Montag, 23.10.2017
Gemeinsam sind sie stark: die Co-Chefs Yvonne Bläsing und Oliver Herrmann.

Foto: Blaesing

Gemeinsam sind sie stark: die Co-Chefs Yvonne Bläsing und Oliver Herrmann.

Chefin des Dreh-und Frässpezialisten Blaesing

Wie sich Yvonne Bläsing in einer Männerdomäne durchsetzt

In ihrer Firma kann Yvonne Bläsing Beruf und Neigung verbinden. Sie hat Tag für Tag mit Themen aus der Fertigung zu tun und engagiert sich überdies in der Personalentwicklung. Seit 2008 ist sie Geschäftsführerin des Familienunternehmens Blaesing.

Alle Zeichen stehen auf Expansion. Obwohl das Gewerbegebiet bei Altenstadt an die A45 angrenzt, werden für die ansässigen Unternehmen reichlich Flächen für eine Erweiterung geboten. Diesen Standortvorteil hatte das Dreh- und Fräsunternehmen Blaesing schon bei seiner Ansiedlung in Limeshain in den neunziger Jahren im Blick. Im August dieses Jahres war es dann so weit: Das vor 41 Jahren gegründete Unternehmen bezog neue, zusätzliche Flächen für Montage und Verwaltung. Die räumliche Lösung hat Firmenchefin Yvonne Bläsing geschickt gewählt, denn die Erweiterung schließt direkt an das bestehende Betriebsgebäude an. Dazu musste kein komplett neues Gebäude errichtet, sondern nur die erste Etage einer bestehenden Halle ausgebaut werden. Im Erdgeschoss befindet sich die Fertigung in hellen, großzügig geschnittenen Räumen.

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Zusammen mit den neuen 200 Quadratmetern Produktionsfläche steht dem Unternehmen nun insgesamt ein Arbeitsbereich von 1.250 Quadratmetern zur Verfügung. Die Flächen sind zudem so gewählt, dass „wir noch 150 Quadratmeter Montagefläche als Puffer haben“, sagt Bläsing. Sie spricht in ruhigem Tonfall – dezent, aber selbstbewusst und durchaus bestimmend.

Expansion steht auch beim Personal auf dem Plan. 33 Mitarbeiter sind derzeit bei dem Fertigungsunternehmen beschäftigt. Ginge es nach dem Wunsch der 37 Jahre alten Chefin, die den kaufmännischen Bereich des Unternehmens leitet, und des Geschäftsführers Produktion, Oliver Herrmann, wäre die Zahl der Beschäftigten weit höher – „aber wir finden keine qualifizierten Fachkräfte“, sagt der Maschinenbau-Ingenieur. Er selbst hatte bereits als Student bei Blaesing gearbeitet. Seit einem Jahr sitzt der erst 27-Jährige mit in der Geschäftsführung des Unternehmens.

Zwei neue Bearbeitungszentren

Expansion zeigt sich auch in der Ausstattung des Maschinenparks bei dem Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 4 Millionen Euro: Zu den bestehenden sechs automatisierten CNC-Dreh-Fräszentren und den zwölf automatisier­ten und manuellen CNC-Drehmaschinen kamen in diesem Jahr zwei neue Bearbeitungszentren im Dreh- und Fräsbereich für rund 700.000 Euro hinzu.

Die Investition zeigt: Blaesing setzt nicht nur auf Wachstum, sondern auch auf Innovation. Nur so ist es dem mittelständischen Unternehmen möglich, sich in einem Umfeld mit starker Konkurrenz zu behaupten. „Ohne neueste Technik wären wir in Deutschland nicht wettbewerbsfähig“, sagt die Inha­berin. Genau für diese Aufgaben werden auch die fünf Auszubildenden als Zerspanungsmechaniker für die Fertigung im Dreh- und Fräsbereich vorbereitet.

Umfassender Entwicklungspartner

Die Strategie von Blaesing setzt auf das indus­trielle Engineering, die Gestaltung, Planung und Verbesserung von Prozessen. So sollen nicht nur die nach den Vorgaben des Auftraggebers gefertig­ten Präzisionsprodukte geliefert werden. Stattdes­sen verstehen sich die Limeshainer als umfassende Entwicklungspartner für ihre Abnehmer: Sie bieten ihren Kunden an, die technische Konzeption und die komplette, fertigungsnahe Entwicklung für die Bauteile zu übernehmen.

 

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Gegründet hatte das Unternehmen im Oktober 1976 der Mechanikermeis­ter Hans Bläsing. Zunächst produzierte er, zusammen mit zwei Mitarbeitern, Präzisionsteile aus Metall für Kunden unterschiedlicher Branchen. Später wurde das Sortiment um den Prototypenbau von Kom­ponenten für die Automobilindustrie, die Medizin­technik und für Abgasmessanlagen erweitert. Hinzu kamen die Produktion von Kleinserien und die Spezi­albearbeitung von angelieferten Teilen. Auch Kunst­stoffteile für Kläranlangen wurden gefertigt.

Investitionen: Blick auf den Maschinenpark bei Blaesing

Foto: Blaesing

Investitionen: Blick auf den Maschinenpark bei Blaesing

Die Geschäfte liefen gut: Schon vier Jahre nach der Gründung musste das Unternehmen in größere Betriebsräume umziehen. Die Geschäftsführung übernahm Ehefrau Erika, und Hans Bläsing verant­wortete die Betriebsleitung. Obwohl Yvonne Bläsing als Kind großes Interesse an der Fertigung in dem expandierenden elterlichen Unternehmen hatte, sah es ihr Vater nicht gern, wenn sie sich in der Produk­tionshalle aufhielt.

Vor rund 20 Jahren zog das Unternehmen an sei­nen jetzigen Standort. Einen technischen Beruf zu erlernen blieb Yvonne Bläsing aufgrund der väter­lichen Weisung versagt. „Das war eben noch eine andere Generation“, sagt sie heute. Für Frauen in der Fertigung war da kein Platz. Daher absolvierte sie zunächst eine Lehre zur Bankkauffrau. Statt bei einem Kreditinstitut in der Personalabteilung anzu­fangen, entschied sich Yvonne Bläsing 2008 doch für den Einstieg in das Unternehmen. In ihrer Firma kann Bläsing Beruf und Neigung verbinden: Sie hat Tag für Tag mit Themen aus der Fertigung zu tun und engagiert sich überdies in der Personalent­wicklung. Als der Vater im Jahr 2016 nach langer Krankheit verstarb, kam auf die dreifache Mutter mehr Verantwortung zu. Die Förderung der Mit­arbeiter und Auszubildenden sieht sie nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt der Zukunftssicherung des Unternehmens.

Lernen im Betrieb

Für die Nachwuchskräfte wird eigens ein innerbetrieblicher Unterricht gebo­ten. Dazu kommt einmal pro Woche ein Lehrer ins Unternehmen, um die Ausbildung der Berufs­schule mit praktischen Übungen zu verstärken. Da zeigt sich auch der Anspruch der Unternehmerin: „Unsere Azubis gehören regelmäßig zu den Bes­ten ihres Jahrgangs. Das hat schon seinen Grund“, berichtet Bläsing stolz. Doch das Lernen endet nicht mit dem Abschluss der Ausbildung. Auch die erfah­renen Fachkräfte haben Gelegenheit, ihr Wissen aufzufrischen. Besonders wichtig sind dabei die pro­duktionsbezogenen Schulungen für die Bedienung von neuen Maschinen. Das gilt ebenso für die Pro­duktionsprozesse, „um Mitarbeiter für die Prozess­sicherheit zu sensibilisieren“, sagt Bläsing.

Zudem erhalten Studenten die Chance, als Prak­tikanten in dem Unternehmen Erfahrungen zu sammeln. Was im besten Fall dabei herauskom­men kann, zeigt sich bei Oliver Hermann, der vom Praktikum bis zur Geschäftsführung durchstartete. Yvonne Bläsing arbeitet hart daran, dass eine sol­che Karriere in dem Unternehmen kein einmaliger Glücksfall bleibt.


Der Text gehört zu einem Thema aus der Markt-und-Mittelstand-Ausgabe 10/2017. Hier können Sie das Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.