Dienstag, 27.11.2012
Wirtschaftskriminalität

Familienunternehmen unterschätzen Wirtschaftskriminalität

Fast jedes vierte Unternehmen mit mehr als neun Mitarbeitern wurde in den letzten zwei Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität. Trotzdem sind viele Familienunternehmen immer noch schlecht geschützt.

Insgesamt werden jährlich knapp 670.000 Fälle von Wirtschaftskriminalität aufgedeckt. Trotzdem werden die Risiken von vielen Familienunternehmen immer noch falsch eingeschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, für die 163 Unternehmen befragt wurden. Die Befragten schätzen das Risiko, Opfer wirtschaftskrimineller Handlungen zu werden, demnach für andere Unternehmen nach wie vor deutlich höher ein als für ihr eigenes Unternehmen. Gleichzeitig sind vier von fünf Unternehmen mit den eigenen Präventions- und Aufdeckungsmaßnahmen zufrieden, obwohl vielerorts Defizite bestehen. Die unzureichenden Schutzmaßnahmen seien besonders erstaunlich, da Familienunternehmer häufig mit ihrem Privatvermögen für entstandene Schäden haften müssten.

Die Probleme fangen der Studie zufolge bereits bei der Gewichtung der verschiedenen Risiken an. So werden Verletzungen von Schutz- und Urheberrechten häufig zu viel Bedeutung und Schadenspotential beigemessen, was die Autoren auf die starke mediale Präsenz dieser Themen zurückführen. Betrug, Untreue, Diebstahl und Unterschlagung werden hingegen in ihrer Bedeutung unterschätzt. Es besteht somit das Risiko ineffizienter Kontrollstrukturen, die am eigentlichen Problem vorbeiarbeiten und den Schutz vor ebenfalls wichtigen Gefahren vernachlässigen.

Unzureichende Maßnahmen gegen Wirtschaftskriminalität

Die Sorglosigkeit vieler Familienunternehmen zeigt sich auch bei den internen Vorbereitungen auf entsprechende Fälle. So bieten nur 26 Prozent entsprechende Mitarbeiterschulungen an und nur 11 Prozent planen dies eventuell in den kommenden 2 Jahren. Das generell vertrauensvollere Verhältnis zu den Mitarbeitern kann dies erklären, es stellt aber auch ein Risiko dar. Auch die Ermittlungsmethoden sind in Familienunternehmen nicht optimal strukturiert. Mitarbeiterbefragungen stellen demnach zwar die wichtigste Ermittlungsmethode dar, Mittelständler sollten aber auch elektronische Maßnahmen nutzen, da diese gerichtlich besonders gut verwertbar sind. Bei Familienunternehmen werden sie jedoch nur zu 29 Prozent eingesetzt, während nicht familiengeführte Unternehmen sie in 41 Prozent der Fälle nutzen.

Schwachstelle Vertrieb

Wie die Studie weiter berichtet steht der Vertrieb mit 45 Prozent der Fälle eindeutig im Zentrum der Wirtschaftskriminalität. Externe Vertriebsmitarbeiter erhöhen das Risiko um weitere 10 Prozent und sind somit eine besonders wichtige Quelle für Risiken. Bei Familienunternehmen sind außerdem die Bereiche Finanz- und Rechnungswesen, sowie die IT überdurchschnittlich häufig betroffen. Insbesondere die IT-Kriminalität wird der Studie zufolge in den kommenden Jahren noch weiter an Bedeutung gewinnen.

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