Mittwoch, 09.07.2014
Ingenieurmangel: Vor allem auf erfahrene Ingenieure warten in vielen Unternehmen Arbeitsplätze.

Bildquelle: 1907/iStock / Thinkstock / Getty Images

Ingenieurmangel: Vor allem auf erfahrene Ingenieure warten in vielen Unternehmen Arbeitsplätze.

Zwei Stellen für jeden arbeitslosen Ingenieur

Ingenieurmangel vor allem in Süddeutschland

Gute Aussichten für Ingenieure – vorausgesetzt sie sind gut ausgebildet und mobil. In einigen Regionen herrscht Ingenieurmangel. Für Unternehmen ist das eine Herausforderung.

Die Nachfrage nach Ingenieuren übersteigt das Angebot: Viele Unternehmen sehen sich mit einem Ingenieurmangel konfrontiert. Dies ergab der aktuelle Ingenieur-Monitor. Die Untersuchung, die der VDI Verein Deutscher Ingenieure und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln herausgeben, zählt im Monatsdurchschnitt für das erste Quartal knapp 60.000 offene Stellen in Ingenieurberufen. Das sind etwa 7 Prozent der insgesamt rund 800.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Ingenieurberufen. Arbeitslos gemeldet sind im ersten Quartal 2014 nur 30.000 Ingenieure.

Ingenieurmangel: Vor allem erfahrene Ingenieure gesucht

Die meisten offenen Stellen gibt es mit knapp 17.000 im Bereich Bau / Vermessung / Gebäudetechnik/ Architekten, dicht gefolgt von der Maschinen- und Fahrzeugtechnik mit rund 16.000. Auch die Energie- und Elektrotechnik (12.200 offene Stellen) und der Bereich technische Forschung und Produktionssteuerung (10.030) bieten Bewerbern gute Chancen. Ingenieurberufe der Metallverarbeitung und sonstige Ingenieurberufe hingegen rangieren am unteren Ende. Insgesamt ist die Zahl der offenen Stellen im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent gesunken. Mit 10.610 offenen Stellen bietet Baden-Württemberg Bewerbern die größte Auswahl, gefolgt von Bayern und Nordrhein-Westfalen mit jeweils knapp 10.000 Stellen.

Doch nicht nur regional, auch in den einzelnen Unternehmen ist das Bild sehr differenziert. Beim Medizin- und Sicherheitstechnikunternehmen Drägerwerk  stellt HR-Managerin Sonja Ahrens fest: „Durch Hochschulkooperationen, Praktika und das Duale Studium sind Berufseinsteiger relativ leicht zu finden.“ Anders bei berufserfahrenen Mitarbeitern: „Vor allem berufserfahrene Fachkräfte in den Bereichen Mechanik und Elektronik, die neben ihrem Fachwissen auch die passenden Soft Skills mitbringen, sind schwieriger zu finden. Einen regelrechten Mangel stellen wir bei Senior Software Ingenieuren fest“, beschreibt sie die Situation.

Gute Chancen für spezialisierte Ingenieure

Den 60.000 offenen Stellen stehen 30.000 arbeitslos gemeldete Ingenieure gegenüber – 11,6 Prozent mehr als im Vorjahr. 8.600 kommen aus dem Bereich Bau, Vermessung, Gebäudetechnik und Architekten, 8.400 aus der technischen Forschung und Produktionssteuerung.

Betroffen von einem Einstellungsstopp sind vor allem Unternehmen, die mit einer schwierigen Marktentwicklung konfrontiert wird. Die Auftragslage der SMS Group etwa, Anlagenbauer für die Stahlindustrie, ist nicht erst seit der Krise in Russland und der Ukraine rückläufig. „Akademiker werden seit etwa anderthalb Jahren bei uns nicht mehr eingestellt“, berichtet Thomas Isajiw, Leiter der Unternehmenskommunikation des Düsseldorfer Unternehmens. Ausnahme sind einige wenige hochspezialisierte Experten etwa aus dem Bereich Metallurgie.

Ingenieurmangel in Bayern und NRW am stärksten

Stellt man offene Stellen und Arbeitslose in den verschiedenen Segmenten gegenüber, herrscht der größte Ingenieurmangel in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik, der Energie- und Elektrotechnik und der Metallverarbeitung. Deutlich entspannter ist die Situation im Bereich Bau / Vermessung / Gebäudetechnik / Architekten, der Kunststoffherstellung und chemischen Industrie sowie der technischen Forschung und Produktionssteuerung. Keine Engpässe existieren bei sonstigen Ingenieurberufen sowie in der Rohstofferzeugung und -gewinnung.

Der Ingenieurmangel ist erwartungsgemäß in den Industriehochburgen Bayern und Baden-Württemberg am größten. Nordrhein-Westfalen weist dagegen eine unterdurchschnittliche Engpasssituationauf. Grund hierfür ist die gute Ausbildungsleistung der Region im Ingenieurbereich.

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