Donnerstag, 10.09.2015

Bildquelle: Gianluca D'Auri Muscelli/ Thinkstock/Getty Images

Von oben sieht alles immer so einfach aus. Doch die Vorgaben der Strom- und Energiesteuer sind mitunter recht verwirrend.

Entlastungsmöglichkeiten für Mittelständler

So können Unternehmen sich Strom- und Energiesteuer zurückholen

Durch Steuerbefreiungen und Entlastungsmöglichkeiten können Unternehmen bis zu 100 Prozent der gezahlten Steuern zurückholen. Doch Fehler verhindern dies oftmals.

Energieprodukte wie Strom, Gas, Kohle und Mineralöl unterliegen in Deutschland der Verbrauchssteuer. Ihre gesetzliche Grundlage finden diese im Stromsteuergesetz und dem Energiesteuergesetz. Die Unter-scheidung in eine Energie- und eine Stromsteuer ist historisch gewachsen. „Bei der Stromsteuer geht es wirklich nur um Strom. Die Energiesteuer umfasst Mineralöl, Brennstoffe, Heizstoffe aller Art und auch Abfallprodukte“, sagt Lukas Bien, Steuerberater bei PKF Fasselt Schlage. Beide Steuern sind Verbrauchs-steuern und haben zahlreiche Möglichkeiten der Entlastung. „Bei diesen beiden Steuern können Unter-nehmen in der Regel Entlastungen von 70 bis 80 Prozent – in besonderen Fällen auch bis zu 100 Prozent – der gezahlten Verbrauchssteuer erzielen“, erklärt Bien. Auf jeder Megawattstunde Strom lastet bei-spielsweise eine Steuerlast von 20,50 Euro. „Nach Paragraph 9a des Stromsteuergesetzes gibt es hier eine Entlastung von 5,13 Euro, also ungefähr ein Viertel“, skizziert Bien die Möglichkeiten für das pro-duzierende Gewerbe.

Stromsteuer: Managementsysteme wichtig

Die gesetzlichen Voraussetzungen für diese Entlastungen haben sich in den vergangenen Jahren mehr-fach verändert, wobei Energiemanagementsysteme eine immer wichtigere Rolle spielen. „Wir sparen im Jahr mit der Steuerreduzierung für das produzierende Gewerbe und mit dem Spitzenausgleich zirka 105.000 Euro“, sagt der Geschäftsführer des Unternehmens Worlée-Chemie, Reinhold von Eben-Worlée. Dennoch zahle sein Unternehmen nach Abzug der Erstattung und des Spitzenausgleichs, weil es mit dem Energiemanagementsystem ISO 50001 zertifiziert ist, Stromsteuer in Höhe von rund 80.000 Euro.

Viele Unternehmen nutzen die bestehenden Entlastungsmöglichkeiten trotz der potentiellen Ersparnisse nicht vollständig aus und verschenken somit viel Geld, weil sie entweder bei der Antragsstellung formale Fehler begehen oder gar nicht von den Entlastungen wissen. Angesichts des intensiven Wettbewerbs und den stets steigenden Energiekosten kann dies zu einem nicht unerheblichen wirtschaftlichen Wett-bewerbsnachteil für die entsprechenden Unternehmen führen. „Ein häufiger Stolperstein für Firmen ist, dass alle Entlastungen vom energiebeziehenden Unternehmen unter Nutzung der vorgesehenen Formu-lare nebst zu erbringenden Nachweisen fristgerecht beantragt werden müssen, da es sich um eine gesetzliche Ausschlussfrist handelt“, sagt Bien.

Richtige Angaben machen

Beim Stromsteuerentlastungsverfahren, besser bekannt als Spitzenausgleich für produzierende Unter-nehmen, bewegen sich manche Firmen sogar auf risikoreichem Gebiet, da Besonderheiten und Restrik-tionen nicht bekannt sind. „Es kommt immer häufiger vor, dass Unternehmen eine fehlerhafte Angabe zur zu begünstigenden Strommenge machen“, sagt der Steuerberater. Beim Spitzenausgleich darf nämlich nur der selbstverbrauchte Strom im Erstattungsantrag angegeben werden. „Nur dieser Strom wird entlastet“, erklärt Bien.

Ein Problem, mit dem auch Unternehmer Reinhold von Eben-Worlée zu kämpfen hat. „Stromlieferungen an Fremdfirmen auf dem Betriebsgelände, die nicht zum produzierenden Gewerbe zählen, wie zum Bei-spiel der Kantinenbetreiber, sind nicht erstattungsfähig und somit zu messen und von der Strommenge abzuziehen“, erklärt der Geschäftsführer. Steuerberater Bien hat eine Hilfestellung für Firmen, damit sie den tatsächlich zu erstattenden Stromverbrauchs korrekt erfassen können. „Über das ganze Jahr sollte eine saubere Statistik hinsichtlich der Entnahmestellen und deren Nutzer geführt werden. Außerdem sollte man sich frühzeitig mit dem Antrag beschäftigen und nicht bis zum Jahresende gewarten.“

So macht es beispielsweise die Victor Group, ein Verpackungshersteller aus Frechen. „Wir sammeln die entsprechenden Daten, damit wir zum Ende einer Periode die relevanten Erstattungen beantragen können“, berichtet Geschäftsführerin Ursula Weck.

Fehler mit Folgen

Geben Unternehmen dennoch eine falsche Strommenge zur Erstattung an, machen sie sich gegebenen-falls sogar strafbar. „Gibt man beispielsweise auch den Strom im Antrag an, der an Subunternehmer weitergegeben wurde, so holt man zu Unrecht höhere Entlastungen ein“, warnt Bien. Das Hauptzollamt überprüft die Angaben der Unternehmen inzwischen immer häufiger, weil die Verjährungsfrist bei der Stromsteuer recht kurz ist. „Wer sich damit nicht hinreichend auseinandersetzt, läuft also Gefahr, nicht wissentlich falsche Angaben zu machen und somit eine Steuerwidrigkeit zu begehen“, sagt der Steuer-berater. Werden zu hohe Entlastungsbeantragungen vom Hauptzollamt aufgedeckt, fordert selbiges nicht nur die zu viel gezahlte Erstattung zurück. Ein solches Vergehen ist mitunter mit der Belangung der Verantwortlichkeiten im Rahmen einer Ordnungswidrigkeit oder gar eines Strafverfahrens verbunden. Unwissenheit schützt auch in diesem Fall nicht vor einer Strafe.
„Das Problem liegt häufig darin, dass das Risikobewusstsein bei den Verantwortlichen im Unternehmen dafür nicht so ausgeprägt ist, wie das im Bereich der Ertragssteuer der Fall ist“, bemängelt Bien. Zudem machen die Firmen diesen Teil der Steuer häufig selbst, ohne die Hilfe eines ausgewiesen Experten auf diesem Gebiet. Das ist in den wenigstens Fällen übrigens der Steuerberater. „Einige Steuerberater haben die Stromsteuer nicht so auf der Agenda und entscheidende Themen werden von ihm oft nicht richtig behandelt“, erklärt der  und rät zu einem Energieexperten.