Mittwoch, 20.12.2017

Foto: Thinkstock/GettyImages/wissanu01

Blinder Passagier: Noch floriert der freie Warenhandel rund um den Globus. Immer öfter reist die Angst vor Protektionismus allerdings im Container mit.

Zukunftsmärkte
Ausblick auf 2018

Außenhandel: „Unsere Nachbarländer entwickeln sich positiv“

Türkei-Krise, Brexit und Protektionismus: Welche Herausforderungen kommen 2018 auf Exportweltmeister Deutschland zu? Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie-und Handelskammertages, gibt Antworten.

Herr Wansleben, welche Trends werden 2018 den Welthandel bestimmen?
Wir sehen gegenläufige Tendenzen: Während in vielen Ländern der Protektionismus auf dem Vormarsch ist, gibt es andernorts ambitionierte Freihandelsabkommen. Generell befinden sich Weltwirtschaft und Welthandel jedoch in einem Aufschwung– auch wenn das Tempo nicht berauschend ist.

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Welche Länder werden stärker auf Protektionismus setzen?
Die USA scheinen sich zunehmend aus der multilateralen Zusammenarbeit zurückziehen. In China lassen die Freihandelsbekenntnisse bisher noch auf Taten warten. Und überall nehmen Exportbeschränkungen zu. Es wird nicht einfacher.

Foto: Jens Schicke

Martin Wansleben ist Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag

Der Countdown zum Brexit läuft. Welche Weichen für den „Tag X“ sollten deutsche Firmen bereits 2018 stellen?
Es sieht zunehmend nach einem harten Ausstieg ohne Folgeabkommen aus. Betroffen sind aber nicht nur in Großbritannien tätige Unternehmen. In Deutschland wurden Tausende Unternehmen nach britischem Recht gegründet. Sie sollten sich schon jetzt nach alternativen Gesellschaftsformen umsehen.

Welche Auslandsmärkte sind für den deutschen Mittelstand im nächsten Jahr besonders attraktiv?
Unsere europäischen Nachbarländer entwickeln sich positiv. Hohe Wachstumsraten machen das Asien-Geschäft attraktiv – allen voran China, Vietnam und Indonesien –, und auch Südamerika stabilisiert sich. Anzumerken ist gleichwohl: Besonders in diesen Emerging Markets ist der Markteintritt nicht immer einfach.

Naht 2018 das Ende der ultralockeren Geldpolitik?
Eine Zinserhöhung sehe ich nicht vor 2019. Investitionen hängen aber nicht nur an den Zinsen. Vielmehr sind die Ertragschancen und der betriebliche Aufwand maßgeblich. Das Steuerrecht spielt eine entscheidende Rolle.

Welche Herausforderungen kommen auf den Standort Deutschland zu?
Unternehmer müssen das Gefühl haben, am richtigen Standort zu sein. Hier ist die Politik gefordert.Obwohl die wirtschaftliche Lage Deutschlands erheblich besser ist als vor der Bundestagswahl 2013, beurteilen die Unternehmen wichtige Standortfaktoren heute schlechter. Wir brauchen einen Koalitionsvertrag für Investitionen – in kluge Köpfe, eine moderne Infrastruktur und mehr Freiraum für Unternehmen.


Der Text gehört zu einem Thema aus der Markt-und-Mittelstand-Ausgabe 12/2017 – 01/2018. Hier können Sie das aktuelle Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.