Mittwoch, 25.01.2017
Grünes Gewissen: In 2017 schon könnten Unternehmen gesetzlich zum Klimareporting verpflichtet sein.

Bildquelle: elxeneize/iStock/Getty Images

Grünes Gewissen: In 2017 schon könnten Unternehmen gesetzlich zum Klimareporting verpflichtet sein.

Klimastrategie für Mittelständler

Wird Klimareporting verpflichtend für Mittelständler?

Noch in diesem Jahr könnten Unternehmen gesetzlich zum Klimareporting verpflichtet werden. Expertin Susan Dreyer erklärt im Gespräch, warum Mittelständler zeitnah eine Klimastrategie einführen sollten – und wie die Unternehmen davon profitieren.

Markt und Mittelstand: Frau Dreyer, inwiefern verändert der Klimawandel das Geschäftsumfeld von Unternehmen?
Susan Dreyer: Der Klimawandel verändert das Geschäftsumfeld von Unternehmen in drei Bereichen.

  1. Es ergeben sich konkrete physische Risiken. So kann beispielsweise die Veränderung der Niederschlagsmengen einen großen Einfluss auf die Wertschöpfungskette von Unternehmen haben. Die Auswirkungen der physischen Risiken sind in Europa zwar noch nicht so stark, doch in den Zulieferketten sind sie bereits deutlich spürbar. 
  2. Durch den Klimawandel ergeben sich außerdem regulatorische Risiken seitens der Gesetzgebung. Hierzu zählen beispielsweise die Auswirkungen der Klimaziele der Bundesregierung auf die Unternehmen. Von dieser regulatorischen Seite wird ein starker Druck auf Investoren ausgeübt, der wiederum an die Unternehmen weitergegeben wird. 
  3. Unter dem dritten Bereich möchte ich Themen wie höhere Marktrisiken,volatile Energiepreise und verändertes Konsumentenverhalten zusammenfassen.

Klimareporting bald verpflichtend für Mittelstand?

MuM: Sie haben in Kooperation mit dem WWF einen Praxis-Leitfaden für Unternehmen ausgegeben, die eine Klimastrategie und eine entsprechende Berichterstattung entwickeln möchten. Warum sollten Mittelständler das tun?
Dreyer: Generell gilt: Jedes Unternehmen sollte eine Klimastrategie einführen. Der Mittelstand steht außerdem unter Zugzwang. Die großen Konzerne sind im Bereich des Klimaschutzes bereits sehr aktiv und erwarten von ihren Zulieferern ebenfalls gewisse Standards in diesem Bereich.

MuM:
Dennoch sind Klimastrategie und -reporting nicht gesetzlich verpflichtend für Unternehmen.
Dreyer: Noch nicht. Deutschland arbeitet noch an einem entsprechenden Gesetzesentwurf, der als Reaktion auf eine EU Direktive für Unternehmen eine Reportingpflicht vorsieht. Es könnte noch dieses Jahr kommen. Dann müssten die Unternehmen nicht nur über finanzielle Bilanzen, sondern auch über andere Faktoren, wie den Klimaschutzplan, öffentlich berichten.

 

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MuM:
Für welche Unternehmen würde eine solche Reporting-Pflicht gelten?
Dreyer: Aktuell sieht der Entwurf dies tatsächlich nur für kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern vor. Das macht aus unserer Sicht wenig Sinn, wenn wir die vereinbarten Klimaziele bis 2050 tatsächlich einhalten wollen. Gerade in Deutschland gibt es einen überdurchschnittlich hohen Anteil an nicht börsennotierten Unternehmen. Deswegen machen wir uns dafür stark, dass die Reportingpflicht für alle Unternehmen ab einer vernünftigen Größe gilt.

Leitfaden für Klimastrategie im Mittelstand

MuM: Was sind die ersten Schritte auf dem Weg zu einer unternehmenseigenen Klimastrategie?
Dreyer: Unternehmen, die eine Klimastrategie und ein entsprechendes Reporting einführen möchten, sollten zunächst entlang ihrer Wertschöpfungskette analysieren, welche Maßnahmen bereits getroffen wurden. Anhand dessen müssen anschließend Ziele formuliert werden. Firmen können sich hierzu am Leitfaden der „Science-Based-Targets“-Inititiative orientieren. Diese Initiative setzt sich für eine wissenschaftliche Bestimmung von Emissions-Reduktions-Zielen ein. Hintergrund ist das sogenannte „2-Grad-Ziel“, also die Begrenzung der Erderwärmung auf 2°C bis 2050.

MuM: Welche Kosten kommen bei Einführung entsprechender Maßnahmen auf die Unternehmen zu?
Dreyer: Die Kosten für das Reporting liegen zwischen 15.000 und 95.000 Euro pro Jahr. Doch der Nutzen, der aus einem entsprechenden Reporting resultiert, ist sehr viel höher. Mittelständische Unternehmen mit Klimastrategie haben im Durchschnitt eine 70 Prozent höhere Eigenkapitalrendite als Unternehmen ohne Strategie aus der gleichen Branche. 

Info

Die wichtigsten Fakten zum Klimareporting

Warum? Große Konzerne setzen Zulieferer durch Anforderungen zum Klimaschutz unter Druck; neues EU-Gesetz könnte auch Mittelstand zum Klimareporting ab 2017 verpflichten.
Wie? Emissionsquellen entlang der Wertschöpfungskette identifizieren; Daten sammeln und aufbereiten; Daten berichten und Klimastrategie entwickeln.
Kosten? 15.000 bis 95.000 Euro pro Jahr für das Reporting.
Nutzen? Verschafft Wettbewerbsvorteil und sorgt für höhere Eigenkapitalrendite.

Autor

Susan Dreyer ist Direktorin der CDP Mittelstand Initiative. Das Carbon Disclosure Project (CDP) ist eine Non-Profit-Organisation, die sich dafür einsetzt, dass Unternehmen und auch Kommunen ihre Umweltdaten veröffentlichen.

Dieser Artikel vom 26. April 2016 wurde am 25. Januar 2017 überarbeitet.