Mittwoch, 17.11.2021

MRM Distribution

Ernesto Schmutter ist CEO von MRM Distribution, einem auf den Ankauf und Verkauf von Gebrauchtsoftware spezialisierten Software-Handelsunternehmen.

Zukunftsmärkte
Gastbeitrag

Auf der Suche nach Kapital? Viele Spuren führen häufig unerwartet in die IT-Abteilung

Alte Softwarelizenzen können zu einer ungeahnten Liquiditätsquelle für Mittelständler werden. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten.

Stellen Sie sich vor, Sie entdeckten einen vergessenen Tresor in Ihrem Büro und könnten mit den dort verstauten Werten wichtige Ausgaben Ihres Unternehmens decken. Klingt erst einmal etwas abwegig. Schaut man jedoch genauer hin, dann findet sich verstecktes Kapital in vielen Unternehmen – nicht unbedingt in Form eines vergessenen Safes, aber in Form ungenutzter oder zu teuer erworbener Softwarelizenzen. Das Spannende dabei: Diese Lizenzen bieten Mittelständlern eine ungeahnte Liquiditätsquelle für neue Investitionen, wenn sie diese gebraucht weiterverkaufen. Gleichzeitig profitieren Unternehmen davon, wenn sie auf Gebrauchtsoftware zurückgreifen. Das Einsparpotential beim Kauf zweitverwerteter Software ist groß.

Die Digitalisierung schreitet immer mehr voran und mit ihr wächst die Vielfalt an unterschiedlichen Softwarelösungen. Nicht selten kommt es dadurch zum Wechsel auf eine andere Softwareplattform oder auf eine Cloud-basierte Lösung. Mögliche Folgen sind, dass

1. Alt-Lizenzen, die nicht mehr in Benutzung sind, brach auf den Servern liegen. Diese Überkapazitäten werden in Unternehmen aller Größenordnungen häufig übersehen. Das Ergebnis: Eine potenzielle Liquiditätsquelle bleibt unentdeckt.

2. Beim Upgrade veralteter Lizenzen Unternehmen neue Lizenzen einkaufen, obwohl sie oftmals nicht das nötige IT-Budget dafür zur Verfügung haben. Der Erwerb von Gebrauchtlizenzen bietet Unternehmen ein hohes Einsparpotential und setzt Ressourcen frei, die sie ebenfalls anderweitig nutzen können.

Rechtliche Unsicherheiten im Gebrauchtsoftwarehandel

Warum wird die Option des Gebrauchtsoftwarehandels also oft nicht gezogen, obwohl In vielen Fällen die IT-Abteilung sogar weiß, dass es einen Überschuss an Lizenzen im Unternehmen gibt oder dass benötigte Lizenzen günstiger zu erwerben sind? Ein Grund dafür ist die Rechtslage, die häufig als unklar empfunden wird, obwohl sie längst geklärt und sowohl in einem Urteil vom Bundesgerichtshof aus dem Jahr 2000 als auch vom Europäischen Gerichtshof im Jahr 2012 bestätigt worden ist. Etwaige Sorgen sind somit unbegründet und der Handel gestaltet sich einfacher als gedacht. Grundsätzlich sollten alle erforderlichen Nachweise für mögliche, spätere Audits vorliegen. Daher ist ein rechtskonformer und fairer Lizenzverkauf/-ankauf über erfahrene und vertrauenswürdige Lizenzspezialisten zu empfehlen.

Mehr Nachhaltigkeit in der IT-Abteilung

Der Einsatz von Gebrauchtsoftware spart nicht nur wichtige Ressourcen ein, sondern eröffnet neue Möglichkeiten. Ein Beispiel: Unternehmen die Windows 7 nutzen und auf Windows 10 upgraden müssen, können vergünstigte Windows 10 Enterprise LTSB Volumenlizenzen gebraucht erwerben und unter der Einhaltung von Mindestvoraussetzungen gleichzeitig eine Basis für ein Upgrade auf das neue Windows 11 schaffen.

Darüber hinaus etabliert sich durch den Einsatz und Handel mit Gebrauchtsoftware eine Kreislaufwirtschaft: Die von einem Unternehmen ungenutzten Lizenzen werden zu den vergünstigten Gebrauchtlizenzen des anderen Unternehmens.

Es muss folglich nicht immer die Neuanschaffung sein, wenn die benötigten Lizenzen aus zweiter Hand mit demselben Qualitätsstandard auf dem Gebrauchtmarkt angeboten werden. Viel entscheidender ist der Blick auf die eigene IT-Situation und die damit einhergehenden Bedarfe.

Über den Autor

Ernesto Schmutter, Jahrgang 1966, ist CEO von MRM Distribution, einem auf den Ankauf und Verkauf von Gebrauchtsoftware spezialisierten Software-Handelsunternehmen. Er studierte an der J.W.-Goethe Universität in Frankfurt, an der University of California, der Stanford University Graduate School of Business und der Business School St. Gallen. Frühere berufliche Stationen umfassen MicroWarehouse Deutschland, Macrotron und Ingram Micro. Zu seinen Spezialgebieten zählen Change Management, Digitale Transformation sowie Strategy und Management Consulting.

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