Dienstag, 15.11.2016
Neue Straßen in Asien: Für die Projekte, die durch die neue Investitionsbank AIIB finanziert werden, können sich auch deutsche Mittelständler bewerben.

Bildquelle: Pramote2015/Thinkstock/Getty Images

Neue Straßen in Asien: Für die Projekte, die durch die neue Investitionsbank AIIB finanziert werden, können sich auch deutsche Mittelständler bewerben.

Zukunftsmärkte
Zwischenfazit zur Entwicklungsarbeit

AIIB setzt auf Mitwirkung des deutschen Mittelstands

Vor gut einem Jahr ging die Asiatische Infrastruktur- und Investitionsbank (AIIB) an den Start. An den Projekten zum Infrastrukturausbau Asiens soll auch der deutsche Mittelstand mitwirken. Wie die Chancen hierfür stehen, ist noch unklar.
Knapp ein Jahr ist die Asiatische Infrastruktur- und Investitionsbank (AIIB) nun alt, ihr Ziel ist der Infrastrukturauf- und –ausbau in asiatischen Ländern. Mittlerweile sind erste Projekte an den Start gegangen, die dieses Vorhaben unterstreichen (siehe Kasten).

„Bei allen Projekten haben deutsche Firmen grundsätzlich die Chance mitzuwirken“, sagt Nikolai Putscher, deutscher Exekutivdirektor bei der AIIB in Peking: „Im Bau von Kraftwerken, Stromverbindungen und -speicheranlagen, Straßen oder Verkehrsnetzen haben sie große Erfahrung, die die asiatischen Länder brauchen, die solche Projekte umsetzen.“

Um die Chancen zu erhöhen, dass deutsche Firmen nicht nur theoretisch das passende Know-how haben, sondern auch praktisch den Zuschlag für Projekte erhalten, hat sich Deutschland als Gründungsmitglied an der AIIB beteiligt. Putscher sitzt gemeinsam mit elf weiteren Direktoren in einer Art Aufsichtsrat, der über die Projekte und die Verwendung der Finanzmittel der AIIB entscheidet. 

Politische Erfolge bei AIIB

Die meisten der jetzt ausgeschriebenen Projekte werden von einer anderen Entwicklungsbank kofinanziert. Politisch erstaunt das, denn China rief die Entwicklungsbank 2015 auch ins Leben, um ein Gegengewicht zu den etablierten Institutionen wie Weltbank, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Asiatischer Entwicklungsbank (ADB) zu schaffen, in denen die Volksrepublik ihr Stimmrecht als zu begrenzt empfand.

Wirtschaftlich ist die kooperative Finanzierung der AIIB-Projekte aber eine gute Nachricht für deutsche Firmen. Denn sie erhalten dadurch bessere Chancen, bei wirtschaftlich attraktiven Projekten dabei zu sein. 

AIIB will transparente Vergabe beweisen

„Westliche Länder haben an der Gründung der AIIB auch mitgewirkt, weil sie sicherstellen wollten, dass die Vergabepraxis internationalen Standards entspricht, transparent ist und fair abläuft“, erklärt Max Zenglein, Volkswirt und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mercator Institute for China Studies (Merics) in Berlin. Durch die Kooperation mit den anderen Entwicklungsbanken wolle die AIIB zudem genau lernen, wie ein Vergabeprozess zu organisieren sei, um anschließend Projekte in Eigenregie stemmen zu können.

Wie bei vielen Projekten internationaler Entwicklungsbanken sind die ausgeschriebenen Projekte der AIIB meist zu groß dafür, dass ein einzelner Mittelständler den Gesamtauftrag übernimmt. Putscher rät deutschen Firmen dennoch, sich die Ausschreibungen genau anzuschauen und eine Bewerbung nicht von vornherein auszuschließen.

Ansprechpartner für den Mittelstand

Erster Ansprechpartner für an AIIB-Projekten interessierte Firmen sind ihm zufolge deutsche Branchenverbände oder Auslandshandelskammern, die direkte Kontakte zu den ausschreibenden Stellen bei AIIB, Weltbank oder ADB unterhalten. Diese wüssten häufig auch von Konsortialführern, die auf der Suche nach Zulieferern und Subauftragnehmern seien.

Auch für Firmen, die nicht direkt bei einem Entwicklungsbank-Projekt landen können, lohnt sich die Information über AIIB-Vorhaben. Denn im Umfeld etwa eines Eisenbahnlinienbaus entstehen weitere Bedarfe – beispielsweise an neuer Antriebstechnik für die auf den neuen Schienen verkehrenden Loks. Aufmerksame Mittelständler können also mit Hilfe der AIIB-Projekte die von ihnen bereits bearbeiteten asiatischen Märkte noch stärker durchdringen.
Info
Für sechs Projekte der AIIB laufen momentan die Ausschreibungen. Zur Beteiligung sind ausdrücklich auch deutsche Firmen aufgerufen. Weitere Informationen zu den Projekten und Ausschreibungsdetails finden Sie auf der Website der Asiatischen Infrastruktur- und Investitionsbank (AIIB): http://euweb.aiib.org