Montag, 12.08.2013
Energie-Management

So sparen Unternehmen beim Energie-Verbrauch

Wie Energie-intensive Betriebe in Eigenregie ein Energie-Management-System einführen und dadurch Stromverbrauch sparen.

Viele Unternehmen machen einen Bogen um das Thema Energie-Management-System, weil sie hohe Investitionen für Installation und Betreuung befürchten. „Unternehmen könnten ihre Verbrauchskosten optimieren, wenn Sie wüssten, wo ihre Potentiale liegen“, sagt Yusuf Kör, Regionalleiter beim Spezialisten für elektronische MSR- und Automatisierungssysteme Saia Burgess Controls Deutschland (SBC). Es gehe nicht darum, eine Stromsteuererstattung geltend zu machen, sondern den eigenen Energieverbrauch unter die Lupe zu nehmen. Dafür sorgt ein Energie-Monitoring-System wie S-Energy von SBC.
Es ist mit kompakten Energiezählern in verschiedenen Bauformen ausgestattet. Damit können Verbrauchsdaten von Energieträger wie Strom, Gas oder Wasser erfasst werden. Die Messwerte werden über ein Bussystem von einem Touch Panel erfasst und ausgewertet. Es stellt die Verbrauchsdaten in grafischer Form dar. Zudem können die Inhalte des Panels auch mit jedem Web Browser angezeigt werden.

Energie sparen durch Messen

Mit diesem Energiespar-System hat sich das Unternehmen Helmut Kreutz im hessischen Haiger-Langenaubach beschäftigt. Das Unternehmen ist in den Bereichen Rohstoffaufbereitung und Herstellung von Oxidkeramik tätig. Für die Fertigung der Produkte werden elektrisch betriebene Mahlanlagen unterschiedlicher Größen eingesetzt. Sie verursachen hohe Energiekosten. Kreutz führte ein Energiemanagementsystem (EnMS) ein und wurde 2012 nach EN ISO 50001 zertifiziert. Betriebsleiter Winfried Stettner leitete das Projekt der Zertifizierung und ist für das EnMS Unternehmen zuständig.
„Wir standen vor der Herausforderung, ein System zu schaffen, das Verbrauchsdaten transparent visualisiert, von den eigenen Mitarbeitern installiert werden kann und jederzeit flexibel erweiterbar ist“, sagt Stettner. Zur Erfassung elektrischer Verbrauchsdaten wurden 40 Energiezähler an ausgewählten Verbrauchern installiert. Im Fadenkreuz der unternehmensinternen „Energie-Fahndung“ standen Kompressoren, Brennöfen, Antriebe und Beleuchtung. Die Zähler kommunizieren über den Bus. Die Wärmemengen der Wärmerückgewinnung werden von Impulszählern erfasst, die über ein Koppler-Modul ebenfalls an den Bus angeschlossen sind. Die Datenauswertung und Visualisierung zeigt sich auf dem Energy Manager Panel und wird an die PCs der Mitarbeiter weitergeleitet. „Erst durch die installierten Zähler wurde uns der Energiebedarf einzelner Verbraucher bewusst“, sagt Stettner. Vorher gab es keinen echten Nachweis. Erste Einsparerfolge und das Ziel, noch mehr zu erreichen, bewogen Kreutz schon bald zu Erweiterungen und Umstellungen der Messtechnik, die sich durch eine Baukastenstruktur erweitern ließ.

Unternehmen: Gefährliche Leistungsspitzen

Auch bei GKN Sinter Metals wurde ein EnMS  am deutschen Standort in Bonn eingeführt. Das Unternehmen produziert und verkauft weltweit Präzisionsbauteile auf der Basis von Sintermetall. Hans-Jürgen Jung, Manager Manufacturing Engineering, sagt: "Der Herstellungsprozess erfordert einen hohen Energieeinsatz, unsere Ofenanlagen verbrauchen einen großen Anteil der gesamten Energie. Ein Ziel war das Kappen von Leistungsspitzen, dazu mussten wir die Hauptverbraucher identifizieren." Es war die Aufgabe des Energie-Teams, das die Vorgehensweise festlegte und die 530 Mitarbeiter informierte.
Zunächst wurden 40 elektrische Energie-Zähler installiert: "Damit kommt nach 10 Minuten jeder Elektriker klar und wir benötigten nur ein Kabel durch den Betrieb," freut sich Jung. Schon nach kurzer Zeit ließen sich die größten Verbraucher identifizieren, es gab keine Ablesefehler mehr und alle Zahlen waren im hauseigenen Intranet verfügbar. Nachdem die wichtigsten Verbraucher identifiziert waren, wurden die Verbräuche pro Tag und pro Anlage aufgezeichnet und Kennzahlen in einer Excel-Tabelle gebildet.
Sogar einzelne Maschinen ließen sich analysieren und daraufhin die Ziele der eigenen Energiepolitik festlegen. Jung: „Für den Einstieg ist keine teure Technik notwendig. Lieber sofort mit kleinen Verbesserungen anfangen als auf den großen Wurf warten. Und mit den eigenen Mitarbeitern lassen sich die nachhaltigsten Erfolge erzielen.“

Info

Stromsteuer: Geld zurück vom Fiskus

 

Kosten sparen: Möglich wird die Zertifizierung über ein Energie-Management-System (EnMS), das ab 2013 für Unternehmen des produzierenden Gewerbes zur Pflicht wird. Erst dann profitieren sie weiterhin vom Spitzensteuerausgleich. Wenn ein Unternehmen innerhalb eines Geschäftsjahres einen Stromverbrauch von mehr als 1 GWh aufweist, und die Stromkosten mehr als 14 Prozent, bezogen auf die Bruttowertschöpfung des Unternehmens, ausmachen, kann es Rückzahlungen der Stromsteuer nach § 9a StromStG beantragen. Überschreitet der Energieverbrauch die Marke von 10 Gigawattstunden im Jahr, verlangt der Gesetzgeber zur Anerkennung der Rückzahlungsansprüche die Zertifizierung nach EN ISO 50001.

Eigene Sparaktionen: Die gemeldeten Verbrauchsdaten müssen durch Messungen nachgewiesen werden. In allen Unternehmen, die ein EnMS einführen, soll damit begonnen werden, Energie und Kosten einzusparen. Die Stromrechnung gibt den Unternehmen keine Auskunft darüber, wie die Energieströme verlaufen und wie sie sich nach den Nutzern aufteilen. Oft fehlt es an Vergleichswerten, um quantifizierbare Aussagen ableiten zu können und um Entscheidungen zu treffen. Gefragt ist daher eine Technik, die den Energie-Verbrauch, von jeder Energiequelle, zu Abteilungen und bis hin zu einzelnen Maschinen erfasst und sichtbar macht. Erst dann kann das hauseigene Energie-Management zusammen mit den Mitarbeitern geeignete Sparaktionen selbstständig einleiten.