Dienstag, 29.11.2016
Deutsche KMU sind weltweit am wettbewerbsfähigsten.

Fotoquelle: Ryan McVay/Thinkstock/Getty Images

Gut im Rennen: Deutsche Mittelständler belegen im KfW-Wettbewerbsindikator 2016 den ersten Platz.

KfW-Indikator 2016

Deutsche KMU sind international am wettbewerbsfähigsten

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland sind gut gerüstet für den internationalen Wettbewerb. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der KfW. Beim Paradethema Energieeffizienz liegen allerdings die KMU aus den USA vorne.

Im KfW-Wettbewerbsindikator 2016 belegen die deutschen KMU den ersten Platz. Mit nur geringem Abstand folgen die Mittelständler aus Frankreich und Großbritannien. Bei der vorherigen Erhebung vor zwei Jahren hatten die deutschen Mittelständler noch auf Rang zwei gelegen. Die KMU aus den Vereinigten Staaten, dem Spitzenreiter aus 2014, sind wiederum auf den vierten Platz abgerutscht. 

Der KfW-Wettbewerbsindikator basiert auf einer Befragung von mehr als 2.200 Mittelständlern in zehn wichtigen Industrie- und Schwellenländern. Abgefragt wurden die Stärken und Schwächen des eigenen Unternehmens und ihres Standorts im Vergleich zu den wichtigsten internationalen Konkurrenten.

Die hierzulande befragten Unternehmen sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch ungünstige Standortbedingungen wie mangelnde Infrastruktur und hohe Bürokratie erheblich beeinträchtigt. Der Spitzenplatz des deutschen Mittelstands wird demnach getragen von den weiterhin sehr guten Standortbedingungen. KMU in anderen Volkswirtschaften leiden deutlich stärker unter einer schlecht ausgebauten Infrastruktur, politischer Instabilität, Korruption oder Finanzierungsschwierigkeiten.

Verbesserungspotential beim Bürokratieabbau

Ihre eigene Unternehmensperformance schätzen die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland besser ein als noch vor zwei Jahren: Sie punkten weiterhin vor allem mit Qualität, Innovation und Service. Auch bei der preislichen Wettbewerbsfähigkeit konnten sie deutlich aufholen. Einen wichtigen Beitrag dazu dürfte die Euro-Abwertung infolge der expansiven EZB-Geldpolitik sein. Davon konnten auch die Mittelständler in anderen Ländern der Eurozone profitiert.

Verbesserungspotential sehen die deutschen Mittelständler dennoch: Der Bürokratieabbau muss vorangetrieben werden, Steuern und Abgaben werden noch immer als zu hoch empfunden und der Fachkräftemangel infolge des demografischen Wandels bereitet Vielen Sorgen.

„Keine Frage: Der deutsche Mittelstand steht gut da. Seine hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit trägt erheblich zu Wachstum und Beschäftigung bei“, so Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

Erstmals nach Energieeffizienzmaßnahmen gefragt

In diesem Jahr hat KfW Research bei den Wettbewerbsindikator erstmals auch nach Energieeffizienzmaßnahmen gefragt, die erheblich zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens beitragen.

Wie die Untersuchung zeigt, hat das Thema international nicht bei allen Mittelständlern den gleichen Stellenwert. Energieeffizienz ist den kleinen und mittleren Unternehmen dort wichtig, wo die Energiekosten als sehr belastend oder die Klimaschutzbestimmungen als besonders streng wahrgenommen werden.

Lediglich in Deutschland halten 88 Prozent der Mittelständler das Thema Energieeffizienz für wichtig, das ist insofern interessant, weil sie gleichzeitig angeben nicht mehr so stark durch Energiekosten beeinträchtigt zu sein. „Die hohen Energiepreise der Vergangenheit und die staatlichen Fördermaßnahmen haben nicht nur dazu beigetragen haben, Energieeffizienz im Bewusstsein der Unternehmen zu verankern. Sie haben auch dazu geführt, die Energieeffizienz deutlich zu verbessern und die Belastung durch Energiekosten zu begrenzen“, so der KfW-Chef weiter.

USA bei Energieeffizienz vorne

So hat jeder vierte deutsche Mittelständler in den vergangenen zwei Jahren konkrete Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt und jedes sechste Unternehmen hat solche Maßnahmen in Planung. In etwa gleichauf liegen die mittelständischen Unternehmen aus anderen Industrieländern wie Großbritannien, Italien oder Spanien. Die Franzosen und Japaner folgen mit geringem Abstand.

An der Spitze liegen derzeit die Mittelständler aus den USA: Hier waren fast 30 Prozent zwischen 2014 und 2016 aktiv. Das Ausgangsniveau in den USA ist jedoch auch deutlich niedriger als in vielen europäischen Staaten, der Nachholbedarf entsprechend hoch. „Im internationalen Vergleich haben die deutschen Mittelständler beim Wettbewerbsfaktor Energieeffizienz bereits ein gutes Niveau erreicht. Aber sie müssen unbedingt weiter am Ball bleiben!“ sagt KfW-Chefvolkswirt Zeuner.