Dienstag, 04.11.2014
Expat Entsendung

Foto: Fuse/Thinkstock/Getty_Images

Expat ins Ausland: Vor der Verabschiedung am Flughafen gibt es Einiges rund um die Entsendung zu klären.

Zukunftsmärkte
Hohe Fürsorgepflicht des Unternehmens

5 Tipps für die Entsendung von Expats

Etwa 3 Millionen deutsche Expats sind weltweit für ihr Unternehmen im Einsatz. Gerade im Mittelstand gibt es für die Entsendung oftmals keine einheitlichen Prozesse. Was unbedingt zu beachten ist.


Egal ob ein mehrmonatiger Wartungsauftrag, der Aufbau einer neuen Produktionsstätte oder die Übernahme der Geschäftsführung einer ausländischen Tochtergesellschaft: International tätige Mittelständler müssen immer öfter Mitarbeiter aus dem Stammhaus ins Ausland entsenden.

1. Tipp: Klären, ob Entsendung oder Dienstreise vorliegt

Ein häufiges Missverständnis, vor allem im Mittelstand, ist der Grundsatz, dass es sich bei einem Auslandsaufenthalt in den ersten drei Monaten stets um eine Dienstreise handelt. „Eine Entsendung beginnt ab dem ersten Tag der Auslandstätigkeit“, sagt Omer Dotou, Leiter Internationale Mitarbeiterentsendungen beim Beratungshaus BDAE. Damit ist klar, dass ein Unterschied zwischen einer Dienstreise, die Besprechungen, der Abhaltung von Seminaren oder Geschäftsanbahnungen dient, und einer Entsendung besteht. Für Unternehmen bedeutet das, dass die Entsendung auch als solche vorzubereiten ist, etwa wenn es um die Beantragung des richtigen Visums für den Mitarbeiter geht. Wer mit einem falschen Visum im Ausland arbeitet, macht sich unter Umständen strafbar.

2. Tipp: Versicherungsschutz klären

Deutsche Unternehmen per Gesetz dazu verpflichtet, gesundheitliche und auch anderweitige Risiken für ihre Mitarbeiter auf ein Minimum zu reduzieren. Das lässt sich aus der so genannten Fürsorgeplicht eines Arbeitgebers ableiten. „Am ehesten wird noch eine Krankenversicherung für die Mitarbeiter im Ausland abgeschlossen. Doch das allein reicht nicht, denn die Risiken sind vielfältig“, sagt Thomas Dillon, Geschäftsführer von A3M, einem Dienstleister für Reisesicherheit. Grundsätzlich gilt: Der Mitarbeiter darf auch in puncto Sozialversicherung im Ausland nicht schlechtergestellt sein, als im Inland, also neben Kranken- sind insbesondere auch Unfall-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung weiterhin zu gewährleisten. Innerhalb der EU regelt dies eine Verordnung, mit Drittstaaten gibt es teilweise Sozialversicherungsabkommen. Aber das muss das Unternehmen prüfen. Gibt es eine im Vergleich zum deutschen Standard lückenhafte Versicherung, muss das Unternehmen den Expat zusätzlich versichern.

3. Tipp: „Soft skills“ schulen

An Sprachkurse denken viele Mittelständler vor der Entsendung gerade noch. Doch für eine optimale Vorbereitung des Mitarbeiters auf das Zielland können noch weitere Schulungen und Kurse hilfreich sein. Interkulturelle Trainings, die die Dos und Don’ts der Kultur im künftigen Arbeitsland thematisieren, können den Expats das Leben gehörig erleichtern. Für Länder mit erhöhtem Risiko für politische Unruhen oder gar Kriege sind zudem Sicherheitsschulungen für die Mitarbeiter anzuraten. Tägliche Fahrstrecken und auch das Freizeitverhalten im Land könnten das Gefährdungspotential erhöhen und sind in den Schulungen anzusprechen. Auch ist ratsam, die Familie aktiv in diesen Vorbereitungsschritt mit einzubauen, sollte sie den Expat ins Ausland begleiten.

4. Tipp: Lage im Zielland aktiv beobachten

Während des Auslandsaufenthalts ist ein regelmäßiger Austausch mit dem Expat unerlässlich. Dies nicht nur, um unternehmerische Fragen und Probleme zu besprechen, sondern auch um über das Wohlbefinden und die persönliche Lebenssituation des Mitarbeiters im Bilde zu sein. Kommt es in politisch unruhigen Ländern dazu, dass Gefahr für Leib und Leben des Expats oder seiner Familie besteht, so muss das Unternehmen rasch handeln. „Auf eine offizielle Reisewarnung zu warten, dauert zu lange“, sagt BDAE-Experte Omer Dotou. „Der Botschafter in einem nordafrikanischen Land informierte eines unserer Kundenunternehmen, dass seine Repräsentanten in der Region ins Blickfeld der Terrorgruppe ‚Al-Qaida im islamischen Maghreb’ geraten seien“, berichtet etwa Andreas Radelbauer, Experte für Sicherheitsmanagement und CEO der Result Group. In Frage kommen dann Übersiedelungen in eine andere Region des Landes, in ein anderes Land oder im Extremfall die Rückholung des Mitarbeiters. Auch bei sich ausbreitenden ansteckenden Krankheiten dürfen Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht in die Eigenverantwortung entlassen – im Gegenteil. Möchten die Expats aber gar nicht zurückgeholt werden, so bleibt dem Unternehmen im schlimmsten Fall nur mehr die Kündigung des Mitarbeiters, um bei Schäden nicht haftbar zu werden.

5. Tipp: Entsendung in der Karriereplanung berücksichtigen

In vielen Fällen ist mit der Entsendung ins Ausland auch ein Karrieresprung für den Mitarbeiter dort oder spätestens nach seiner Rückkehr ins Stammhaus verbunden. Andere nutzen auch nur das Angebot ihres Arbeitgebers, um Auslandserfahrung zu sammeln. Wie auch immer der Fall gelagert ist – mit den betroffenen Expats müssen die Unternehmen unbedingt darüber sprechen. Gibt es im Ausland Zulagen? Winkt nach der Rückkehr eine Gehaltserhöhung? Kommt es zu einer Beförderung? Falsche Erwartungen und Hoffnungen können die Entsendung zur Niederlage für alle Beteiligten machen. Wichtig dabei ist, dass die Stelle dann aber auch für den Mitarbeiter passt und er sie nicht nur aufgrund des erfolgreich beendeten Auslandsauf­enthalts antritt.