können. Dabei haben sie die Wahl zwischen mehreren Alternativen. Neben der internationalen Norm ISO 50001 wird auch ein nach EMAS registriertes Umweltmanagementsystem anerkannt. Für Mittelständler (bis 50 Millionen Euro Jahresumsatz bzw. bis 250 Mitarbeiter) soll zudem ein Energieaudit nach der ab Oktober gültigen DIN EN 16247-1 Norm genügen. Diese Erleichterung ist zumindest im Gesetzesentwurf zur Neufassung des Spitzenlastausgleichs vorgesehen.

Energieeffizienz: Zertifizierung zahlt sich aus

Doch welches System für mehr Energieeffizienz passt zu welchem Unternehmen? Nicht immer ist die Antwort offensichtlich: „Ist doch alles fast das Gleiche“, glaubt Martin Sembach, Geschäftsführer des gleichnamigen Herstellers technischer Keramik. Entscheidender ist für den Mittelständler das Ergebnis. „Systeme erhöhen die Transparenz und zwingen uns nachhaltig zu arbeiten. Bislang hat uns jede Zertifizierung auch Geld gebracht“, sagt Sembach. Letztendlich entschied man sich beim 240-Mann-Betrieb aus dem fränkischen Lauf für die ISO 50001 Zertifizierung. Weil im Unternehmen bereits ein Umweltmanagementsystem implementiert war und eine Vielzahl von Energieströmen seit Jahren manuell erfasst wird, war der Aufwand nicht so groß.

ISO 50001, DIN EN 16247-1 oder EMAS?

Im Gegensatz zum Energieaudit, unter dem Energieziele eher qualitativ ausgestaltet werden und lediglich das Bemühen abbilden, energieeffizient zu arbeiten, fordert die ISO 50001 Norm eine konkrete Quantifizierung der Einsparmöglichkeiten. „Anders als die ISO-Zertifizierung beinhaltet das Energieaudit keinen kontinuierlichen Prozess“, bestätigt Roman Preis, Experte für Energiemanagement-Systeme beim Beratungsunternehmen Arqum. Zwar ist auch beim Audit eine wiederkehrende Prüfung vorgesehen, doch Bestandsanalyse und Identifizierung von Einsparmöglichkeiten stehen im Vordergrund. „Die Implementierung der ISO-Norm ist die effizientere Wahl, wenn ein Unternehmen den Effizienzgedanken tatsächlich lebt“, sagt Klaus-Dieter Fürsch vom Prüfunternehmen Tüv Süd. Auch Preis sieht für ISO-zertifizierte Unternehmen viel Sparpotenzial: „Ressourceneinsparungen von 10 Prozent und mehr sind möglich. Dabei gilt: Je höher der Energieeinsatz, desto höher die Einsparungen.“

Energieeffizienz: Aufwand vs. Ertrag

Dafür ist der Aufwand bei ISO 50001 höher. „Wenn Sie von Null beginnen müssen, ist ein Jahr schnell weg. Zudem muss das ISO 50001 System zertifiziert und dafür mindestens drei Monate im Unternehmen betrieben werden“, gibt Fürsch zu bedenken. Das EMAS Umweltmanagementsystem kann weder mit dem geringsten Aufwand noch mit den höchsten Kosteneinsparungen punkten. Weil die Fokussierung auf das Energiemanagement fehlt, sind die detaillierten Methoden zur Identifizierung von Energieeinsparpotentialen nicht aufgeführt. Außerdem ist die Komplexität des Systems ist hoch, weil alle Umweltaspekte des Unternehmens bewertet werden müssen. Dafür weist EMAS die größte Rechtssicherheit auf und die erforderliche Umwelterklärung kann öffentlichkeitswirksam eingesetzt werden. „Durch die verpflichtende Einbindung der Mitarbeiter ist die Transparenz im Unternehmen hoch“, nennt Preis ein weiteres Argument für das System. Fürsch ergänzt: „Die gesamte Organisation muss mitgenommen werden. Zusammen mit einem eindeutigen Votum der Geschäftsleitung, ist das eine wichtige Erfolgsvoraussetzung.“

Energieeffizienz: Engpass Energieberater

Ebenso wie ein kompetentes Energieeffizienz-Team. „Es gibt noch längst nicht in allen Unternehmen Energieexperten“, stellt Preis fest. Auch externe Fachleute sind knapp. „Die Energieberater sind ein Engpassfaktor“, glaubt Bernhard Müller von der Beratungsgesellschaft Ecovis. Müller rät Unternehmen deshalb, sich rechtzeitig Ingenieure zu suchen, die eine Zertifizierung durchführen können. Denn immer mehr Unternehmen wollen von den Kosten der Energiewende entlastet werden. Bis Ende Juni 2012, dem Stichtag für Anträge zur Entlastung von der Ökostrom-Umlage im kommenden Jahr, stellten 2.023 Unternehmen einen entsprechenden Antrag– mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Mit dem richtigen Stempel hätten es noch mehr sein können. „Wir haben im ersten Halbjahr 2012 sehr viele, auch kurzfristige, Zertifizierungsanfragen realisiert, dennoch konnten einige Anfragen im Juni nicht mehr bis zum Stichtag bedient werden“, sagt Fürsch.