Freitag, 09.11.2012
Zukunftsmärkte
Automobilbranche

Europas Autobauer sind nicht ausgelastet

Zahlreiche Automobilwerke in Europa kämpfen derzeit mit einer Auslastung von nur 50 Prozent. Vor allem sinkende Absatzzahlen in Europa sind dafür verantwortlich und Besserung ist auch im kommenden Jahr nicht in Sicht.

Die europäischen Autobauer kämpfen derzeit mit einer massiven Unterbeschäftigung. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung von PwC Autofacts, dem Automotive-Institute der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Demnach sind derzeit fünfzehn europäische Automobilwerke mit Produktionskapazitäten über 100.000 Einheiten pro Jahr so schwach ausgelastet, dass die Hersteller sie auf den Prüfstand stellen müssen. In diesen Werken liegt die Auslastung momentan um oder teilweise sogar unter 50 Prozent – mit wenig Aussicht auf Besserung. Im Allgemeinen gilt eine Auslastung von 75 Prozent als Mindestgrenze für Profitabilität.

Deutlich besser sieht es in der deutschen Automobilbranche aus: „Die deutschen Automobilwerke stehen mit einer Auslastung von durchschnittlich 85 Prozent gut da. Um die europaweiten Überkapazitäten in der Automobilindustrie zu reduzieren, sind strukturelle Anpassungen und Werksschließungen wohl dennoch unausweichlich. Sie dürfen allerdings nicht das einzige Mittel sein. Denn Auswege aus Krisen hat die Automobilbranche immer wieder gefunden, indem sie in Innovationen, neue Technologien und neue Produkte und Services investiert hat“, erklärt Felix Kuhnert, Partner und Leiter des Bereichs Automotive bei PwC in Deutschland und Europa.

Absatzkrise drückt den Markt

Grund für die sinkende Auslastung sind vor allem schwache Absatzzahlen im EU- und EFTA-Raum. Während im Rekordjahr 2007 16 Millionen Neuzulassungen verzeichnet wurden, waren es 1012 nur noch 12,5 Millionen – und 2013 verspricht kaum Besserung. Weltweit soll die Automobilproduktion den aktuellen PwC-Prognosen zufolge von 79,1 Millionen Einheiten im Jahr 2012 auf 83,9 Millionen Einheiten im Jahr 2013 steigen. Erst ab 2014 können die europäischen Autobauer demnach wieder mit einem moderaten Wachstum  auf 13,1 Millionen Neuzulassungen rechnen, bevor 2018 wieder ein Wert von bis zu 15,2 Millionen möglich ist.

Die wesentlichen Ursachen für die sinkenden Absatzzahlen sieht PWC in der Schuldenkrise, der zunehmend lokaleren Produktion in den Emerging Markets, sowie geänderten Kundenwünschen im Rahmen des demographischen Wandels. Während europäische Volumenhersteller davon hart getroffen werden, können die deutschen Autobauer weiter von ihrem Status als Premiumhersteller profitieren, der ihnen eine konstant hohe Nachfrage außerhalb der EU sichert. Die Studienautoren warnen jedoch vor zu viel Gelassenheit: „Vor Risiken dürfen auch die deutschen Hersteller die Augen nicht verschließen. Sie bauen schon seit Längerem Produktionskapazitäten auf. Sollte sich das weltweite Wachstum der Automobilindustrie verlangsamen, müssen auch sie flexibel reagieren können“, sagt Felix Kuhnert.