Dienstag, 09.04.2013
Hier hoher CO2-Ausstoß aber hohe Nachfrage, bei den Elektroautos ist es umgekehrt der fall.

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Hier hoher CO2-Ausstoß aber hohe Nachfrage, bei den Elektroautos ist es umgekehrt der fall.

Automobilbranche

Elektromobilität für den Flottenverbrauch

Die deutschen Automobilhersteller brauchen Elektroautos für ihre Umweltbilanz. Die EU-Kommission hat den Unternehmen bis 2020 einen Flottenverbrauch von 95 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer vorgeschrieben. Dabei wird getrickst.

Erst im Jahr 2009 hatte die EU erstmals CO2-Grenzwerte für Pkw erstmals festgelegt. Im Jahr 2012 lag der durchschnittliche Flottenverbrauch aller deutschen Neuwagen noch bei 141,8 Gramm CO2 pro Kilometer. Der Flottenverbrauch ist der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch der verkauften Autos eines Herstellers.  Fast alle Hersteller sind noch meilenweit von dem von der EU bis 2020 vorgegebenen Ziel von 95 Gramm CO2 pro Kilometer entfernt (siehe Grafik). Erreichen sie es nicht, drohen Strafen. Das Ziel entspricht einem Kraftstoffverbrauch von rund vier Litern pro 100 Kilometern. Bis 2025 sollen die Automobilhersteller dann sogar den Wert von 75 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen. Die Hersteller werden dadurch gezwungen umweltfreundlichere Fahrzeuge zu entwickeln.

Marketing für Elektroautos lohnt sich an anderer Stelle

Mit mehr verkauften Elektroautos können sich die Hersteller den Flottenverbrauch reduzieren – zumal Elektroautos derzeit mit dem Faktor 1,3 in die Berechnung einfließen.  Der Verband der Automobilindustrie fordert jedoch eine Erhöhung auf den Faktor 2,5. Die Hersteller können so durch Elektroautos ihre CO2-Bilanz stärker ausgleichen können. Der Verband forderte auch die Deckelung für Elektroautos aufzuheben. Hersteller sollen sich mehr als die von der EU geforderten 200.000 Elektroautos in ihrer Umweltbilanz anrechnen lassen können. Denn das Geschäft mit SUVs und Luxusklassemodellen boomt. Der CO2-Ausstoß dieser Modelle liegt aber weit höher als das EU-Ziel. Durch mehr verkaufte Elektroautos können sie die Nachfrage nach SUVs bedienen und kommen dazu zu höheren Margen.

Flottenverbrauch frisiert

Um den Wert des Flottenverbrauchs aufzuweichen, greifen Hersteller in die Trickkiste. Sie haben erreicht, dass bei der Berechnung des Grenzwerts auch das Gewicht des jeweiligen Fahrzeugs einfließt. Dadurch bringen es SUVs unter Umständen auf eine bessere Umweltbilanz als Kleinwagen. Die Zielzahlen zum Flottenverbrauch sind variabel, je nachdem wie schwer die einzelnen Autos sind. Hersteller mit mehr Luxuslimousinen und SUVs dürfen in Zukunft immer noch mehr CO2 ausstoßen als zum Beispiel der Kleinwagenhersteller Fiat. Die Grenze für Fiat liegt für das Jahr 2020 bei 84 Gramm CO2 pro Kilometer, bei Daimler liegt sie bei 98,8, bei BMW bei 100 Gramm. So soll sicher gestellt werden, dass alle Hersteller gleichermaßen an sich arbeiten müssen. Im Jahr 2012 hat sich der durchschnittliche, bundesweite Flottenverbrauch laut Kraftfahrtbundesamt lediglich um 3 Prozent verbessert. Besonders die Hersteller mit einem sehr hohem Flottenverbrauch haben das höchste Potential sich zu verbessern- Porsche lag 2012 bei 209,1 Gramm CO2 pro Kilometer und konnte sich im Vergleich zum Vorjahr um 7,8 Prozentpunkte verbessern. Mercedes lag bei 153,9 Gramm CO2 pro Kilometer und einer Verbesserung von 6,7 Prozent.

Auch beim Referenzjahr, das für das Ziel für den CO2-Ausstoß zugrunde gelegt wurde, konnten die Hersteller eingreifen. Zuerst war das Jahr 2009 im Gespräch. In diesem Jahr wurden aber aufgrund der Abwrackprämie viele Kleinwagen verkauft. Die Hersteller schafften es das Jahr 2006  zugrunde zu legen. Als Basis für die Berechnung des Grenzwerts gelten die Normverbrauchswerte der Modelle. Mit extrem hohem Reifendruck, Leichtlaufölen und -reifen lassen sich diese Werte auf dem Prüfstand drücken. Zudem herrschen auf dem Rollenprüfstand nach ECE Idealbedingungen mit Außentemperaturen von 20 bis 30 Grad Celsius und einer Maximalgeschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde.

Kurz nachgerechnet beim Flottenverbrauch

Von den Herstellern wird jedoch herausgehoben, dass das Thema Elektromobilität nicht nur wegen des Flottenverbrauchs verfolgt wird. „Es wäre falsch zu behaupten, dass Elektrofahrzeuge ausschließlich aufgrund der notwendigen weiteren Reduzierung angeboten werden, denn das Fahrzeug wird sich ohnehin in Zukunft stärker elektrifizieren“, sagt Uwe Deller, der Leiter Technik-Kommunikation bei Opel. Doch der Flottenverbrauch ist ein wichtiges Marketinginstrument der Hersteller. So schreibt BMW in seinem Jahresbericht 2011: „In Deutschland nehmen wir mit einem CO2-Ausstoß von 151 Gramm pro Kilometer eine Spitzenposition ein und bestätigten diese auch im Premiumsegment. (…) Weltweit bleibt unser Ziel, von 2008 bis 2020 die CO2-Emissionen unserer Fahrzeugflotte um mindestens weitere 25 Prozent zu reduzieren.“ Die konkreten Werte hat BMW unternehmensintern berechnet und klingen gut. Kurz nachgerechnet: Demnach  läge der Flottenverbrauch auf Basis der Zahlen von 2011 bei rund 108 Gramm CO2 pro Kilometer im Jahr 2020. Das EU-Ziel, das schon das Fahrzeuggewicht mit einbezieht, liegt für BMW bei 100 Gramm CO2 pro Kilometer.