Montag, 26.11.2012
Netzentwicklungsplan

Netzausbau: Deutschland unter Druck

Der deutsche Netzausbau stockt, und jetzt ist auch der Umweg über den Osten in Gefahr. Viel hängt vom neuen Netzentwicklungsplan ab, der heute vorgestellt wird.

Erst vergangene Woche warnte der Netzbetreiber Tennet vor einem flächendeckenden Blackout in Deutschland. Bei einer längeren Kälteperiode und Windstille im Norden könne es eng werden. Teil des Problems ist auch der zögerliche Netzausbau: Deutschland fehlen Stromleitungen, die die Energie aus den Windanlagen im Norden in die Verbraucherzentren im Süden transportieren. 

Osten will Stromgrenzen schließen

Diese Problematik könnte sich bald sogar noch verstärken. Wird der Windstrom mangels deutscher Netze bislang in großen Mengen über Tschechien und Polen in den Süden Deutschlands geleitet, könnte sich dieses Tor bald schließen. Beide Länder klagen, dass die Durchleitung von deutschem Windstrom die eigene Netzstabilität gefährde und tragen sich mit Überlegungen, die freien Stromgrenzen zu Deutschland per Phasenschieber zu schließen. „Die deutschen Windstromerzeuger interessieren sich kein bißchen  dafür, ob bei uns in Tschechien die Lichter ausgehen“, schimpft Zbynek Boldis, Vorstandsmitglied beim Netzbetreiber CEPS gegenüber dem Handelsblatt.

Plan für Netzausbau steht

Umso wichtiger ist es, dass der Netzausbau in Deutschland endlich voranschreitet. Dafür will die Bundesregierung mit der endgültigen Fassung des Netzentwicklungsplans, die heute vorgestellt werden soll, den Weg ebnen. Der Plan listet alle erforderlichen Maßnahmen zum Ausbau des Übertragungsnetzes für die nächsten zehn Jahre auf. Von 75 Vorhaben aus dem ersten Entwurf haben nach Angaben des Handelsblatts 51 Projekte überlebt und einen Bestätigungsvermerk erhalten. An erster Stelle stehen dabei die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen, die große Strommengen nahezu verlustfrei über große Distanzen transportieren können.

Kürzere Verfahrensdauer für Netzausbau

Um die oft langwierigen Genehmigungsverfahren abzukürzen, gilt für die im Bundesbedarfsplan enthaltenen Vorhaben ein gestrafftes Verfahren, unter anderem soll der Rechtsweg auf eine Instanz verkürzt werden. Die Bundesregierung erhofft sich davon eine Halbierung der Verfahrensdauer auf fünf bis sechs Jahre. Der Gesetzesentwurf soll noch dieses Jahr beschlossen werden.