Donnerstag, 12.11.2015

Bildquelle: Imantsu/Thinkstock/Getty Images

Beim Thema Eigenstromerzeugung im Mittelstand spielen Blockheizkraftwerke eine immer wichtigere Rolle.

Blockheizkraftwerke immer populärer

Immer mehr Mittelständler werden zu Energieproduzenten

Immer mehr Mittelständler produzieren die Energie, die ihre Fertigung verbraucht, selbst. Vor allem Blockheizkraftwerke liegen im Trend – zu Recht.

Seit die Energiewende Fahrt aufgenommen hat, werden immer mehr Unternehmer zu Energieproduzenten. Besonders gefragt sind Blockheizkraftwerke, die inzwischen hunderte  Unternehmen – meist auf ihrem Betriebsgelände – selbst betreiben. Der Charme dieser Anlagen: Sie generieren durch eine Kraft-Wärme-Kopplung sowohl Strom als auch Wärme. Unternehmen, die ihre selbst produzierte Energie nicht selbst verbrauchen,  können den Überschuss in das öffentliche Netz einspeisen. Trotz der gesunkenen Strompreise haben es viele Unternehmen  geschafft, auf diesem Weg ihre Produktionskosten zu senken. Manche erwirtschaften mit dem Verkauf der überschüssigen Energie sogar Zusatzumsätze in nennenswerter Höhe.

Osram: Ein Blockheizkraftwerk ist nicht genung

Osram betreibt auf seinem Firmengelände eine eigenes Blockheizkraftwerk.

Quelle: Osram

Manche Unternehmen gehen sogar noch weiter, als nur ein Blockheizkraftwerk zu errichten. Beispiel Osram. Der Leuchtenhersteller hat in seinem Werk in Eichstätt neben einem Blockheizkraftwerk auch noch eine Absorptionskältemaschine errichtet. „Den Anstoß für die Installation eines neuen Energiesystems hat eine Projektentwicklungsstudie ergeben“, erläutert Andreas Böhm, Leiter bei Osram in  Eichstätt die Werktechnik leitet. Zusammen mit dem Ingenieurbüro Gammel hat Osram den  Energiebedarf des Standorts detailliert untersucht und dabei erhebliches, wirtschaftliches Potential aufgedeckt.

Bei der anschließenden Planung einer passenden Anlage kristallisierten sich  zwei Varianten heraus: Die Energieexperten zogen zum einen die Möglichkeit in Betracht, zwei wärmegeführte Blockheizkraftwerke mit jeweils 400 Kilowatt elektrischer und 425 Kilowatt thermischer Leistung zu installieren – die kleine Lösung. Bei der  zweiten Variante dachten sie deutlich größer und kombinierten ein Blockheizkraftwerk von 1.900 Kilowatt elektrischer Leistung mit einer Absorptionskältemaschine, die 730 Kilowatt Kälteleistung erzeugt. Die kombinierte Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungsanlage erhielt schließlich den Zuschlag.

Blockheizkraftwerke sind nicht teuer

Am Ende entstand ein Blockheizkraftwerk  mit 2.000 Kilowatt elektrischer und 2.000 Kilowatt thermischer Leistung, eine Absorptionskältemaschine mit 730 Kilowatt Kälteleistung und die Einbindung in die bestehende Infrastruktur der Fabrik. Die Investitionskosten für das gesamte Projekt beliefen sich auf 3,5 Millionen Euro. Und der Output, den Osram dafür bekommt, ist enorm: Die neue Anlage deckt 50 Prozent des Strombedarfs, 77 Prozent des Heizwärmebedarfs und 73 Prozent des Kältebedarfs der Produktionsanlagen in Eichstätt.

Osram hat sich auch aus Kostengründen für eine große Anlage entschieden. Grundsätzlich ist die erstmalige Installation eines Blockheizkraftwerks nicht billig. Es gilt aber auch die Faustregel: Je höher die elektrische Leistung, desto niedriger sind die Anschaffungskosten pro Kilowatt.

Ein Blockheizkraftwerk amortisiert sich nach zehn Jahren

Besonders die großen, aber auch viele kleinere und mittelgroße Blockheizkraftwerke können nach einer gewissen Zeit wirtschaftlich betrieben werden. In der Regel amortisiert sich ein Blockheizkraftwerk spätestens nach zehn Jahren.

 

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Ihr wirtschaftliches Profil ist aber nicht nur für die Investitionsrechnung, sondern auch für die Liquiditätsplanung von Bedeutung, denn ein Blockheizkraftwerk produziert laufende Kosten. Anders als bei einer Photovoltaikanlage, wo die Sonne quasi als kostenloser Brennstoff fungiert, muss bei einem Blockheizkraft der Brennstoff extern zugeführt werden. Aber in aller Regel sind die Material- und Betriebskosten eines Blockheizkraftwerks immer noch signifikant niedriger als die Bezugskosten von Strom bei einem Versorger.

Das Blockheizkraftwerk kürzt die Stromrechnung von Osram

So auch bei Osram in Eichstätt: Weil nicht nur der Strom genutzt wird, sondern auch die erzeugte Wärme und die erzeugte Kälte,  sind bei Osram sowohl der Erdgasverbrauch für die Heizung als auch der Stromverbrauch zur Kälteerzeugung gesunken. Die Folge: „Dank der Eigenerzeugung und der Eigennutzung sind unsere Energiekosten niedriger als zuvor“, bilanziert Osram-Techniker Böhm.

Noch interessanter wird die Kosten-Nutzen-Rechnung  durch den sogenannten Kraft-Wärme-Kopplungszuschlag. „Wir müssen für den selbstgenutzten Strom eine im Vergleich zum Fremdbezug reduzierte EEG-Umlage entrichten“, berichtet Böhm. Damit spricht er aber auch eine latente Schwäche von Projekten zur hauseigenen Energieerzeugung an. „Ohne diese  Vergünstigungen wäre das Projekt nicht möglich gewesen.“

Unternehmer, die zum Stromerzeuger werden, holen sich damit nicht nur die Vor-, sondern auch die potentiellen Nachteile von regulierten Märken ins Haus: Die Wirtschaftlichkeit der Investitionen hängt auch vom Willen der Politik ab. Aber solange die Fördersätze so attraktiv sind wie aktuell, dürfte der Boom bei unternehmenseigenen Blockheizkraftwerken weitergehen.