Donnerstag, 20.10.2016

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Dem Fachkräftemangel entgegenwirken: Junge Nachwuchskräfte sind häufig am besten mobil und über soziale Netzwerke zu erreichen.

Social Media Recruiting auch für Mittelstand geeignet

Gegen Fachkräftemangel: Facebook & Co. richtig einsetzen

Wenn es um das Recruiting von jungen Fachkräften geht, sollte der Mittelstand verstärkt auf Social Media setzen. Doch Vorsicht: Mittelständler sollten nicht einfach auf den Online-Marketing-Zug aufsteigen, nicht jeder Auftritt in den sozialen Medien ist auch ratsam.

Online-Marketing gewinnt zunehmend an Bedeutung: Der Anteil des Budgets für Online-Marketing wächst jährlich durchschnittlich um 20 Prozent, das sind die Ergebnisse der 2016 erhobenen "Marketing-Studie im technischen Mittelstand", herausgegeben von der Onlinedruckerei Saxoprint. Als wichtigste Online-Maßnahme wird die Unternehmenswebseite genannt, darauf folgt die Suchmaschinenoptimierung zur Unterstützung der Webseitenauffindbarkeit. Platz 3 belegt das E-Mail-Marketing, gefolgt von Google-Anzeigen. Platz 5 im Ranking der Online-Maßnahmen belegen folgende Social-Media-Kanäle.
(Hier finden Sie die gesamten Ergebnisse)

Die im Auftrag von Saxoprint erstellte "Marketingstudie im deutschen Mittelstand" zeigt, welchen Stellenwert Social Media für den Bereich Online-Marketing in technisch orientierten Betrieben hat. Fotoquelle: Saxoprint
Die im Auftrag von Saxoprint erstellte "Marketingstudie im deutschen Mittelstand" zeigt, welchen Stellenwert Social Media für den Bereich Online-Marketing in technisch orientierten Betrieben hat. Fotoquelle: Saxoprint

„Fast alle mittelständischen Unternehmen wissen, dass sie etwas tun müssen, aber nicht, wie sie ihr Vorhaben umsetzen können“, schildert Frank Bärmann, Inhaber der Content- und PR-Agentur Conpublica und Autor des Buches „Social Media im Personalmanagement“, seinen Eindruck.

Tatsächlich: Es ist nicht damit getan, als Unternehmen auf einem oder mehreren der einschlägigen Portale vertreten zu sein. „Wer den Auftritt schlecht pflegt, schadet dem eigenen Unternehmen mehr, als dass er ihm nutzt“, sagt Bärmann. Unternehmen, die sich dazu entscheiden, Social Media zu Werbe- oder Recruitingzwecken einzusetzen, benötigen eine gute Strategie.

Für Social Media Recruiting ist Strategie gefragt

Für eine gute Social-Media-Strategie sollte das Unternehmen zunächst die Zielgruppe festlegen und sich konkrete Ziele setzen. Sollen beispielsweise Produkte beworben, die Arbeitgebermarke gestärkt oder Personal geworben werden? Je nach Zielsetzung sollten auch die Social-Media-Kanäle, die bespielt werden sollen, ausgewählt werden. Denn nicht alle Kanäle sind auch für jedes Anliegen zu empfehlen. Bei der Nutzung von Social-Media-Plattformen muss unterschieden werden, welche davon für Employer Branding und welche zum Recruiting geeignet sind.

Xing ist mit knapp 10 Millionen Mitgliedern das größte berufliche Netzwerk Deutschlands. Die Funktionsweisen von Xing und Linkedin sind ähnlich. Die Nutzer legen sich online ein Karriereprofil mit wichtigen Eckdaten ihres Lebenslaufs an und können sich untereinander vernetzen. Unternehmen können Stellenanzeigen schalten und ebenfalls ein eigenes Profil anlegen. Mit Hilfe spezieller Tools können Recruiter die Netzwerke nach geeigneten Bewerbern durchforsten und diese direkt anschreiben. Das Ganze hat seinen Preis: Das Xing-Standard-Paket zum Schalten von Stellenanzeigen kostet bei einer Laufzeit von 30 Tagen 395 Euro, ein sogenanntes Employer-Branding-Profil gibt es ebenfalls ab 395 Euro pro Monat. Bei Linkedin erhalten Recruiter je nach Bedarf ein individuelles Angebot. 

Entscheidende Frage: Employer Branding oder Recruiting?

Ein Unternehmen, das bei der Zielgruppe präsent sein möchte, sollte zuvor eine starke Arbeitgebermarke aufbauen.  Das ist auch das Ziel des Gütersloher Unternehmens Westaflex. Der Haustechnikhersteller ist in insgesamt sechs sozialen Netzwerken, u.a. auch bei Facebook, vertreten. „Soziale Medien machen unser Unternehmen transparenter für potentielle Kandidaten, und das Storytelling trägt zur Markenbildung bei“, sagt Geschäftsführer Westerbarkey. Dafür ist es wichtig, die Inhalte zu klären, die über die sozialen Netzwerke verbreitet werden sollen. Ein Themenplan, der Inhalte und Zeitpunkte festlegt, kann hilfreich sein.

Facebook gegen Fachkräftemangel

Auch bei Facebook können sich Unternehmen ein eigenes Profil anlegen und dort Beiträge einstellen, auf Stellengesuche verweisen oder die firmeneigene Website verlinken. Wie regelmäßig der Blick hinter die Kulissen erfolgt, hängt auch davon ab, wie groß die Kapazitäten für die Betreuung sind.

Neben Facebook ist auch der Kurznachrichtendienst Twitter für die Stärkung des Firmenprofils und zur Verbreitung von Stellenanzeigen geeignet. In diesem sozialen Netzwerk können die Nutzer Bilder und kurze Textnachrichten mit den Followern, also den vernetzten Nutzern, teilen und so weiterverbreiten. Die Tweets können mit sogenannten Hashtags, also Schlagworten versehen werden. Suchen Nutzer nach einem bestimmten Hashtag bei Twitter, beispielsweise nach dem Hashtag Jobs (#jobs), werden in einer Liste alle Tweets angezeigt, die mit diesem Schlagwort versehen wurden. „Hashtags helfen dabei, die eigenen Nachrichten zu verbreiten, und erhöhen ihre Auffindbarkeit“, erklärt Bärmann.  

Egal für welche Plattform sich ein Unternehmen entscheidet, Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & The Netherlands bei Robert Half rät: „Die Online-Aktivitäten müssen zu den Offline-Aktivitäten des Unternehmens passen.“