Freitag, 31.08.2012
Zukunftsmärkte
Mexiko

Automobilhochburg Mexiko

Mexiko gilt als Hort der Autoindustrie, heute mehr denn je. Das gilt für Produktion und Export gleichermaßen. Und es dürfte noch interessanter werden.

Wer nicht ohnehin schon vor Ort ist, macht sich jetzt auf den Weg, denn der Mexiko-Boom in der Automobilbranche ist in eine neue Phase getreten. Für die Produktion und den Export ist Mexiko gleichermaßen attraktiv. „Jetzt zeichnet sich in Mexiko eine Clustersituation ab, und wir gehen davon aus, dass noch viel Investment kommen wird“, sagt Albrecht zu Ysenburg, Partner und Automobilexperte von KPMG in Mexiko. Hochschulen und Unternehmen arbeiten verstärkt in Industrieclustern zusammen und nutzen Synergien, um für die heimische Produktion und den Export gut aufgestellt zu sein.

Den Boom will auch Mittelständler Gemo nicht verpassen. Weil Aufträge für Komponentenzulieferer, die sich nicht in Mexiko ansiedeln, kaum noch zu bekommen sind, will sich auch Gemo mitten in einem der wichtigsten Zentren niederlassen, in denen sich die Automobilindustrie in Mexiko ballt. Gemo stellt biegsame Wellen und Schneckenkabel her, die in Schiebedächern beziehungsweise Sitzverstellungen, Kopfstützen und Lenksäulen zu finden sind. Zu den wichtigsten Kunden von Gemo zählen Autozulieferer wie Brose, CRH (jetzt JCI), Webasto und Inteva. Schon 2007 hatten sich Prokurist Karl Rudolfi und seine Kollegen Mexiko genauer angeschaut. Durch die Finanzkrise waren die Pläne aber verschoben worden, erst 2012 beginnt nun der Hallenbau in Querétaro. Auch Guanajuato hatte Gemo geprüft. Das andere große Ballungszentrum, die Grenzregion zu den USA, kam für das Unternehmen nicht in Frage.

 

Steigende Zahlen im Export

Im vergangenen Jahr gingen in Mexiko 1,96 Millionen Fahrzeuge in den Export, 2015 sollen es nach KPMG-Prognosen sogar 2,91 Millionen sein (s. Grafik).

Mit 2,68 Millionen produzierten Autos steht Mexiko an achter Stelle der Länder, in denen die meisten Fahrzeuge von Band rollen. Der größte Teil hiervon ist für den Export bestimmt. Nur etwa 20 Prozent der Fahrzeuge verbleiben im Land. Der Großteil wird, dank NAFTA-Abkommen, zollfrei in die USA exportiert.

 

Mit 12 Freihandelsabkommen mit 49 verschiedenen Ländern ist Mexiko aber auch für den Export in andere Länder gut aufgestellt. So viele Freihandelsabkommen hat keiner der BRIC-Staaten auch nur annähernd vorzuweisen. So möchte Mexiko eine größere Unabhängigkeit vom US-Markt erreichen. Denn die starke Abhängigkeit von den USA ist Fluch und Segen zugleich für Mexiko: Hustet der USA-Absatz-Markt, holt sich die mexikanische Autoindustrie einen ordentlichen Schnupfen.

Qualifizierte Arbeitskräfte gibt es in dem Land, dank seiner langjährigen Erfahrung mit der Branche. Und die demographische Entwicklung verläuft günstig. In den nächsten 20 Jahren wird die Mehrheit der Bevölkerung zwischen 24 und 44 Jahre alt sein, zeigen Prognosen des Nationalen Bevölkerungsrates (Consejo Nacional de Población) (s. Grafik). Die Kaufkraft in dieser Altersgruppe ist am höchsten, und Experten erwarten eine höhere Inlandsnachfrage nach höherwertigen Artikeln. Zu Ysenburg erklärt: „In Mexiko wird es Millionen potenzieller Autokäufer mit höheren Einkommen geben.“

Bislang gehört der mexikanische Heimatmarkt nicht zu den eifrigsten Nachfragern. In den meisten OECD-Ländern ist die Verbreitung von Fahrzeugen deutlich höher als in Mexiko. Auf ein Fahrzeug in Mexiko kommen dort im Schnitt vier Kfz. „Schuld daran sind die ungleichen Einkommen, und dass es bis 2005 schwierig war, an Kredite zu kommen“, erklärt zu Ysenburg. An Kredite zu kommen werde nun leichter. Experten erwarten deswegen, dass sich die Nachfrage nach Fahrzeugen in Mexiko deutlich erhöhen könnte.

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