Mittwoch, 13.04.2016
Energiefresser Druckluft: Betriebe können den Energieverbrauch schon mit einfachen Mitteln um ein Drittel senken.

PeterTG/iStock/Getty Images

Energiefresser Druckluft: Betriebe können den Energieverbrauch schon mit einfachen Mitteln um ein Drittel senken.

Energiefresser in der Produktion

Druckluft: Energieverbrauch um 30 Prozent senken

Rund sieben Prozent des industriellen Stromverbrauchs in Deutschland werden für die Drucklufterzeugung benötigt. Der Energieverbrauch lässt sich häufig um ein Drittel senken – mit ganz einfachen Mitteln.

Ohne Druckluft würden beim Drähte- und Kabel-Spezialisten, der Leoni Kabel GmbH, am Standort Weißenburg viele Prozesse stillstehen. Zum Beispiel beim Drähteziehen. Hier wird der größte Anteil der komprimierten Luft als sogannnte Blasluft zur Trocknung der nassen Oberfläche von Drähten nach dem Ziehen benötigt. Zudem kommt sie für verschiedene pneumatische Antriebe und Handwerkzeuge zum Einsatz. Damit kam das Unternehmen bis vor zwei Jahren noch auf einen Gesamtverbrauch an Druckluft von elf Millionen Kubikmetern im Jahr und einem Stromverbrauch von 1,5 Gigawatt Stunden. Zu viel, entschied die Geschäftsführung und stieß ein umfangreiches Modernisierungspramm an.

Energieeinsparungen bei Druckluft kaum beachtet

Die Analyse der Ist-Situation brachte dabei zwei wichtige Erkenntnisse: "Temporär wurde eine Auslastung aller Kompressoren von 98 Prozent erreicht. Wäre der Verbrauch gestiegen oder ein Kompressor ausgefallen, hätte die Druckluftversorgung nicht mehr sichergestellt werden können", sagt Philipp Knauf, Referent für technisches Energiemanagement im Unternehmen. Noch viel alarmierender war allerdings der festgestellte Leckagen-Verbrauch. Die Messungen ergaben hier einen Verlust von von acht Kubikmetern in der Minute. "Ein solcher Leckageverlust ist schon sehr viel. Hier mussten wir dringend etwas tun."

 

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Das Thema ist für viele Betrieben eine große Herausforderung, weiß Robert Schmidt, Leiter des Geschäftsbereichs Innovation und Umwelt bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken. "Hier liegt das Geld oft direkt auf der Straße, wenn man sich nachhaltig um die Reduktion dieser Leckagen kümmert", so der Experte. Allerdings wird das gesamte Thema Druckluft von vielen unter den Teppich gekehrt. "Dadurch herrschen in Firmen heute lang gewachsene Strukturen vor, die dringend der Modernisierung bedürfen." Zu begutachten seien dabei sowohl die Drucklufterzeugung, als auch das Verteilungsnetz, die gesamte Steuerung und Regelung sowie die mit Druckluft betriebenen Endgeräte.

Druckluft: Hohe Investitionssumme für Modernisierung

Entsprechend umfassend kann die Modernisierung aussehen - so auch bei Leoni. Unter anderem tauschte man drei Kompressoren aus, installierte eine Druckluftvorrichtung, sorgte für eine Druckreduzierung auf einen Zielwert von 7,5 bar und richtete eine übergeordnete Steuerung über alle Kompressoren ein. Dadurch konnte insgesamt eine Stromeinsparungen von ca. 400.000 kWh im Jahr erreicht werden, wie Knauf berichtet. Auch ein Teil der Rohre und Leitungen wurde erneuert, um den Leckageverlust zu minimieren. "Durch konnten wir diesen um sieben m³ in der Minute senken."

Gekostet hat die Modernisierung schließlich 300.000 Euro bei einer statischen Amortisation von 1,8 Jahren.

Info

Den Energieverbrauch mit einfachen Mitteln senken:

  • Bei der Analyse der Ist-Situation müssen sowohl die Drucklufterzeugung, als auch das Verteilungsnetz, die gesamte Steuerung und Regelung sowie die mit Druckluft betriebenen Endgeräte betrachtet werden 
  • Viele Unternehmen haben hohe Leckagenverluste und/ oder arbeiten mit einem zu hohen maximalen Druckniveau. Die Druckabsenkung pro bar bringt eine Primärenergieeinsparung von rund sechs Prozent 
  • Trotz anfänglich hoher Investitionskosten ist die Armotisationszeit mit ein bis zwei Jahren in der Regel kurz 
  • IHKs bundesweit bieten den Zertifikatslehrgang „Druckluft-Spezialist (IHK)“ an, mit dem sich Mitarbeiter für das eigene Unternehmen weiterbilden lassen können