Donnerstag, 05.11.2015

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Unternehmen können viel Geld sparen, indem sie in Energieeffizienz investieren.

Nachhaltigkeit

So können Mittelständler 50 Prozent Stromkosten sparen

Unternehmen können viel Geld sparen, indem sie in Energieeffizienz investieren. Das sagt Robert Hienz, der bei Deutschlands größtem Stromkonzern Eon den Vertrieb leitet. Im Interview verrät Hienz die schlimmsten Stromfresser.

Markt und Mittelstand: Wir befinden uns im vierten Jahr des Atomausstiegs. Gerade mittelständische Unternehmen treibt seit damals die Sorge von steigenden Energiepreisen und einem Blackout um. War und ist diese Furcht berechtigt?

Robert Hienz: Für Unternehmer war und ist ein verlässlicher Energiepartner immer wichtig. Vielleicht hat die Sensibilität etwas zugenommen. Der Preis spielt sicher bei dem einen oder anderen nach wie vor eine Rolle. Doch den Kunden geht es heute nicht nur um Stabilität und Verlässlichkeit auf der Kostenseite, sondern auch um Energieeffizienz: Wo kann im Unternehmen, von der Produktion bis zur Verwaltung, langfristig Energie eingespart werden?

MuM: Energiesicherheit und Verlässlichkeit bei den Preisen sind, wie Sie schon sagen, Themen, die den Mittelstand schon immer umgetrieben haben. Hat seit Fukushima kein Umdenken stattgefunden?

Hienz: Unternehmer suchen vermehrt nach einem verlässlichen Partner, der dauerhaft an ihrer Seite steht und mit ihnen gemeinsam das beste Energiekonzept designt. Zudem gewinnt das Thema Nachhaltigkeit insgesamt immer mehr an Bedeutung. Unternehmer achten immer deutlicher darauf, den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß zu reduzieren, und investieren zunehmend in neue Anlagen, etwa Kraft-Wärme-Kopplung. Grund dafür ist die zunehmende Bedeutung von nachhaltigen Produkten und nachhaltiger Produktion, die die Kunden von den Unternehmen einfordern.

Energieeffizienz: Umstellung auf ganzheitliche Energiekonzepte

Robert Hienz, Vorsitzender der Geschäftsführung bei eon.

Bildquelle: eon

 

MuM: Energie und Energieverbrauch rücken damit auf der Agenda eines mittelständischen Geschäftsführers immer weiter nach oben. Dennoch: Solange die Systeme funktionieren, hat das nicht die oberste Priorität.

Hienz: Sicher, der Bedarf entsteht eher, wenn eine neue Produktionshalle gebaut wird, das alte System nicht mehr funktioniert oder die Wartungskosten immer höher werden. Grundsätzlich kann eine Umstellung auf ganzheitlich nachhaltige Energiekonzepte, die von der Beleuchtung über die Belüftung bis hin zur energiesparenden Werkshalle alles einbeziehen, Ersparnisse zwischen 40 und 50 Prozent erzielen.

MuM: Das klingt nach viel Aufwand und hohen Investitionskosten.

Hienz: Das ist zum einen von der technologischen Lösung und zum anderen von der Größe des Unternehmens abhängig. Grundsätzlich muss man offen und transparent über das Ziel der Investition und den Bedarf sprechen. Der Kunde muss für sich definieren, wie weit er gehen will.  So umfasst die Realisierung eines umfassenden Energiekonzepts in der Regel ein bis zwei Standortbegehungen, eine Analyse und dann den Einbau, die Umsetzung und schließlich auch die Instandhaltung. Selbst größere Lösungen sind dabei innerhalb von sechs bis neun Monaten realisierbar. Die Kosten hierfür muss der Unternehmer nicht alleine tragen. So bieten wir unseren Kunden Finanzierungsmodelle und Lösungen, bei denen wir die Kosten übernehmen und dann an den Einsparungen partizipieren.

Erzeugungsanlagen verschwenden die meiste Energie

MuM: Muss in jedem Fall das Energiekonzept allumfassend von der Lüftung bis zur Hallenheizung in einem umgesetzt werden?

Hienz: Kunden kommen oft mit einer spezifischen Anfrage. Im Gespräch mit ihnen stellen wir dann doch fest, dass ein gesamtheitliches Lösungskonzept sinnvoller ist. Dieses kann dann auch schrittweise realisiert werden. Beispielsweise wird zuerst der Heizkessel erneuert, dann die Beleuchtung und in einem weiteren Schritt dann die Belüftung. Aber natürlich bieten wir Kunden auch, wenn sie es wollen, nur ein singuläres Gewerk an, beispielsweise eine Photovoltaikanlage.

 

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MuM: Bei der Entwicklung eines Energiekonzepts setzen Mittelständler zunehmend auf erneuerbare Energien, wie Sonnenenergie und Wind- und Wasserkraft. Welcher Energietyp eignet sich für wen?

Hienz: Bei der Überlegung spielen mehrere Aspekte eine Rolle, etwa in welcher Branche der Mittelständler tätig ist. Zudem wissen viele gar nicht genau, wie viel Energie sie am Tag verbrauchen. Gefragt ist ein nachhaltiges Energiekonzept, dass auf ein Optimum des Eigenverbrauchs und eine intelligente Steuerung ausgelegt ist. Ebenfalls hängt es stark von den Prozessen beim Kunden ab, etwa seinem Lastverhalten, in wie vielen Schichten gearbeitet wird und vieles mehr. Dann kommen die Aspekte Kosten und Nachhaltigkeit hinzu.

MuM: An welchen Stellen geht in Unternehmen die meiste Energie verloren?

Hienz: Zum einen bei veralteten und ineffizienten Erzeugungsanlagen mit schlechten Wirkungsgraden. Zum anderen sind Beleuchtungen, Heizung, Belüftungen und Klimasysteme starke Energieverbraucher. Manche Kunden sind aber nur bereit, diese zu erneuern, wenn sich die neuen Systeme durch Energieersparnisse innerhalb von zwei oder drei Jahren amortisieren. 10 Prozent Ersparnis müssen das dann mindestens sein.