Freitag, 12.07.2013
Zukunftsmärkte
ASEAN

Neue Chancen für den Mittelstand in ASEAN

Der südostasiatische Staatenbund (ASEAN) hat sich bis 2015 viel auf die Wirtschaftsagenda gesetzt und das bedeutet neue Chancen auch für den deutschen Mittelstand.

Deutschland profitiert von der Wirtschaftsdynamik der Megamärkte wie China und Indien, doch auch Südostasien etabliert sich zu einer nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsmacht globaler Ausstrahlung. Der südostasiatische Staatenbund (ASEAN) verzeichnet schon heute in weiten Teilen ein hohes Wirtschaftswachstum. Von durchschnittlichen Wachstumsraten in Höhe von fünf bis sechs Prozent in den nächsten Jahren geht der deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) derzeit aus.

Neben dem bereits vorhandenen Wachstum haben sie vor allem eine große Wirtschaftsagenda. Bis 2015 wollen sie einen gemeinsamen Binnenmarkt schaffen, die sogenannte ASEAN Economic Community (AEC).  "Dafür bedarf es teilweise eines Modernisierungsprozesses bei den lokalen Unternehmen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und auszubauen", erklärt Benjamin Leipold, Leiter des Referats Asien-Pazifik des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Und das wiederum berge große Chancen für den deutschen Mittelstand, vor allem für Zulieferunternehmen und den Maschinenbau.

Info

ASEAN:

Die Association of South-East-Asian Nations wurde 1976 mit dem Ziel gegründet, regionale Wirtschaftskooperationen, Integration in die Weltwirtschaft, sozialen Fortschritt, politische Stabilität und Frieden in der Region zu festigen und zu fördern. Die Mitgliedsstaaten umfassen die Gründungsmitglieder Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur und Thailand, gefolgt von Brunei, Vietnam, Laos, Myanmar und Kambodscha.

 

Zulieferer und Automobilhersteller können in ASEAN punkten

Für eine Modernisierung sind vor allem Zukunftstechnologien gefragt; der Bedarf an umweltfreundlichen und energieeffizienten Lösungen ist entsprechend hoch. Zu den Wachstumssektoren gehören außerdem Maschinenbau, Medizintechnik und Infrastruktur.
Überdies nimmt die Nachfrage auf dem Automobilmarkt zu. Auch auf der diesjährigen Internationalen Zulieferbörse (IZB) im Oktober wird besonders auf Südostasien geschaut. Laut IZB produzierten die ASEAN-Staaten im Jahr 2012 über 4,2 Millionen Fahrzeuge, davon knapp 2,5 Millionen in Thailand. Das Land zählt inzwischen zu den Top 10 der automobilproduzierenden Nationen.

 

Mittelständler zeigen großes Interesse in ASEAN

Die deutschen Mittelständler sind schon mitten dabei.  Bereits jetzt gibt es zahlreiche deutsche Unternehmen mit Niederlassungen in der ASEAN-Region, in Singapur schätzt der DIHK die Zahl der deutschen Unternehmen auf ca. 1.300, in Thailand auf 500 - 600, Malaysia auf ca. 350 - 400, Vietnam und Indonesien jeweils ca. 300. Oft sind es Mittelständler, die vor Ort Verkaufsbüros, Servicebüros und/oder eigene Produktionsstätten errichten. Gerade bei größeren Auftragsvolumen und langfristigen Zulieferchancen bieten sich Niederlassungen in den Zielmärkten an. Und viele erkundigen sich nach Lieferchancen und Vertriebspartnern bei den IHKs (Industrie- und Handelskammern) in Deutschland und den AHKs (Deutsche Auslandshandelskammern) vor Ort.

 

Trotz Chancen in ASEAN Vorsicht geboten

Doch der ASEAN-Experte Leipold rät auch zur Vorsicht bei der Erschließung der ASEAN-Staaten. Die Region sei sehr heterogen, jedes Land habe seine eigenen Besonderheiten. Deswegen müsse teilweise in den Ländern mit unterschiedlichen Strategien gearbeitet werden.

Auch die dreijährigen Bemühungen der EU-Kommission, ein Freihandelsabkommen zwischen EU und ASEAN zu schließen, scheiterten. Grund waren die unterschiedlichen Interessen innerhalb der ASEAN-Staaten. Derzeit werden diese Bemühungen in Einzelverhandlungen und Aktionsplänen mit ASEAN-Staaten fortgesetzt. Das bedeutet aber für die Unternehmen einen unüberschaubaren Dschungel aus unterschiedlichen Regelungen, der die verhandelten Erleichterungen gerade für mittelständische Unternehmen wieder unattraktiver macht.

 

Info

Aktionsplan zur Verbesserung der Handelsbeziehungen:

2012 verabschiedeten die Außenminister von EU und ASEAN den "Bandar Seri Begawan Aktionsplan zur Stärkung der vertieften EU-ASEAN Partnerschaft (2013-2017)". Der Aktionsplan enthält vier Bereiche, in denen die beiden Regionalorganisationen EU und ASEAN in den nächsten fünf Jahren enger zusammenarbeiten werden, dazu zählt auch Wirtschaft/Handel einschließlich Energiesicherheit und die Zusammenarbeit im Bereich regionaler und globaler Umwelt- und Klimaschutzfragen.

 

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