Dienstag, 08.04.2014
Zukunftsmärkte
Chinesische Hersteller sind relativ unbedeutend

Automobilmarkt China: Jeder fünfte Euro an Deutschland

Deutsche Automobilhersteller verkaufen in China so viele Autos wie nie zuvor. Fast 95 Prozent der verkauften PKW werden mittlerweile im Land gebaut.

Im Wachstumsmarkt Russland wird der große Boom im Automobilsektor erst noch erwartet. Verlässliche Prognosen sind aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten im Zuge des Krim-Konflikts momentan kaum möglich. Die deutschen Automobilhersteller und damit auch ihre Zulieferer konzentrieren sich daher momentan auf andere Absatzmärkte – wie beispielsweise China.

China weist seit Jahren konstant hohe Wachstumsraten im Automobilsektor auf und ist bereits seit 2010 der weltweit größte Automobilmarkt. 2013 sind die Neuzulassungen gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent auf etwa 17,5 Millionen Einheiten gestiegen. Der Kreditversicherer Euler Hermes prognostiziert in einer aktuellen Studie für das aktuelle Jahr gar 19 Millionen Neuzulassungen.

Entwicklung des chinesischen Automobilmarktes in Millionen Einheiten.

Entwicklung des chinesischen Automobilmarktes in Millionen Einheiten.

Über diese Aussichten freuen sich vor allem deutsche Automobilbauer. Mit einem Marktanteil von 20 Prozent sind sie die führende westliche Automobilbau-Nation in China. „Kraftfahrzeuge und Fahrzeugteile waren im Jahr 2013 mit einem Anteil von über 17 Prozent am Gesamt-Export der Exportschlager der Bundesrepublik“, sagt Thomas Krings, Risiko-Vorstand bei Euler Hermes. Dem Experten zufolge sei das Ausfallrisiko bei Exporten der Automobilbranche nach China moderat.

Autobauer aus China mit zu geringen Kapazitäten

Überhaupt zeigen sich die westlichen Industrienationen stark am chinesischen Automobilmarkt vertreten. Gemeinsam macht Deutschland (20 Prozent) gemeinsam mit Japan (16 Prozent), den USA (12 Prozent), Südkorea (9 Prozent) und Frankreich (3 Prozent) 60 Prozent aller Umsätze im Land. Die restlichen 40 Prozent Marktanteil haben chinesische Hersteller, die jedoch vielfach immer noch zu klein sind, um mit westlichen Wettbewerbern mithalten zu können. Obwohl es laut CAAM (China Association of Automobile Manufacturers) über 80 staatliche und private chinesische Autobauer gibt, verfügen nur 15 davon über eine Produktionskapazität von mehr als 100.000 Fahrzeugen pro Jahr. 96 Marken mit 524 verschiedenen Modellen sind auf dem chinesischen Markt vertreten.

Bereits 95 Prozent aller verkauften Fahrzeuge im Land werden auch in China hergestellt. Das Standardmodell eines Produktionsbetriebes ist dabei das Joint Venture zwischen einem chinesischen Staatsunternehmen und einem europäischen Partner. In diesem montieren die ausländischen Automobilhersteller meist jedoch bereits eingestellte ausländische Modelle unter chinesischem Markennamen, um die Reputation der deutschen Stammmarke nicht zu schädigen und sich am Markt nicht zu kannibalisieren.

Aufstellung der chinesischen Hersteller und ihrer westlichen Partner in Joint Venture.

Aufstellung der chinesischen Hersteller und ihrer westlichen Partner in Joint Venture.

Umdenken bei Zulieferern

Die Hohe Anzahl an in China gefertigter Fahrzeuge führt dazu, dass der Export von kompletten Fahrzeugen nach China rückläufig ist, der Export von Fahrzeugteilen jedoch ansteigt.

Für die Automobilzulieferer bedeutet diese Entwicklung, dass sie künftig vermehrt über eine eigene Produktionsstätte in China nachdenken sollten, wenn sie an diesem Wachstum partizipieren möchten. Die Hersteller verlangen von ihren Zulieferern permanent Innovationen, und dafür ist eine möglichst enge Vernetzung, auch örtlich, förderlich. Viele haben diese Notwenigkeit bereits erkannt. Die Anzahl der Standorte deutscher Zulieferer in China ist in den letzten drei Jahren bereits um ein Drittel gestiegen.

China: Nur jeder Zwanzigste hat ein Auto

Welches Potential für „Managed in Germany“ im Automobilmarkt Chinas steckt, zeigt auch die Tatsache, dass bislang nur etwa jeder Zwanzigste der 1,3 Milliarden Chinesen ein Auto besitzt, welches im Land immer noch als Statussymbol gilt. Zum Vergleich: In Europa sind es 60 Prozent und damit deutlich mehr als jeder Zweite, der ein Automobil sein Eigen nennt.

Mit ihrem Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik von Quantität hin zu mehr zu Qualität und stärker nachhaltigem Wachstum hat die Regierung Chinas den Automobilbauern allerdings auch neue Hausaufgaben mit auf den Weg gegeben. Umweltfreundlichkeit, Sparsamkeit und effiziente Technik der Automobile spielen künftig im Reich der Mitte eine zunehmend wichtige Rolle. Wer dies berücksichtigt, profitiert von den langfristigen Wachstumsaussichten

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