Donnerstag, 17.12.2015

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Nicht immmer rentiert sich eine Windkraftanlage im Unternehmen.

Sinn und Zweck von Windkraftanlagen

Eigenstromproduktion: Macht eine Windkraftanlage Sinn?

Die Energiewende führt vor allem zu höheren Ökostromkosten. Wieso also sollten Unternehmen auf eine nachhaltige und umweltschonende Industrieproduktion setzen? Der Gitarren- und Basshersteller Warwick aus Sachsen versuchte es mit trotzdem mit einer eigenen Windkraftanlage. Was daraus wurde.

Warwick-Firmengründer Hans-Peter Wilfer hat auf seinem Firmengelände seine eigene Energiewende durchgesetzt. Er betreibt nicht nur eine Photovoltaikanlage und ein Blockheizkraftwerk, sondern setzt auch auf eine Wärme-Rückgewinnungsanlage und geothermische Energie. Neben diesen, mittlerweile recht gängigen Möglichkeiten der Eigenstromerzeugung hat er sich dafür entschieden, eine kleine Windkraftanlage zu installieren.

Eigenstromerzeugung: Fehlentscheidung Windkraftanlage

 „Das sollte für uns ein Einstieg in diese Technologie sein. Mein Plan war es, ein etwa 80 bis 100 Meter hohes Windkraftwerk zu errichten“, erzählt Wilfer. Mit der großen Anlage sollten die restlichen Kilowattstunden an Strom produziert werden, um das Unternehmen komplett energieautark zu machen. „Mit den anderen Eigenstromanlagen decken wir rund zwei Drittel unseres Strombedarfs. Mit Windkraft wollten wir das restliche Drittel erzielen.“

Doch daraus wurde nichts. Eine Bürgerinitiative sammelte ausreichend Unterschriften gegen den Bau der Anlage, und von der Politik erhielt er auch keine Unterstützung. „Solange der Gesetzgeber keine klaren Richtlinien für den Bau von großen Windkraftanlagen vorbereitet, habe ich keine großen Hoffnungen, dass wir die große Anlage irgendwann bauen können. Die Politiker sind von Lobbyisten getrieben. Daran wird sich so schnell nichts ändern“, klagt der Geschäftsführer.

Windkraftanlage stillgelegt

Seine kleine, 63.000 Euro teure Windkraftanlage hat sich zudem nicht bewährt, sie ist faktisch stillgelegt. „Das war ein Griff ins Klo. Wir haben nichts davon gehabt. Man kann nicht immer gewinnen“, gesteht er sich pragmatisch ein. Die einzige kleine Freude, die ihm die Anlage bereitet, ist deren Optik. „Sie sieht schön aus. Sehr futuristisch“, sagt er mit ironischem Unterton. Und dennoch: Irgendwann soll es klappen mit der großen Windkraftanlage, Wilfer gibt nicht auf.

Der Fehlgriff bei Warwick ist für den Energieexperten Wolfgang Hahn keine allzu große Überraschung. „Generell wird zwischen Mikrowindanlagen und großen Windkraftanlagen unterschieden. Die großen werden auf Firmengelände nie genehmigt“, sagt Hahn, Geschäftsführer beim Energieberatungsunternehmen ECG. Mikroanlagen, wie Warwick sie hat, wären theoretisch kein Problem. Praktisch jedoch selten eine sinnvolle Lösung, wenn man als Firma eigenen Strom produzieren möchte. „Sie müssen bedenken, dass ja nur dann Strom erzeugt wird, wenn auch Wind weht. Und selbst dann werden nur geringste Mengen elektrischer Energie von diesen Anlagen produziert“, weiß der Experte.

Windkraft ohne Akzeptanz

Um ein Gefühl für die Stromproduktionsleistung von Mikrowindanlagen zu bekommen, nennt er ein Beispiel: „Eine gute Kaffeemaschine hat einen Leistungsbedarf von rund zwei Kilowatt Strom. Ein mittelgroßes Windrad hat eine Leistung von durchschnittlich ein bis  fünf Kilowatt“, stellt Hahn Nutzen und Leistung in Relation. Die Installation sollte unter diesem Aspekt also gut überlegt sein. „Diese Technologie findet im Mittelstand aus gutem Grund keine große Akzeptanz. Egal, ob großes oder kleines Windkraftwerk: der Wind weht an den Orten, wo Energie gebraucht wird, meist nicht stark genug, um auf eine befriedigende Leistung zu kommen“, schließt Hahn.

Zudem sind die meisten Windanalagen auf Firmengelände sehr teuer, da die Amortisationszeit einfach sehr lang ist. „In meinem Kundenkreis kenne ich keinen Mittelständler, der sich mit dieser Technologie aus rein energiewirtschaftlichen Gründen beschäftigt. Dafür ist das Verhältnis zwischen benötigter und tatsächlich erzeugter Energie zu ungünstig“, weiß er. „Für manche Unternehmen kann ihr Einsatz im Rahmen von umfassenden Nachhaltigkeitsstrategien aber dennoch Sinn machen. Nicht zuletzt wegen ihrer Signalwirkung. Wenn ein Kunde diese Technologie gern unterstützen will, würde ich deshalb nicht  von vorne herein nein sagen.“,  so der Energieexperte von der ECG weiter.