Donnerstag, 03.12.2015
Die beim Klimagipfel in Paris erzielten Beschlüsse könnten neue Geschäftschancen im Ausbau Erneuerbarer Energien schaffen für deutsche Mittelständler.

Bildquelle: moodboard/Thinkstock/Getty Images

Die beim Klimagipfel in Paris erzielten Beschlüsse könnten neue Geschäftschancen im Ausbau Erneuerbarer Energien schaffen für deutsche Mittelständler.

Neue Aufträge für Umweltfirmen in Sicht

Mittelstand fordert verbindliche Klimaziele

Seit Montag verhandeln die Regierungen der Welt in Paris über künftige Klimaschutzziele. Dem deutschen Mittelstand könnten harte Beschlüsse neue Aufträge sichern. Nicht nur deshalb fordern dessen Vertreter verbindliche Zusagen der Politik.

Zwei Wochen haben die Regierungschefs in Paris Zeit, dann müssen sie neue Klimaziele vorweisen. Nicht nur Umweltschützer mahnen sie zu konkreten Zusagen. Auch der deutsche Mittelstand drängt auf verbindliche Pläne.

„Aus Lippenbekenntnissen sollen endlich Maßnahmen werden“, findet Hans Urban, Leiter der Solarsparte von Schletter. „Beim Thema CO2 und Klimaschutz hat Deutschland eigentlich schon viel erreicht. Leider wurden viele Maßnahmen inzwischen wieder komplett abgewürgt und wir forcieren wieder sehr stark Kohle“, bedauert er.

Finn Melgaard, Geschäftsführer beim Windkraftanlagenhersteller Reuther STC, wünscht sich ebenfalls mehr Tatendrang der Politik. „Die Ziele müssen ambitionierter werden. Das würde natürlich einerseits die Zukunft meines Unternehmens sichern, andererseits sollte aber nicht der Profit, sondern die globale Dringlichkeit der Erderwärmung im Mittelpunkt stehen“, sagt er.

Konkrete Klimaziele aus Paris bescheren Aufträge

Bei aller Liebe zum Klima sind es tatsächlich auch wirtschaftliche Erwägungen, wegen derer sich der deutsche Mittelstand auch konkrete Klimaziele hofft. Schon jetzt sind deutsche Firmen führend bei Umwelttechnologien und der Bereitstellung Erneuerbarer Energien. Harte Klimaschutzauflagen aus Paris könnten ihnen weitere Aufträge bescheren.

„In dem Moment, in dem Klimaschutz verschärft wird, bedeutet das immer, dass mehr Geld für  Umwelttechnik oder Erneuerbare Energien ausgegeben wird. Somit werden auch mehr Aufträge  vergeben“, ist sich Kai Imolauer sicher, Energieexperte bei Rödl & Partner. „Mittelständler, die wettbewerbsfähig sind, profitieren natürlich davon.“

Die Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigen bereits jetzt die Bedeutung erneuerbarer Energien weltweit: 60 Cent eines jeden US-Dollar, der bis 2040 für den Ausbau der Energieversorgung ausgegeben werden wird, fließen rechnerisch in erneuerbare Technologien. Mit diesen Investitionen haben die Erneuerbaren fossile Quellen schon überholt.

Entwicklungsländer brauchen Umwelttechnik

Viel Bedarf für erneuerbare Energien entsteht vor allem in den Entwicklungsländern. Immer wieder kommt es dort zu Stromausfällen oder geplanten Abschaltungen, weil die verfügbare Kapazität nicht ausreicht. Die Industrien der Länder leiden enorm darunter.

„Da es in diesen Ländern keine flächendeckende Elektrifizierung gibt, benötigt man andere Anlagen als in Deutschland. Das ist künftig eine große Chance, für diesen Markt spezielle Produkte zu entwickeln“, ist Urban sich sicher.

 

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Sein Unternehmen ist bereits in Südafrika tätig, wo auch schon viele Anlagen im größeren Maßstab gebaut wurden. „Zusammen mit  Kunden sind wir in etlichen Projekten zur netzfernen Versorgung von Dörfern tätig. Wir haben aber noch keine speziellen Produkte für diese Märkte entwickelt“, erzählt er.

Verschärfte Klimaziele würden mehr Geld freimachen

Mit einer Verschärfung der Klimaziele ergäben sich für deutsche Firmen in diesen Ländern weitere lukrative Geschäfte. Denn Entwicklungsbanken und lokale Regierungen müssten dann mehr Gelder für den Ausbau einer nachhaltigen Versorgung freimachen.

„Die besondere Herausforderung in Entwicklungsländern ist, dass diese Länder die fossile Phase der Energiegewinnung überspringen müssen“, meint auch Energieexperte Imolauer. Statt zunächst Kohle- oder Gaskraftwerke aufzubauen, müsse man beim Einsatz der Erneuerbaren von null auf hundert springen. Das Know-how deutscher Mittelständler ist bei dieser Mammutaufgabe Gold wert.