Donnerstag, 10.12.2015
Große Klimaziele aus Paris bescheren dem deutschen Mittelstand nur dann neue Aufträge, wenn gleichzeitig nationale Regierungen ihre legislativen Hürden für die Projektvergabe abbauen.

Bildquelle: Ingram Publishing/Thinkstock/Getty Images

Große Klimaziele aus Paris bescheren dem deutschen Mittelstand nur dann neue Aufträge, wenn gleichzeitig nationale Regierungen ihre legislativen Hürden für die Projektvergabe abbauen.

Klimagipfel in Paris

Klimaziele: Mittelstand kritisiert legislative Hürden

Am morgigen Freitag geht der Klimagipfel in Paris zu Ende. Der Mittelstand kann mit neuen Aufträgen rechnen, allerdings sind hierfür konkrete Ziele notwendig. Auch legislative Hürden müssen abgeschafft werden.

Die Hoffnungen des deutschen Mittelstands waren groß. Auf dem Klimagipfel in Paris sollten Politiker endlich verbindliche Umweltschutzziele vereinbaren, fordern sie. Nur so können deutsche Firmen, die sich auf Umwelttechnologien und Beratung spezialisieren, mit zusätzlichen Aufträge rechnen. Doch sind es nicht nur wenig optimistische Ausstoßgrenzwerte, die potentielle Geschäftschancen derzeit behindern. Vielmehr agiert die nationale Politik oft entgegen ihrer Ziele.

„Beim Thema CO2 und Klimaschutz hat Deutschland eigentlich schon viel erreicht. Leider wurden viele Maßnahmen inzwischen wieder komplett abgewürgt“, findet Hans Urban, Leiter der Solarsparte der Umwelttechnikfirma Schletter. „Aus politischen Gründen forcieren wir derzeit wieder sehr stark Kohle. Bei den erneuerbaren Energien sind wir ins Stocken gekommen. Das ist sehr enttäuschend.“

Ausschreibungspraxis behindert Klimaziele

Auch weltweit stößt der Mittelstand im Bereich der Erneuerbaren Energien auf Probleme. Nicht weil kein Bedarf existiert, sondern weil in einigen Ländern die legislativen Hürden zu hoch sind. „So müssen Firmen in Brasilien zunächst über Ausschreibungen Rechte auf sogenannte PPA (Power Purchase Agreements) erwerben, um als Energieerzeuger zu agieren“, berichtet Kai Imolauer, Energieexperte bei Rödl & Partner. Auch in Südafrika sind solche Zertifikate verpflichtend.

 

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„Von der Projektentwicklung bis zur Ausschreibungsreife muss man dafür viel Wagniskapital investieren, und das schaffen fast nur die Großen der Branche“, erklärt Imolauer. Da solche Ausschreibungsmodelle immer häufiger zum Einsatz kommen und Erneuerbare immer seltener über Einspeisetarife gefördert werden, sprechen einige Experten schon von einer Entdemokratisierung der Energiewende, beschreibt Imolauer weiter. Denn Energiegenossenschaften kommen nicht mehr zum Zuge.

Protektionismus und fehlende Harmonisierung

Für das Unternehmen Schletter entstehen Probleme auch vor der eigenen Haustür. „In Frankreich gibt es zum Beispiel gesetzliche Regelungen, die in Richtung Protektionismus gehen und uns das Geschäft erschweren“, sagt Geschäftsführer Urban. Diese Regelungen seien technisch meist nicht sinnvoll. „Eine Normenharmonisierung gibt es also noch nicht einmal in Europa“, erklärt er weiter.

Auch die Firma Sonnenbatterie musste das spüren, als das Unternehmen in Italien einsteigen wollte. „Damals gab es dort noch eine Regelung, die den Einsatz von Energiespeichern praktisch unmöglich machte“, sagt Firmensprecher Mathias Bloch. „Diese Vorschrift ist nun aber Geschichte und Italien ein großer Markt für uns“, erzählt er.

Auch der Geschäftsführer des Windkraftanlagenherstellers Reuther STC, Finn Melgaard, kritisiert, dass die Politik teils am Bedarf vorbei plant. „Die Nachfrage nach Windtechnologie ist beispielsweise in Polen sehr niedrig, obwohl der Bedarf eigentlich hoch wäre. Die Möglichkeiten sind da, nur die Politik in Polen setzt diese nicht um“, erklärt er.

Klimaziele eigeninitiativ angehen

Um doch Aufträge zu generieren, sollten sich deutsche Firmen an der Eigeninitiative ihrer internationalen Wettbewerber orientieren. „Deutsche Energiefirmen investieren im Ausland eher risikoavers“, meint Kai Imolauer. „Amerikanische oder chinesische Konkurrenten gehen direkt auf Ministerien zu und sagen, sie wollen im Land etwas bauen oder verkaufen. So sichern sie sich auf unkonventionelle Art Marktanteile und realisieren Projekte, die die Regierungen politisch gut verkaufen können.“

Die Beschlüsse vom Klimagipfel in Paris könnten deutsche Mittelständler also als Anlass nehmen, selbstständig auf nationale Regierungen zuzugehen und ihre Projektarbeit anzubieten. Denn gebraucht werden ihre Technologien für den weltweiten Klimaschutz in jedem Fall.