Dienstag, 15.04.2014
Zukunftsmärkte
Experten rechnen für 2014 mit Stagnation

Automobilmarkt Brasilien: Warten auf den Aufschwung

Der wirtschaftliche Stillstand in Brasilien macht sich auch auf dem Automobilmarkt bemerkbar. Große Sprünge beim Absatz sind im laufenden Jahr keine zu erwarten.

In knapp zwei Monaten erfolgt in São Paulo der Ankick zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Trotz der Euphorie, die das bevorstehende Großereignis versprüht, gibt Brasiliens Wirtschaft momentan noch keinen Anlass zu großer Jubelstimmung. Sowohl der Internationale Währungsfonds (IWF) als auch die Weltbank rechnen in ihren jüngsten Prognosen trotz der WM in diesem Jahr mit einem BIP-Wachstum von nicht einmal 2 Prozent. Ein Wirtschaftsleiter der Weltbank spricht gar von einer „besorgniserregenden Situation“, da im Falle Brasiliens geringes Wachstum und Inflationsdruck aufeinander treffen. Die brasilianische Währung Real hat seit Anfang 2013 gleich 20 Prozent an Wert eingebüßt. Regelmäßige Erhöhungen des Leitzinses, zuletzt auf 11 Prozent, machen Kredite im Land teurer.

Brasilien: Anteil am weltweiten Markt bis 2020 unverändert

Die Verschlechterung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen hat auch Auswirkungen für den Automobilmarkt im Land. Zwar nimmt der Markt für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge auch in anderen Schwellenländern wie Russland nur langsam Fahrt auf und boomt momentan nur in China. Doch Brasilien liegt bei den Direktinvestitionen der deutschen Automobilindustrie mit über 4 Millionen Euro im Jahr 2011 hinter China (mit 10 Millionen Euro) auf Platz 2, was die Bedeutung des Marktes für deutsche Hersteller verdeutlicht. Momentan liegt der Anteil des Mercosur – mit den größten Mitgliedsländern Brasilien und Argentinien – am Automobil-Weltmarkt bei 6 Prozent. Die Prognose des VDA zeigt bis 2020 keine Veränderung dieses Anteils.

Die Prognose zum Automobilmarkt Brasilien sieht keine Entwicklung bis 2020.

Die Prognose zum Automobilmarkt Brasilien sieht keine Entwicklung bis 2020.

Die Zahl der Neuzulassungen an Pkw und leichten Nutzfahrzeugen lag 2013 bei etwa 3,6 Millionen Einheiten (zum Vergleich Deutschland: 2,95 Millionen), für das Jahr 2014 gehen die Experten des VDA von einer etwa gleich hohen Anzahl an neu angemeldeten Fahrzeugen aus. Bei den Neuzulassungen in den ersten drei Monaten liegt Fiat (175.000 Fahrzeuge) vor VW (138.000) und GM (137.000).

Stagnation seit der Finanzkrise

Eine genauere Betrachtung der Aktivitäten der deutschen OEM im Land zeigt eine generell positive Entwicklung im Zehnjahres-Zeitraum seit 2003. Die Exporte ins Land sind mit 45.000 Einheiten im Jahr 2013 auf mehr als das Zwanzigfache angewachsen. Das ist bislang der höchste erzielte Wert. Aufgrund der hohen Import-Zölle und der protektionistischen Wirtschaftspolitik des Landes, die Freihandel nur langsam fördert, liegt die Priorität der OEM klar auf der lokalen Produktion. Davon sind in hohem Maße auch die Zulieferer betroffen, die ihren Kunden in die Auslandsmärkte folgen. Deutsche Hersteller haben im Jahr 2013 668.000 Einheiten in Brasilien produziert. Das sind um über 50 Prozent mehr als noch 2013. Ein Blick auf die vergangenen Jahre trübt dieses Bild allerdings: Seit 2009 stagniert die lokale Produktion und sackte 2013 gegenüber 2012 um etwa 15 Prozent ein.

Export OEM nach Brasilien und lokale Produktion

Exporte deutscher OEM nach Brasilien (links) und die lokale Produktion vor Ort (rechts).

Dass die OEM sowie die mittelständischen Zulieferer mittelfristig allerdings wieder mit einem Aufblühen des Automobilmarkts Brasilien rechnen, zeigen die Aufbauaktivitäten neuer Produktionsstätten. In den kommenden zwei Jahren wollen sowohl BMW, als auch Audi und Daimler neue Werke eröffnen. Angesiedelt sind die deutschen OEM zum Großteil im Raum São Paulo.

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