Donnerstag, 07.01.2016

Immer mehr Unternehmen setzen auf Ernergiegewinnung aus Erdwärme.

Bildquelle: Dieter Meyrl/Thinkstock/Getty Images

Technologie für den Mittelstand

Erdwärme durch Wärmepumpen: Einsatz im Mittelstand

Der Hemdenhersteller Olymp aus Bietigheim-Bissingen ist dafür bekannt, vielfältige Möglichkeiten der Eigenstromproduktion zu nutzen. Neben Photovoltaik setzt Olymp auch auf die Nutzung von Erdwärme.

Beim Neubau des Logistikzentrums hat sich das Unternehmen beispielsweise für die Nutzung von Erdwärme entschieden. „Wir haben ganz bewusst auf neue Verfahren in Kombination mit etablierter Technik gesetzt, um insgesamt eine möglichst hohe Energieeffizienz bei gleichzeitiger Kostensenkung zu erreichen. Die Nutzung von Erdwärme lag unter diesen Gesichtspunkten nahe“, erklärt Mark Bezner, Geschäftsführender Gesellschafter bei Olymp. Um die gespeicherte Erdenergie für den Betrieb der Gewerbeimmobilie nutzen zu können, wurden 202 aktivierte Gründungspfähle mit großem Aufwand in den Erdboden gestoßen. „Die daraus gewonnene Kühlleistung liegt bei 70 Kilowatt, die Wärmeleistung in Verbindung mit einer Wärmepumpe bei 100 Kilowatt“, sagt Bezner.

Erdwärme: Sinnvolle Wärmepumpen

Die ökologische Baukörperstruktur des Logistikzentrums von Olymp verfügt auf 6.436 Quadratmetern Grundfläche über ein Wärmedämmsystem, ein Energiekonzept mit Abwärmenutzung beziehungsweise Wärmerückgewinnung sowie Wärmepumpen, ein innovatives Kühlkonzept – und eben die Nutzung von Geothermie. Energieexperte Hahn sieht die Nutzung von Erdwärme im Zusammenspiel mit Wärmepumpen kritisch. „Als alleinige Energiequelle ist diese Technologie für die Industrie nicht sonderlich  interessant, weil damit im Grunde nur warmes Wasser von rund 60 Grad erzeugt werden kann“, weiß er.  Für begrenzte Einsatzzwecke könne die Technologie aber dennoch Sinn machen. „Wärmepumpen sind vor allem bei Neubauten sehr beliebt. Der Mittelstand kann so beispielsweise Bürogebäude heizen oder auch Brauchwasser erwärmen“, erklärt Hahn. Die Beheizung mit solch einer Pumpe sei jedoch teurer, als wenn Erdgas genutzt wird.

Gutes Image durch Erdwärme

Eine Gasheizung ist also signifikant günstiger. Unternehmer, die solche Entscheidungen auf reiner Kostenebene treffen, würden sich also vermutlich gegen eine Wärmepumpe entscheiden. Hinzukommen erhebliche Kosten bei der Installation dieser Technologie. „Der pekuniäre sowie zeitliche Aufwand in der Installation sowie die geowissenschaftliche Untersuchung der thermischen Situation im Vorfeld waren durchaus enorm“, erinnert sich Olymp-Chef Bezner. „Eine umweltfreundliche Alternative ist die Technologie aber in jedem Fall“, so Energieexperte Hahn von der ECG.

Insgesamt seien auch die Mehrkosten für eine Wärmepumpe noch im Rahmen des Vertretbaren und die Anwendung dieser Technologie könne durchaus auch in ein cleveres Firmenmarketing eingebunden werden. Zudem ist Wärme generell teuer, und mit einer Wärmepumpe sind Firmen wenigstens unabhängig von sämtlichen Preisschwankungen fossiler Brennstoffe. Auch bei Olymp überwiegen die positiven Eindrücke der Geothermie beziehungsweise Wärmepumpe. „Aufgrund der bisherigen Erfahrungen würden wir unsere Wahl trotz der großen Investition immer wieder in dieser Form treffen“, ist sich Bezner sicher. Manchmal wird die Entscheidung sogar von nicht zu beeinflussenden Umständen abgenommen. „In infrastrukturschwachen Regionen gibt es manchmal gar kein Erdgas. Dann hat man nur noch die Wahl zwischen Öl und einer Wärmepumpe“, sagt Hahn. Da ist eine Wärmepumpe natürlich die umweltfreundlichere Wahl.